Caritasverband kritisiert Umgang der Regierung mit Integrationskursen

"Ein fatales Signal"

Freiwillige Integrationskurse sind vorerst gestoppt. Aus Sicht des Caritasverbandes ist eine Kürzung des Angebots aus mehreren Gründen der falsche Weg. Die Kurse seien seit mehr als 20 Jahren ein bewährtes Instrument.

Sprachkurs für Geflüchtete / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Sprachkurs für Geflüchtete / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der Deutsche Caritasverband kritisiert den Umgang der Bundesregierung mit Integrationskursen. 

Oliver Müller wird zum 1. Januar 2025 sein Amt als Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands antreten / © Philipp von Ditfurth (dpa)
Oliver Müller wird zum 1. Januar 2025 sein Amt als Vorstand Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands antreten / © Philipp von Ditfurth ( dpa )
Oliver Müller

"Die Entscheidung des Bundesinnenministeriums, die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen zu stoppen, ist integrationspolitisch ein fatales Signal", sagte Caritas-Vorstand Oliver Müller am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Kurse seien seit mehr als 20 Jahren ein bewährtes und erfolgreiches Instrument und in vielen Fällen auch ein wichtiger Schritt für die nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt.

Zuletzt war bekanntgeworden, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit Ende November keine Berechtigungsscheine für eine freiwillige Teilnahme an Integrationskursen mehr ausstellt. Das Innenministerium will nach eigenen Angaben Kurse vor allem Geflüchteten mit dauerhafter Bleibeperspektive zur Verfügung stellen. Hintergrund sind demnach auch mögliche Einsparungen.

"Falsch und widersinnig"

"Anders als vom Innenministerium suggeriert, betrifft diese Maßnahme Menschen mit langfristiger Bleibeperspektive - darunter EU-Bürgerinnen und -Bürger sowie Geflüchtete aus der Ukraine", so Müller. Wer ihnen den Spracherwerb erschwere, schwäche ihre Chancen auf Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe.

"Für einen kurzsichtigen Sparkurs werden steigende Folgekosten billigend in Kauf genommen", kritisierte der Caritas-Vorstand. "Das ist integrationspolitisch falsch und in Zeiten von Arbeitskräftemangel widersinnig." Außerdem widerspreche die Entscheidung der Linie der Bundesregierung, die Sprachförderung als Schlüssel zur Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten zu stärken.

Caritas Deutschland

Der Deutsche Caritasverband (DCV) ist der größte Wohlfahrtsverband Europas. Die Dachorganisation katholischer Sozialeinrichtungen setzt sich für Menschen in Not ein. Mit rund 700.000 hauptamtlichen Mitarbeitern - 80 Prozent sind Frauen - ist die Caritas zudem der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Der Begriff "caritas" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Nächstenliebe. Der 1897 in Köln gegründete Verband unterhält Geschäftsstellen in Freiburg, Berlin und Brüssel.

Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus (KNA)
Hinweisschild der Caritas / © Michael Althaus ( KNA )
Quelle:
KNA