Kirchenlehrer John Henry Newman vor 225 Jahren geboren

"Erneuerer der Theologie"

Sein Übertritt von der anglikanischen zur katholischen Kirche sorgte einst nicht nur in England für Aufsehen. Heute gilt John Henry Newman als Brücke zwischen den Konfessionen und wurde jüngst zum Kirchenlehrer erhoben.

Autor/in:
Elke Deimel
An der Fassade des Petersdoms hängt ein Bildnis des Heiligen John Henry Newman bei einem Gottesdienst zu seiner Erhebung zum Kirchenlehrer und Ernennung zum Schutzpatron des katholischen Bildungswesens, am 1. November 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
An der Fassade des Petersdoms hängt ein Bildnis des Heiligen John Henry Newman bei einem Gottesdienst zu seiner Erhebung zum Kirchenlehrer und Ernennung zum Schutzpatron des katholischen Bildungswesens, am 1. November 2025 auf dem Petersplatz im Vatikan. / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

Auch gläubige Menschen ringen mit ihrer Kirche. Nicht anders erging es John Henry Newman. Der Theologe durchlebte einen turbulenten Glaubens- und Lebensweg, konvertierte von der anglikanischen zur katholischen Kirche und gilt als Erneuerer der Theologie. Sein Denken hatte großen Einfluss auf das geistige Leben Englands und Europas im 19. und 20. Jahrhundert. Sein langes und oft mühsames Leben mag ihn zugleich sensibel für die Fragen und Probleme seiner Zeit gemacht haben. Vor 225 Jahren, am 21. Februar 1801, wurde Newman in London geboren.

John Henry Kardinal Newman / © Romano Siciliani (KNA)
John Henry Kardinal Newman / © Romano Siciliani ( KNA )

Mit 15 Jahren machte er eine Gotteserfahrung, die sein ganzes Leben prägen sollte. Ab 1817 studierte er in Oxford Theologie und wurde anglikanischer Geistlicher, 1831 Universitätsprediger mit weitreichendem Einfluss auf seine Zuhörer. Das Studium der Kirchenväter bewog Newman mit einigen befreundeten Kollegen dazu, die anglikanische Kirche reformieren zu wollen. Als die Pläne scheiterten, trat er 1845 nach ernstem Ringen in die katholische Kirche über, unverstanden von Verwandten und Freunden. Seine Deutung dieser Phase: "Leben heißt, sich wandeln, und vollkommen sein heißt, sich oft gewandelt haben."

Missverständnisse, Intrigen und Demütigungen

Seine Zeit als Katholik war geprägt von Missverständnissen, Intrigen und Demütigungen: bischöfliche Widerstände beim Aufbau einer katholischen Universität in Dublin; die öffentliche Verleumdung des katholischen Klerus und besonders seiner Person. Alle diese Hindernisse hätten ihn zermürben können, wenn er nicht unbeirrt auf Gottes Führung vertraut hätte. War Newman schon zu anglikanischer Zeit ein gesuchter geistlicher Begleiter, so ließen ihn die Jahre der Enttäuschungen zu einem einfühlsamen Meister des geistlichen Lebens reifen, was seine "Betrachtungen und Gebete" und die 31 Bände seiner "Briefe und Tagebücher" bezeugen. Newman war ein Theologe des Herzens. Das spürten viele, die ihm begegneten.

Papst Leo XIII. / © Wikipedia Gemeinfrei
Papst Leo XIII. / © Wikipedia Gemeinfrei

Als Newman 1879 von Papst Leo XIII. zum Kardinal ernannt wurde, wählte er als Wappenspruch ein Wort, das sein ganzes Leben charakterisiert: "Cor ad cor loquitur" (Herz spricht zum Herzen). Denn er hatte sich schon früh daran gewöhnt, das zu tun, was ihm die Stimme seines Herzens eingab.

Betrauert und vermisst

Newman starb am 11. August 1890 in Edgbaston, heute Birmingham. Die Strahlkraft des beliebten Kirchenmanns zeigte sich bei seiner Beerdigung. An die 20.000 Menschen aller Schichten sollen die Straßen gesäumt haben, um dem 89-Jährigen die letzte Ehre zu erweisen. Unter ihnen waren viele Arme, die dem Toten danken wollten für seine vielfältige konkrete Hilfe und Unterstützung. Eine Zeitung schrieb damals: "Kein Adliger, kein Fürst, kein Priester oder Kaufmann, der je über die Straßen von Birmingham ging, wird so vermisst und betrauert wie dieser Kardinal."

Und so wurde der hochgebildete Kirchenmann auch nach seinem Tod verehrt und geachtet. Mit mehr als 80 Bänden hinterließ er ein immenses theologisches Werk. Er gilt als der bedeutendste moderne Theologe des katholischen England, wird als Augustinus der Neuzeit bezeichnet und als Vordenker des Zweiten Vatikanischen Konzils. G. Wheeler, damals Bischof von Leeds, schrieb dazu: "Diejenigen von uns, die daran teilnahmen, spürten, dass Newman nicht nur dabei war, sondern dass der Konzilsgeist von seinen Gedanken durchtränkt war."

"Brücke zwischen Anglikanern und Katholiken"

Papst Benedikt XVI. sprach Newman 2010 in Birmingham selig, neun Jahre später folgte seine Heiligsprechung durch Papst Franziskus. Heute gilt Newman als eine "Brücke zwischen Anglikanern und Katholiken". Im vergangenen November wurde er von Papst Leo XIV. zum Schutzpatron des katholischen Bildungswesens und Kirchenlehrer erhoben. Die katholischen Bischöfe in England hatten den Antrag dazu gestellt, unterstützt von der anglikanischen Kirche. Nur 37 Menschen vor ihm haben diesen seltenen Ehrentitel "ecclesiae universalis doctor" - Lehrer der universalen Kirche - verliehen bekommen.

Quelle:
KNA