Mouhanad Khorchide rechnet mit einer verstärkten Ausgrenzung von Muslimen in Deutschland, falls die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die Macht übernimmt. "Das Problem wird dann stärker, dass Muslime als 'die anderen' stigmatisiert werden", sagte der Islamexperte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Rande der Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Würzburg.
Eine Diskriminierung von Muslimen begünstige ihre Radikalisierung, warnte der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster weiter. "Und so radikalisieren sich beide Seiten. So polarisiert sich die Gesellschaft."
Schüler spielen Religionspolizei
Zugleich forderte Khorchide mehr Selbstkritik auf muslimischer Seite: "Es hilft uns nichts, über die eigenen Probleme nicht zu reden; dann reden die anderen darüber, die AfD." Derzeit trete im Fastenmonat Ramadan ein Problem in Schulen auf, das dringend angegangen werden müsse. Muslimische Schüler spielten Religionspolizei und setzten andere Schüler, die nicht fasten, unter Druck.
Khorchide für Social-Media-Beschränkung
Handlungsbedarf sieht Khorchide auch angesichts vieler islamistischer Angebote auf Social Media: "Wenn wir Alternativangebote bereitstellen und die Probleme lösen, nehmen wir auch der AfD und den Islamkritikern die Argumente weg."
Der Experte sprach sich für ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige aus. Dies könne im Kampf gegen Radikalisierung im Netz helfen. Ein Kopftuchverbot für Mädchen wie in Österreich sieht er dagegen kritisch.
"Das ist Wasser auf die Mühlen der Islamisten, die sich dann bestätigt fühlen und sagen: 'Sie verbieten den Islam.'" Sinnvoller sei es, in Moscheegemeinden die Eltern darüber aufzuklären, dass es im Islam gar nicht vorgesehen sei, dass Mädchen unter 14 Jahren ein Kopftuch tragen.