Die israelische Polizei hat die Dormitio-Abtei in Jerusalem für die Öffentlichkeit geschlossen. Wie Abt Nikodemus Schnabel in einer Videobotschaft für DOMRADIO.DE mitteilte, sei das Kloster seit Dienstagnachmittag "kein Ort mehr, den man frei betreten kann, um durchzuschnaufen". Die Maßnahme sei eine direkte Folge der angespannten Sicherheitslage im Krieg.
"Es ist Krieg, und die Nervosität ist spürbar", so der Benediktinermönch. Besonders schmerze ihn, wie Menschen außerhalb der Region den Konflikt "voller Begeisterung wie ein Fußballmatch" verfolgen würden. "Man sieht Fanclubs, die Flaggen posten und ihren Islam- oder Judenhass freibahnen lassen." Diese Entwicklung erschüttere ihn, "weil ich erlebe, wie wirklich alle Menschen leiden – sei es im Iran, in Israel, in Palästina oder Kuwait. Wir gehören alle zu einer Menschheitsfamilie."
Die Abtei, die in den vergangenen Jahren als "Oase" für Einheimische, Pilger und gestrandete Touristen diente, bleibt für die Mönche, Hausgäste und die Studierenden des Theologischen Jahres geöffnet. Abt Nikodemus rief dazu auf, "für alle Menschen zu beten, die in Angst sind", und warnte: "Lassen wir nicht Hass unsere Herzen vergiften."