Bischof Jung distanziert sich von seinem Vorgänger Hofmann

"Ich bin enttäuscht"

Ungewöhnlich deutlich hat der Würzburger Bischof Franz Jung seinen Amtsvorgänger Friedhelm Hofmann kritisiert. Er sei "enttäuscht" von ihm, sagte Jung. Anlass ist ein Fall sexualisierter Gewalt, der zu Hofmanns Amtszeit bekannt wurde.

Bischof Franz Jung / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Franz Jung / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Der Würzburger Bischof Franz Jung hat sich mit deutlichen Worten von seinem Amtsvorgänger Friedhelm Hofmann distanziert. Anlass ist ein Statement Hofmanns im Zuge der Aufarbeitung eines Falls sexualisierter Gewalt in der Pfarreiengemeinschaft Höchberg (Kreis Würzburg), wie das Bistum am Dienstag mitteilte. 

Jung bewertete dieses Statement als vertane Chance: "Ich bin enttäuscht." Er habe erwartet, dass Hofmann sich seiner Verantwortung stellt und daraus Konsequenzen zieht. Ich bin nicht der Richter Bischof Friedhelms und kann auch niemanden zur Einsicht oder zu einem persönlichen Schritt zwingen", sagte Jung: "Für mich ist es sehr bitter, weil ich seit meinem Amtsantritt als Bischof in Würzburg für eine Haltungsänderung stehe."

Der Würzburger Alt-Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, vormals Dompfarrer und Weihbischof in Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Der Würzburger Alt-Bischof Dr. Friedhelm Hofmann, vormals Dompfarrer und Weihbischof in Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Der Würzburger Alt-Bischof Friedhelm Hofmann

Er stehe für rückhaltlose Aufarbeitung, für die Benennung von Fehlern und für Verantwortungsübernahme. Gleichwohl wurde Bischof Jung bei einer Versammlung in Höchberg am Montag ebenfalls kritisiert, weil er keine Konsequenzen für Hofmann gezogen habe.

Bistum wusste seit 2010 von dem Fall

Seit Oktober 2025 hat ein Prozessteam, bestehend aus Vertretern der Pfarreiengemeinschaft und des Bistums, die Aufklärung des Falls und die Versäumnisse rund um die Tatvorwürfe rekonstruiert. 

Kiliansdom in Würzburg / © phaustov (shutterstock)

Erstmals waren die Vorwürfe gegen einen 2017 bereits verstorbenen Pfarrer und Dekan im Jahr 2010 dem Bistum mitgeteilt worden. Spätestens seit diesem Zeitpunkt waren dem Bistum zwei Betroffene bekannt. Der Fall sei aber nur mündlich nach Rom gemeldet und keine weiteren Maßnahmen ergriffen worden, hieß es. 

Altbischof Hofmann hatte in einer bei der Versammlung am Montag gezeigten Videobotschaft zwar gesagt: "Ich trage Verantwortung." Gleichwohl bekannte der heute 83-Jährige sich eben nicht zu seiner persönlichen Verantwortung und will daraus auch keine Konsequenzen ziehen. 

Stattdessen verwies Hofmann auf seinen damaligen Generalvikar. Er habe sich "zu sehr auf die Bearbeitung" des Falls durch diesen verlassen. Er hätte als Bischof "stärker nachfragen, genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen".

Bistum Würzburg

Das Bistum Würzburg liegt im nordwestlichen Bayern und deckt sich im Wesentlichen mit dem Regierungsbezirk Unterfranken. Es gehört seit 1818 zur Bamberger Kirchenprovinz und untersteht damit formal dem dortigen Erzbischof, derzeit Herwig Gössl. 

Türme des Würzburger Doms hinter dem Frankoniabrunnen / © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
Türme des Würzburger Doms hinter dem Frankoniabrunnen / © Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )
Quelle:
epd