Die Theologin Regina Heyder plädiert für eine kritische und zugleich ressourcenorientierte Lektüre des neuen Berichts zur Partizipation von Frauen in der katholischen Kirche. Zwar enthalte der Text einzelne positive Ansatzpunkte, insgesamt bleibe er jedoch vor allem in der Frage des Diakonats hinter den Erwartungen zurück, erklärte Heyder am Dienstag in einer ersten Einschätzung.
Das vatikanische Synodensekretariat hatte den Bericht der Studiengruppe 5 über die Teilhabe von Frauen am Leben und an der Leitung der Kirche am Dienstag veröffentlicht. Erfreulich sei, dass das in kirchlichen Lehrtexten häufig betonte Konzept der Komplementarität (wechselseitige Ergänzung) von Mann und Frau im Bericht nur eine geringe Rolle spiele, meint die Theologin.
Stattdessen werde, wie schon im Schlussdokument der Synode, die "Reziprozität" (Gegenseitigkeit) zwischen den Geschlechtern betont. Der Begriff der Komplementarität erscheine lediglich einmal und werde dabei ausdrücklich als gegenseitige Bereicherung und nicht als Unterordnung gedeutet.
Diakonin oder "Diakonisse"?
Beim Thema Diakonat der Frau greife das Dokument auf den Text der Studienkommission unter Leitung von Kardinal Giuseppe Petrocchi zurück, so Heyder. Dieser war im Dezember 2025 veröffentlicht worden und hatte vorgeschlagen, neue institutionalisierte Dienste zu schaffen, um die "Diakonia" aller Getauften – besonders der Frauen – kirchlich besser anzuerkennen. Kritisch bewertet sie dabei Passagen im Appendix, über biblische Frauen.
Dort werde etwa der Diakonentitel der im Römerbrief erwähnten Phoebe als "Diakonisse" verharmlost, der immerhin im Bericht der Internationalen Theologischen Kommission von 2002 präsent ist. Das sei laut Heyder erneut ein Beispiel für eine "misogyne Lektüre biblischer Texte ".
Kritisch sieht die Theologin einen eigenen Appendix zum marianischen und petrinischen Prinzip, nach dem Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar, sowie dessen Rezeption bei den Päpsten von Johannes Paul II. bis Leo XIV. "Das wäre nicht nötig gewesen", meint Heyder. Die Studiengruppe 5 gehört zu mehreren Arbeitsgruppen, die im Zuge der Weltsynode eingesetzt wurden und Reformthemen weiter bearbeiten sollen. Ihr Bericht befasst sich mit Möglichkeiten, Frauen stärker an
Entscheidungs- und Leitungsstrukturen der Kirche zu beteiligen. Das 74 Seiten umfassende Papier stellt fest, dass es ein "spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden" gebe, insbesondere wenn man es mit den Möglichkeiten in der Zivilgesellschaft vergleiche.