Forscher graben spätantike Bischofsresidenz in Ostia bei Rom aus

Einer der ersten Bischofspaläste

Vielerorts in Europa fördern Archäologen derzeit Funde zutage, die zeigen, dass das Christentum hier länger verwurzelt ist als bislang bekannt. Das gilt auch für die Umgebung von Rom. Dort wurde nun ein Bischofspalast entdeckt.

Luftbild der Horrea Epagathiana und Epaphroditiana, historische Lagerhäuser von Ostia Antica. Es hatte einen begrünten Innenhof. Das archäologische Gebiet befindet sich in Rom, Italien / © Stefano Tammaro (shutterstock)
Luftbild der Horrea Epagathiana und Epaphroditiana, historische Lagerhäuser von Ostia Antica. Es hatte einen begrünten Innenhof. Das archäologische Gebiet befindet sich in Rom, Italien / © Stefano Tammaro ( shutterstock )

Forscher aus Köln, Bonn und Rom haben nahe der antiken Hafenstadt Ostia einen der ersten Bischofspaläste der Kirchengeschichte ausgegraben. 

Feste Strukturen und Institutionen bereits in Spätantike 

Wie die katholische Tageszeitung "Avvenire" am Mittwoch berichtete, zeigen die von den Archäologen freigelegten Reste, dass die christliche Kirche schon in der Spätantike über feste Strukturen und Institutionen verfügte. Zu dem freigelegten Komplex aus dem vierten Jahrhundert gehörten demnach neben einer Aula, Wohn- und Verwaltungsgebäuden auch ein sogenanntes Baptisterium mit gemauertem Taufbecken.

Sabine Feist von der Universität Bonn sagte der Zeitung, es gebe bislang keinen vergleichbaren Fund aus der konstantinischen Epoche im Umfeld von Rom. Er belege die Transformation des Christentums von einer verfolgten Religion zu einer sozialen und politischen Kraft, die den städtischen Raum geprägt habe. 

Der überraschende Fund lag dem Bericht zufolge über Jahrhunderte unter agrarisch genutzten Flächen verborgen und ist deswegen relativ unversehrt.

Erster Fund vor 20 Jahren

Bereits 1996 sei ein erster, rund 400 Quadratmeter großer Gebäudekomplex entdeckt worden. Ab 2022 seien dann die Grabungen intensiviert worden, an denen sich neben Forschern der Universitäten Bonn und Köln auch die römische Universität Sapienza und das Deutsche Archäologische Institut in Rom beteiligten. 

Die Forscher hatten bereits im vergangenen Jahr in einer deutschen Fachpublikation über ihre Funde berichtet.

Quelle:
KNA