DOMRADIO.DE: Wir brauchen keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu erahnen, dass Lady Gaga als nächster Pop-Gottesdienst im Mai bei Ihnen in der Heiliggeistkirche ein enormes Publikum anziehen wird. Lady Gaga sagt von sich selbst, sie sei eine ziemlich religiöse Frau, die über Religion aber sehr verwirrt sei. Was wissen Sie noch über ihre Einstellung zur Kirche und zum Glauben?
Pfarrer Vincenzo Petracca (Evangelischer Citypfarrer der Heiliggeistkirche Heidelberg): Lady Gaga ist ganz spannend. Sie ist katholisch, sie kommt aus dem katholischen Glauben und sie versteht sich auch heute noch als katholisch, hat aber mit ihren katholischen Gefühlen zu kämpfen. Das heißt, Lady Gaga unterscheidet sehr genau zwischen Religion und Kirche.
Sie sagt von sich selbst, sie sei ein sehr religiöser Mensch. Sie sagt häufig, sie glaube an Gott, sie glaube an Jesus und bete sehr viel. Zugleich tut sie sich aber auch schwer mit der Institution Kirche.
Das ist ein spannendes Thema, auch für uns Protestanten. Auch in der evangelischen Kirche haben wir das große Thema, dass viele Menschen religiös oder sehr spirituell eingestellt sind, sich aber mit der Institution Kirche schwer identifizieren können.
DOMRADIO.DE: Der Gottesdienst findet am 10. Mai statt. Wie bereiten Sie sich auf die Songs, die da gespielt werden, und auch auf die Predigt, die Sie dann auch wieder halten werden, vor?
Petracca: Ich habe erst mal alle Alben von Lady Gaga durchgehört. Dabei bin ich überraschend über ihr vorletztes, ein nicht so bekanntes Album, gestolpert.
Bevor sie mit "Mayhem" ihr Comeback hatte, hat sie das Album "Harley King" zum Joker-Film gemacht. Dafür hat sie extra nochmal ein Musikalbum aufgenommen.
In diesem Album befinden sich zwei Gospels, also zwei sehr religiöse Lieder. "Oh when the saints go marching in", singt sie da. Das werden wir dann auch im Gottesdienst singen.
Ansonsten ist es spannend, sich ihre Liedtexte anzuschauen. Sie hat sehr religiöse, auch sehr kritisch religiöse Lieder.
Die Predigt wird über das Lied zu Judas gehen und über das Lied "Bloody Mary". Da springt sie jeweils in die Rolle der Maria Magdalena und wie diese zwischen Jesus und Judas steht. Wir werden auf die helle und auf die dunkle Seite, Licht und Finsternis schauen. Das sind nämlich die großen religiösen Themen von Lady Gaga.
Das Interview führte Carsten Döpp.