Vatikan und Morningstar starten eigene Aktienliste

Segen fürs Depot

Hier trifft die Börse auf die Bibel. Mit zwei neuen Indizes will die Vatikanbank Moral und Markt miteinander verbinden. In den Empfehlungen der Vatikanbank finden sich auch Großbanken, Tech-Giganten und Luxusmarken.

Symbolbild Kurse von Börsen, Fonds und Aktien unter einer Lupe / © gopixa (shutterstock)
Symbolbild Kurse von Börsen, Fonds und Aktien unter einer Lupe / © gopixa ( shutterstock )

Die Vatikanbank hat gemeinsam mit dem Finanzdienstleister Morningstar zwei neue Aktienindizes vorgestellt.

Ziel der am Dienstag vorgestellten Listen ist es, Anlegerinnen und Anlegern eine Orientierung zu geben, welche Unternehmen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sind, sondern auch mit den Grundsätzen der katholischen Kirche im Einklang stehen. Rendite und Moral sollen Hand in Hand gehen.

Solche Indizes zielen dabei nicht in erster Linie auf die Auswahl einzelner Aktien durch einzelne Anleger. Sie dienen vielmehr als Grundlage für Indexfonds, mit denen Investoren in ein ganzes Bündel von Unternehmen auf einmal investieren können.

Banken, Tech-Giganten und Luxusmarken

Die beiden Indizes tragen die Namen "Morningstar IOR Eurozone Catholic Principles" und "Morningstar IOR US Catholic Principles".

Sie bündeln große und bekannte Unternehmen aus Europa und den USA. Im US-Index finden sich Unternehmen wie Meta (Facebook), Amazon, Tesla und Apple. In Europa gehören unter anderem die Deutsche Telekom, der Softwarekonzern SAP, der Versicherungskonzern Allianz und die spanische Santander-Bank dazu. Auch die Luxusmarke Hermès und die italienische Großbank UniCredit haben den Segen der Vatikanbank erhalten.

Das Auswahlprinzip folgt klaren Regeln: Aufgenommen werden Unternehmen, deren Geschäftspraktiken mit kirchlichen Vorstellungen zu Lebensschutz, sozialer Verantwortung und Umweltschutz vereinbar sind. Geschäftsmodelle, die diesen Werten widersprechen, bleiben außen vor. In einer Mitteilung betont das IOR, dass dieser Schritt die Übereinstimmung zwischen den internen Anlagerichtlinien und den Prinzipien der katholischen Soziallehre weiter stärke.

Deutsche und europäische Waffen tauchen regelmäßig an Kriegsschauplätzen auf (dpa)
Deutsche und europäische Waffen tauchen regelmäßig an Kriegsschauplätzen auf / ( dpa )

Konkret heißt das etwa, nicht in Unternehmen zu investieren, die mit Waffenherstellern in Verbindung stehen, oder in Pharmafirmen, die den Schutz des Lebens nach dem Verständnis des kirchlichen Lehramts nicht respektieren. Die Indizes verstehen sich damit als eine Art moralischer Filter für den Kapitalmarkt.

Für die Vatikanbank ist das Projekt ein Schritt in Richtung Vertrauensaufbau. Nach Jahren mit Finanzskandalen und Ermittlungen setzt das Institut verstärkt auf Transparenz und international anerkannte Standards. Giovanni Boscia, Leiter der Vermögensverwaltung der Vatikanbank, betonte, dass die neuen Indizes helfen sollen, Investitionen konsequenter nach katholischen Ethikkriterien zu bewerten und offen darzustellen.

Vatikanbank

Als "Vatikanbank" wird landläufig das "Institut für die religiösen Werke" (Istituto per le Opere di Religione, IOR) bezeichnet. Das IOR ist jedoch nur im eingeschränkten Sinne eine Bank. Einige bankentypische Dienstleistungen wie die Vergabe von Krediten bietet es nicht an. Hauptzweck des 1942 gegründeten Instituts ist laut Statuten die Verwaltung von Kapital, dessen Erträge "für Werke der Kirche und für christliche Wohltätigkeit in allen Teilen der Welt bestimmt sind".

Hauptsitz der Vatikanbank  / © Romano Siciliani (KNA)
Hauptsitz der Vatikanbank / © Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
KNA