DOMRADIO.DE: Sie waren eigentlich immer eine große Verfechterin dafür, dass für den Besuch im Dom kein Eintritt gezahlt werden muss. Warum war Ihnen das so wichtig?
Prof. Barbara Schock-Werner (Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins in Köln sowie frühere Dombaumeisterin): Weil ich ganz grundsätzlich finde, dass es auch kommerzfreie Räume geben muss, und Kirchenräume gehören für mich dazu. Ich möchte zum Beten in eine Kirche gehen können oder um Gottesdienste zu besuchen, aber auch nur, weil ich mich für den Raum interessiere oder völlige Ruhe brauche.
Für mich gehört auch der Kölner Dom genau dazu. Ich war immer stolz darauf, dass wir das nicht brauchen und wir uns es leisten können, dass der Dom keinen Eintritt nimmt. Aber nun sind die Verhältnisse anders und der Dom braucht Geld. Deshalb muss hier ganz offensichtlich eine Gebühr erhoben werden.
DOMRADIO.DE: Das Kölner Domkapitel hat nun jüngst bekannt gegeben, dass zur zweiten Jahreshälfte 2026 ein Eintritt für touristische Besuche erhoben wird. Hat Sie dieser Entschluss gestört? Das müsste ihnen doch sehr gegen den Strich gegangen sein, oder?
Schock-Werner: Natürlich. Es geht mir immer noch gegen den Strich. Aber ich habe nicht die Rechnungsbücher und ich muss auch keine Gehälter zahlen. Es geht ja um die Gehälter der Bediensteten, um die Bezahlung der Elektrizität und solche Dinge. Da stecke ich nicht drin und ich glaube auch, dass das Domkapitel das nicht täte, wenn es nicht dringend notwendig wäre.
DOMRADIO.DE: Viele sagen jetzt, dass sie schon Kirchensteuern zahlen und die Kirche auch nicht unbedingt ganz arm sei, so etwa auch das Erzbistum Köln. Was würden Sie denen entgegnen?
Schock-Werner: Zum einen ist auch der Reichtum des Erzbistums Köln nur noch eine Legende, wenngleich es auch nicht vollkommen verarmt ist. Zudem gibt das Erzbistum Geld für den Dom, das darf man nicht vergessen.
Das Problem ist aber, dass gerade der Kölner Dom nicht dem Bistum gehört und ihm unterstellt wird. Sonst wäre die Verpflichtung des Erhalts ja größer. Aber der Kölner Dom ist eine eigenständige Institution.
DOMRADIO.DE: Haben Sie denn eine Idee, wie hoch der Eintritt sein könnte?
Schock-Werner: Nein. Ich finde es nicht glücklich, dass man diese Besichtigungsgebühr verkündet hat, ohne die Höhe anzugeben. Seither schwirren irre Zahlen durch die Stadt. Der Eintritt zum Mailänder Dom kostet 13,50 Euro. In England zahlen sie noch ganz andere Preise für St. Pauls oder Westminster Abbey, da sind es über 20 Euro.
Aber ich hoffe nicht, dass eine so hohe Gebühr in Köln notwendig ist. Unter zehn Euro, vielleicht auch um die fünf Euro, wäre dann wünschenswert. Aber sicher weiß ich es nicht. Wenn es so teuer wird, dann ist der Dombesuch nur für wohlhabende Menschen möglich, und das finde ich ganz schwierig.
DOMRADIO.DE: Es gibt einen kleinen Trick, wie man vielleicht auf längere Sicht günstiger in den Dom hineinkommen kann, denn für Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins ist der Eintritt weiterhin kostenfrei. Haben Sie das vielleicht sogar schon gemerkt? Haben Ihnen in den letzten Tagen die Leute die Hütte eingerannt?
Schock-Werner: Ein wenig schon. Zunächst bekamen wir eher wütende Anrufe von Leuten, die erklärten, dass sie jetzt austreten würden. Dann kam die nächste Welle, in der Männer, die Mitglied waren, erklärten, ihre Frauen auch anzumelden, sodass sie in Zukunft als Paar in die Kirche gehen können. Das fand ich ein interessantes Phänomen.
Jetzt muss man mal die nächsten Tage abwarten. Es kam auch die Frage auf, ob wir jetzt die Mitgliedsbeiträge erhöhen. Nein, das tun wir natürlich nicht. Bisher kostet die Mitgliedschaft im Zentral-Dombau-Verein mindestens 20 Euro im Jahr, womit man dann so oft wie möglich in den Dom könnte. Die meisten Mitglieder zahlen aber ein wenig mehr, also nicht nur 20 Euro, sondern bis zu 50 im Jahr.
Da kann man dann nur sagen: Werdet Mitglied, dann könnt ihr weiterhin so oft wie möglich in den Dom, denn es wäre ein wirklicher Kulturverlust, wenn man einen Besuch in Köln nicht mehr mit dem Besuch im Dom verbinden könnte.
DOMRADIO.DE: Wird es denn eine neue Mitgliederkarte geben, die dann als Eintrittskarte funktioniert?
Schock-Werner: Bis jetzt gibt es nur einen einfachen Bestätigungsstreifen. Aber natürlich haben wir schon darüber nachgedacht, dass wir bis zum Jahresende eine richtige Mitgliederkarte brauchen, die auch jährlich aktualisiert werden muss. Da erkundigen wir uns gerade über Kosten und Möglichkeiten. Das ist eine ganz neue Aufgabe, die auf uns zukommt.
Das Interview führte Tim Helssen.