DOMRADIO.DE: Ihr Engel auf vier Pfoten hört auf den Namen Pia und ist eine Französische Bulldogge. Was bedeutet Ihnen Pia? Und was bedeuten Ihnen Tiere generell?
Pfarrer Rainer Maria Schießler (Münchner Stadtpfarrer): Pia hat eine besondere Geschichte. Wir haben sie vor fünf Jahren aus einer Qualzucht herausholen können. Und ihr Name passt natürlich, frömmer geht's ja gar nicht. Ich erlebe von Pia jeden Tag eine unglaubliche Treue und Gelassenheit. Wenn ich so ein Tier anschaue, kann ich viel von ihm lernen. Es lebt ganz im Hier und im Jetzt und gibt mir alles. Und es berechnet nichts. Manchmal habe ich das Gefühl, so ein Tier wie Pia ist vielleicht ein besserer Theologe als ich.
DOMRADIO.DE: Und jetzt haben Sie ein Buch über die Engel auf vier Pfoten geschrieben. Pia ist vorne auf dem Cover drauf. Haben Sie das Buch geschrieben, weil Sie gemerkt haben, wie wichtig Tiere als Begleiter für uns Menschen sind?
Schießler: Nicht als Begleiter, sie sind unser Sozialpartner – gerade in der Stadt natürlich. Aber es geht in dem Buch ganz allgemein um die Frage: Was haben wir mit der Schöpfung zu tun? Sich für die Schöpfung einzusetzen, ist kein sentimentales Relikt. Nach dem Motto "Ja, da bin ich mal lieb zu den Tieren". Es geht vielmehr um das Geflecht.
Wenn irgendwo auf der Welt Artensterben stattfindet, kann ich nicht behaupten, dass mich das nichts angeht. Es geht mich doch etwas an, weil wir alle auf diesem Planeten zusammengehören. Und wenn Ökosysteme wanken und kippen, stellt sich die Frage, ob wir Menschen unserer Verantwortung für diese Schöpfung auch gerecht werden. Es geht um die Gerechtigkeit gegenüber der Schöpfung, auch für die Zukunft.
Das macht mir das Tier, so wie ich es erlebe, immer wieder sichtbar. Einem Tier ins Angesicht zu schauen, heißt für mich, die Schöpfung anschauen.
DOMRADIO.DE: Welche Geschichten erzählen Sie in dem Buch?
Schießler: Es sind sehr persönliche Geschichten, wie ich als Kind, als Jugendlicher und heute noch mit Tieren zusammengekommen bin. Ich erzähle auch die Geschichten anderer, wie sie sich in für die Schöpfung einsetzen und Tiere erleben. Es gibt aber auch einen ganz wichtigen theologischen Teil.
Der Umgang mit Tieren und Tierbesitzern ist ein wesentlicher Teil unserer Pastoral – bis hin zur Bestattungskultur. Bei uns gibt es auch die berühmte Viecherlmesse. Es geht mir darum, wie weit wir uns gerade über diese Tiere, als Christen, als große Gemeinschaft, entdecken können.
In meinen Augen beherrschen die Tiere alle Sprachen der Liebe. Da ist ihre Zeit, ihre Nähe, ihre Aufmerksamkeit, ihre absolute Verlässlichkeit mir gegenüber. Das können wir alles von der Schöpfung lernen. Im Übrigen wurden die Tiere vor uns erschaffen. Also sollten wir das Ranking der Schöpfungsgeschichte mal wieder ernst nehmen.
Das Interview führte Carsten Döpp.