Theologin setzt auf geschlechtergerechte Sprache und weibliche Bilder

Streit um Gottes Namen

Da Sprache den Glauben prägt, kritisiert die Theologin Annette Jantzen rein männliche Bilder von Gott. Sie setzt sich für eine geschlechtergerechte Sprache, auch in der Liturgie, ein. Es geht darum, wie Sprache das Gottesbild prägt.

Evangeliar / © Lars Berg (KNA)
Evangeliar / © Lars Berg ( KNA )

"Die Ewige" statt Gott: Die Theologin Annette Jantzen bemüht sich um eine geschlechtergerechte Sprache des Glaubens. Sie fände es gut, wenn der Name Gottes im Christentum wie im Judentum als unaussprechlich gälte, sagte sie am Sonntag im Interview des Internetportals des Bistums Eichstätt

Die Chiffre JHWH sei "eine stete Erinnerung daran, dass jeder Name für Gott zu klein ist". Sie selbst verwende daher häufig den Namen "Ewige/die Ewige".

Jantzen erklärt, das Gottesbild werde weiter, wenn sein Wort weiblich werde: "Natürlich hat Gott kein Geschlecht; aber wir weisen Gott im Kopf schon ein Geschlecht zu, wenn wir von 'ihm' sprechen." 

Ein ähnliches Phänomen erkennt die Theologin in der Bibel: Durch die Verwendung des generischen Maskulinums erscheine die Bibel männlicher, als sie tatsächlich sei; denn an vielen Stellen sei mit der männlichen Formulierung nicht das Geschlecht, sondern die Gattung Mensch gemeint. "Frauen werden durch maskuline Sprache unsichtbar, das ist heute noch so", meint Jantzen.

Sprache prägt das Bild im Kopf

Die Theologin nutzt selbst häufig die seit 2006 verfügbare "Bibel in gerechter Sprache" und setzt sich mit eigenen Gebetstexten und Bibelauslegungen für eine neue Sprache von Gott ein. Diese "geschlechterfaire Gottesrede, die Gott nicht in enge männliche Bilder zwängt", sorge dabei "nicht automatisch für mehr Geschlechtergerechtigkeit", so Jantzen. "Aber jeder Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit ist sehr mühsam und wird immer wieder angefragt sein, solange das Gottessymbol ausschließlich männlich bleibt."

Sixtinische Kapelle (KNA)
Sixtinische Kapelle / ( KNA )

Die Theologin und Autorin veröffentlicht ihre Texte in ihrem Blog "Gotteswort, weiblich". Am Montag erscheint ihr Buch "Die ignorierten Frauen der Bibel". Auf ihrem Blog hat sie - mangels Pflegemöglichkeit - die Kommentarfunktion abgeschaltet. Über Facebook und Instagram erhalte sie überwiegend positive Reaktionen, sagt Jantzen.

Im Facebook-Kanal des Bistums Eichstätt ist das anders: Der Beitrag mit Link auf ihr Interview wurde mittlerweile mehr als tausendfach kommentiert; zumeist mit Bibelverweisen, die zur Ablehnung einer geschlechtergerechten Glaubenssprache angeführt werden. Einige Kommentatoren bemühen sich dagegen um Einordnung, etwa mit Verweis auf den Katechismus.

Neue Bezeichnung für Gott

Die Katholische junge Gemeinde (KjG) will in ihren Dokumenten und Veröffentlichungen künftig Gott mit einem Pluszeichen versehen. Damit wolle man der Vielzahl von Gottesbildern Rechnung tragen, teilte der Verband am Montag in Düsseldorf mit. "Die Vorstellung von Gott+ als altem, weißem Mann mit Bart greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott+", heißt es in einem von der KjG-Bundeskonferenz mit großer Mehrheit verabschiedeten Beschluss.

Symbolbild: "Gott*" mit Gendersternchen / © Gerald Mayer (DR)
Symbolbild: "Gott*" mit Gendersternchen / © Gerald Mayer ( DR )
Quelle:
KNA