Weil immer mehr Babys vernachlässigt oder misshandelt werden, fordert die Caritas die staatliche Finanzierung von sogenannten Babylotsen in allen Geburtskliniken. Die Lotsen beraten Eltern unmittelbar nach der Entbindung und vermitteln Zugang zu weiteren Hilfsangeboten.
Deutlich mehr Fälle
Bei 15 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder sei eine gute Entwicklung erkennbar gefährdet, da die Familien erheblich belastet und Hilfsangebote für sie nur schwer erreichbar seien, teilte der katholische Wohlfahrtsverband am Dienstag gemeinsam mit der Seeyou-Stiftung mit. Das seien doppelt so viele wie noch 2017.
"Im Sinne der Prävention sollten Babylotsen zur Grundausstattung jeder Geburtsklinik gehören", sagte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. Alle Kinder brauchten einen guten Start ins Leben.
Viele gesundheitliche Probleme und psychische Beeinträchtigungen könnten in den ersten Lebensmonaten abgewendet werden. "Je früher belastete Familien auf Hilfsangebote aufmerksam werden, umso besser für die Kinder und umso kostengünstiger für die Gesellschaft insgesamt."
Kosten von 56 Euro pro Geburt
Laut Caritas und der Stiftung müssten für die verlässliche Finanzierung der Babylotsen-Angebote pro Geburt 56 Euro veranschlagt werden. Bundesweit wären damit etwa 38 Millionen Euro im Jahr nötig.
Das Geld könnte je zur Hälfte aus Mitteln der Gesundheits- und der Jugendhilfe kommen. Man schließe sich damit der Jugend- und Familienministerkonferenz sowie der Gesundheitsministerkonferenz an, die jeweils bereits eine entsprechende Regelung gefordert hatten.
Fälle von Kindeswohlgefährdung könnten im weiteren Lebensverlauf Folgekosten von mehreren Hunderttausend Euro verursachen, etwa durch Kosten für eine medizinische Behandlung oder die Kinder- und Jugendhilfe, aber auch durch geringere Jobchancen. Lotsendienste könnten dem entgegenwirken und so auch viel menschliches Leid vermeiden, argumentierten Caritas und Stiftung.