Mehr Christen im Iran festgenommen

Christen als Sicherheitsrisiko?

Religiöse Minderheiten leben im Iran oft gefährlich. Das gilt auch für Christinnen und Christen, die ihren Glauben offen zeigen. Das Mullah-Regime hat seine Repression offenbar verstärkt, wie eine neue Auswertung zeigt.

Demonstranten mit einem "Free Iran" Plakat / © Paul Zinken (dpa)
Demonstranten mit einem "Free Iran" Plakat / © Paul Zinken ( dpa )

Im Iran hat sich die Zahl der Festnahmen von Christen wegen ihres Glaubens oder religiöser Aktivitäten im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Auswertung der Menschenrechtsorganisationen Open Doors, Article 18, Christian Solidarity Worldwide und Middle East Concern hervor.

Demnach wurden 2025 im Iran deutlich mehr Christen inhaftiert als 2024. Während im Jahr davor 25 Betroffene Haft, Exil oder Zwangsarbeit verbüßten, waren es zuletzt 57. Obwohl mit 73 Verurteilungen weniger Christen schuldig gesprochen wurden als 2024 (96), fiel das Gesamtstrafmaß höher aus: 280 Jahre Haft im Vergleich zu 263 Jahren im Jahr zuvor. Mindestens elf Christen erhielten Strafen von zehn Jahren oder mehr.

Christen als Sicherheitsrisiko

Der Bericht beschreibt zudem eine stärkere Beteiligung der Islamischen Revolutionsgarde an Verhaftungen, gezielte Maßnahmen gegen die Verbreitung von Bibeln sowie Misshandlungen in Haft. Die Behörden stellten Christen zunehmend als Sicherheitsrisiko dar, insbesondere nach dem zwölftägigen Krieg mit Israel im vergangenen Juni. Evangelikale Christen seien als "Söldner des Mossad" oder "zionistische Agenten" diffamiert worden. Zudem werde bereits das gemeinsame Beten in Hauskirchen als Akt zivilen Ungehorsams aufgefasst.

Rauch steigt aus einem Öllager in der iranischen Hauptstadt Teheran auf. / © Vahid Salemi (dpa)
Rauch steigt aus einem Öllager in der iranischen Hauptstadt Teheran auf. / © Vahid Salemi ( dpa )

"Das derzeitige Regime versucht, Minderheiten als Feinde des Irans darzustellen", erklärte Steve Dew-Jones, Experte von Article 18. Die Rhetorik habe sich weiter verschärft. Zugleich hätten sich Christen trotz der Repressionen an den jüngsten landesweiten Protesten beteiligt. Nach Angaben der Organisationen wurden mindestens 19 Christen bei den Unruhen getötet, mögliche weitere Fälle würden geprüft.

Christen freilassen, Kirchen öffnen

In ihrem Bericht fordern die beteiligten Menschenrechtler die Freilassung inhaftierter Christen und die Wiedereröffnung geschlossener Kirchen. Die Frage, wo persischsprachige Christen frei in ihrer Muttersprache Gottesdienst feiern könnten, ohne Angst vor Verhaftung und Strafverfolgung haben zu müssen, brauche eine Klärung. Zudem solle die internationale Gemeinschaft Teheran zur Einhaltung der Religionsfreiheit verpflichten und iranischen Christen in Asylverfahren angemessenen Schutz gewähren.

 

Quelle:
KNA