Der Neue in New York pflegt einen bescheideneren Stil, setzt andere Schwerpunkte und steht mit 58 Jahren für einen Generationenwechsel. Erzbischof Ronald Hicks ist in vieler Hinsicht ein Gegenteil seines hemdsärmeligen Vorgängers, den er jetzt offiziell abgelöst hat.
Dass Kardinal Timothy Dolan (76) bei der Amtseinführung seines Nachfolgers aus dem Mittleren Westen viel Beifall erhielt, mag der Höflichkeit gegenüber dem Hirten geschuldet sein, der die Kirche angesichts eines massiven Missbrauchskandals durch schwierige Zeiten navigiert hat.
Es könnte aber auch eine sanfte Warnung an seinen Nachfolger gewesen sein, die Traditionalisten in der vielleicht wichtigsten Diözese der USA nicht zu unterschätzen. Die sahen Dolan, der ein kumpelhaftes Verhältnis zu Donald Trump pflegte, als einen der Ihren. Benedikt XVI. (2005-2013) hatte ihn zum Kardinal ernannt - mit seinem Talent, sich im US-Kulturkampf medial in Szene zu setzen.
Stern geht auf - Stern sinkt
Als Papst Franziskus (2013-2025) auf den Heiligen Stuhl nachrückte, sank Dolans Stern im Vatikan. Papst Leo XIV. nutzte dann zeitig die Gelegenheit, den Kardinal in den Ruhestand zu versetzen, nachdem dieser zu seinem 75. Geburtstag obligatorisch seinen Rücktritt anbot.
Dass die Wahl auf Hicks fiel, überraschte Kenner der vatikanischen Personalpolitik nicht. Der neue Erzbischof ist auf einer Linie mit Leo XIV. Die beiden verbindet eine persönliche Freundschaft mit gemeinsamen Wurzeln im Mittleren Westen; sie stammen aus benachbarten Bundesstaaten - Hicks aus Indiana, der Papst aus Illinois.
Ähnlich sind auch ihre kirchlichen Lebensläufe. Beide sammelten prägende Erfahrungen in Lateinamerika; Hicks in El Salvador, Leo XIV. seinerzeit in Peru. Diese Auslandsjahre schärften ihren Blick für die Nöte der Armen und die globale Dimension von Kirche.
Von der Müllhalde ans College
Bei der Amtseinführung trug Jiménez Correa eine Bibellesung vor - ein 23-jähriger Latino, dessen Lebensgeschichte exemplarisch für Hicks' pastoralen Ansatz steht. Als Säugling auf einer Müllhalde gefunden, wuchs Correa in dem Kinderheim auf, das Hicks während seiner Jahre in El Salvador leitete. Er schaffte es bis ans College in Chicago. Seine Anwesenheit bei der Zeremonie war mehr als Symbolik. Sie unterstrich Hicks' Selbstverständnis als Hirte, der sich um die ihm Anvertrauten kümmert.
Dieses Profil macht den Erzbischof für den Papst zu einem idealen Baustein im Team USA. Als Generalvikar unter Kardinal Blase Cupich in Chicago sammelte er Verwaltungserfahrungen in einer großen Diözese. Zugleich knüpfte er enge Bande zu anderen reformorientierten Kardinälen wie Robert McElroy aus San Diego und Joseph Tobin aus Newark. Diese Männer teilen mit Leo XIV. nicht nur die Vision von Seelsorge, sondern auch dessen Überzeugung, dass die US-Kirche zu lange eigene Wege gegangen ist.
Das Quartett soll die US-Bischofskonferenz nun stärker auf Kurs mit Rom bringen - eine deutliche Abwendung von der Linie, für die Dolan und die noch immer konservative Mehrheit der Kirchenhierarchie im Land stehen. Wo diese den Kulturkampf suchten, predigt Hicks Versöhnung. Wo jene auf Abgrenzung setzten, öffnet er Türen.
Lieder im Kopf
Wie anders sein Ansatz ist, zeigte sich bereits in seiner Antrittsrede. "Ich liebe Musik. Ich liebe alle Arten von Musik. Und ich habe fast immer einen Song im Kopf. Es gibt so viele Lieder über New York", bekannte Hicks bei der Amtseinführung.
Dann zitierte er von Frank Sinatra über Jay-Z und Alicia Keys bis hin zu Bad Bunny eine bunte Mischung von Musikern. Der puertoricanische Reggaeton-Star hatte während der Halbzeit-Show des Super Bowl einen Satz verwendet, der auch Erzbischof Hicks gefällt: "Das einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe." Für die Konservativen im Erzbistum dürfte diese kulturelle Öffnung gewöhnungsbedürftig sein.
Auf den Neuen warten in New York neben der Neuausrichtung der Kirche aber auch ganz praktische Aufgaben als Leiter einer großen Organisation mit 2,5 Millionen Mitgliedern und 263 Pfarreien. Es gilt eine Vereinbarung mit Vertretern von Missbrauchsopfern umzusetzen, denen Dolan eine Auszahlung von 300 Millionen Dollar zugesagt hat. Erzbischof Hicks wird für all dies viel Kraft brauchen.