Das Bistum Osnabrück muss die historische Kommende Lage in Rieste verkaufen: Die Kosten für die dringend nötige Sanierung des jahrhundertealten Gebäudes übersteigen die finanziellen Möglichkeiten.
Wie das Bistum am Mittwoch mitteilte, hatte Generalvikar Ulrich Beckwermert die Gemeinde bereits am Vortag (10. März) über die Entscheidung informiert. Während die Kommende zum Verkauf steht, bleibt das angrenzende Pfarrhaus im Besitz der Pfarrgemeinde. Auch die Wallfahrt soll weiterhin vom Bistum unterstützt werden, betonte Beckwermert. Der Verkaufsprozess beginne sofort.
"Die Kirche Sankt Johannes der Täufer ist ein geistlicher Leuchtturm – und das soll sie bleiben", erklärte Beckwermert. "Doch in unserer aktuellen finanziellen Situation, mit hohem Konsolidierungsbedarf, können wir die Sanierungskosten nicht tragen." Allein die grundlegenden Renovierungsarbeiten würden einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag erfordern.
Das Bistum hat daher eine Maklerfirma beauftragt und sucht nun einen seriösen Käufer, der die Geschichte des Ortes respektiert und ein überzeugendes Nutzungskonzept vorlegt. "Nicht alle Gebäude können wir auf Dauer halten", räumte Beckwermert ein.
Ordensgemeinschaften verlassen die Kommende
Mit dem Verkauf verbunden ist der Abzug der beiden Ordensgemeinschaften, die derzeit in der Kommende leben. Die fünf Brüder der Franziskaner-Minoriten, seit 2021 vor Ort, werden nach der Wallfahrtssaison 2026 ausziehen.
Die beiden Klarissen-Kapuzinerinnen, die vor zwei Jahren auf Probe eingezogen waren, verlassen Lage bereits Ende August – ihr neuer Standort wird Xanten sein. Den Franziskanern wurde zwar das benachbarte Pfarrhaus als Alternative angeboten, doch sie sehen ihre Aufgabe eng mit der Kommende verbunden.
800 Jahre Geschichte – und eine ungewisse Zukunft
Die Kommende Lage blickt auf eine lange Tradition zurück: Seit dem 13. Jahrhundert prägt klösterliches Leben den Ort, den Graf Otto von Tecklenburg einst dem Johanniterorden überließ. Nach der Klosterauflösung 1810 diente das Gebäude zeitweise sogar als Hotel. 1999 erwarb das Bistum Osnabrück die Anlage.
Die Wallfahrt, mit ihrer charakteristischen Kreuztracht, ist seit rund 800 Jahren ein fester Bestandteil der Region. Pilgergruppen tragen dabei ein 135 Kilogramm schweres Kreuz um die Kirche – ein Symbol der Solidarität mit Menschen in Not.