Caritas fordert Babylotsen für alle Geburtskliniken

Elternkurse für glückliche Kinder

Immer mehr Eltern in Deutschland sind überfordert. Damit wird die Familie für die Kinder zum Risiko. Eine frühe Beratung direkt nach der Geburt könnte ihnen helfen. Aus Sicht der Caritas ist ein flächendeckendes Angebot nötig.

Symbolbild Ein Baby nach der Geburt im Krankenhaus / © Dragana Gordic (shutterstock)
Symbolbild Ein Baby nach der Geburt im Krankenhaus / © Dragana Gordic ( shutterstock )

Weil immer mehr Babys vernachlässigt oder misshandelt werden, fordert die Caritas die staatliche Finanzierung von sogenannten Babylotsen in allen Geburtskliniken. Die Lotsen beraten Eltern unmittelbar nach der Entbindung und vermitteln Zugang zu weiteren Hilfsangeboten. 

Deutlich mehr Fälle

Bei 15 Prozent der in Deutschland geborenen Kinder sei eine gute Entwicklung erkennbar gefährdet, da die Familien erheblich belastet und Hilfsangebote für sie nur schwer erreichbar seien, teilte der katholische Wohlfahrtsverband am Dienstag gemeinsam mit der Seeyou-Stiftung mit. Das seien doppelt so viele wie noch 2017.

Eva Welskop-Deffaa

"Im Sinne der Prävention sollten Babylotsen zur Grundausstattung jeder Geburtsklinik gehören."

"Im Sinne der Prävention sollten Babylotsen zur Grundausstattung jeder Geburtsklinik gehören", sagte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa. Alle Kinder brauchten einen guten Start ins Leben.

Eva Maria Welskop-Deffaa / © Harald Oppitz (KNA)
Eva Maria Welskop-Deffaa / © Harald Oppitz ( KNA )

Viele gesundheitliche Probleme und psychische Beeinträchtigungen könnten in den ersten Lebensmonaten abgewendet werden. "Je früher belastete Familien auf Hilfsangebote aufmerksam werden, umso besser für die Kinder und umso kostengünstiger für die Gesellschaft insgesamt."

Kosten von 56 Euro pro Geburt

Laut Caritas und der Stiftung müssten für die verlässliche Finanzierung der Babylotsen-Angebote pro Geburt 56 Euro veranschlagt werden. Bundesweit wären damit etwa 38 Millionen Euro im Jahr nötig.

Das Geld könnte je zur Hälfte aus Mitteln der Gesundheits- und der Jugendhilfe kommen. Man schließe sich damit der Jugend- und Familienministerkonferenz sowie der Gesundheitsministerkonferenz an, die jeweils bereits eine entsprechende Regelung gefordert hatten.

Symbolbild Kinderschutz / © PeopleImages (shutterstock)
Symbolbild Kinderschutz / © PeopleImages ( shutterstock )

Fälle von Kindeswohlgefährdung könnten im weiteren Lebensverlauf Folgekosten von mehreren Hunderttausend Euro verursachen, etwa durch Kosten für eine medizinische Behandlung oder die Kinder- und Jugendhilfe, aber auch durch geringere Jobchancen. Lotsendienste könnten dem entgegenwirken und so auch viel menschliches Leid vermeiden, argumentierten Caritas und Stiftung.

Erziehungs- und Familienberatung der Caritas

Bei Erziehungs- und Beziehungsfragen, bei Konflikten und Problemen in der Familie, im Kindergarten oder in der Schule helfen die Fachleute der katholischen Erziehungs- und Familienberatung. Ihr Angebot ist vertraulich, persönlich und kostenlos und richtet sich an Eltern, Kinder, Jugendliche, und auch an pädagogische Fachkräfte.

Psychologische Beratungssituation / © Chinnapong (shutterstock)
Psychologische Beratungssituation / © Chinnapong ( shutterstock )
Quelle:
KNA