Warum die KjG künftig "Gott+" verwendet

Muss man Gott gendern?

Die Katholische junge Gemeinde will jetzt die Schreibweise "Gott+" benutzen. Das ist in der Bundeskonferenz des Jugendverbands mit großer Mehrheit verabschiedet worden. Was genau steckt dahinter?

Eine Person schreibt das Wort Gott / © Harald Oppitz (dpa)
Eine Person schreibt das Wort Gott / © Harald Oppitz ( dpa )

DOMRADIO.DE: Es gab schon lange eine Diskussion um das Gendern von "Gott" bei der KjG. Was genau haben Sie denn jetzt beschlossen?

Julia Niedermayer (Bundesleiterin der Katholischen jungen Gemeinde): Wir haben beschlossen, dass wir unsere Überzeugung von vielfältig vorhandenen Gottesbildern durch ein für uns passendes Symbol auch in Rede, Schrift und Bild letzten Endes darstellen möchten. Und wir haben uns für "Gott+" an dieser Stelle entschieden, um deutlich zu machen, dass in Gott so viel mehr steckt, als wir vielleicht auch begreifen können.

DOMRADIO.DE: Das heißt, in Dokumenten und Veröffentlichungen werden Sie künftig Gott mit einem Pluszeichen versehen, sozusagen. Jetzt ist ja in meiner Vorstellung der Sinn des Genderns, ob nun mit Sternchen und Doppelpunkt, es soll alle Männer, Frauen, Queere, Nonbinäre einschließen nach Möglichkeit. Und dieser Sinn ist doch bei Gott vielleicht eigentlich gar nicht gegeben. Oder doch Gott als nonbinäre Person?

Julia Niedermayer, Bundesleiterin KjG

"Mit unserem Vorhaben möchten wir allen Menschen ermöglichen, dass sie sich auch selbst als Ebenbild Gottes rein in der Begrifflichkeit erkennen können."

Niedermayer: Ich möchte nochmal kurz vorab vielleicht klarstellen, dass es für uns gar nicht rein darum geht, den Begriff zu gendern, sondern dass wir einen Zugang zu Gott und zur Sprache und zum Sprechen von Gott ermöglichen möchten, in dem sich möglichst viele Menschen wiederfinden. Und ja, da gehört auch dazu, dass wir als Menschen Ebenbilder Gottes sind und für uns dann klar ist, dass es zu kurz gegriffen ist, wenn wir sozusagen nur begreifen, dass männliche und weibliche Schöpfung darin ja verortet ist oder erkannt werden kann. Mit unserem Vorhaben möchten wir allen Menschen ermöglichen, dass sie sich auch selbst als Ebenbild Gottes rein in der Begrifflichkeit erkennen können.

DOMRADIO.DE: Und ein Sternchen oder ein Doppelpunkt, davon wollten Sie sich dann ob der gerade gehörten Erklärung auch noch mal absetzen sozusagen?

Niedermayer: Genau, wir hatten die Varianten auf dem Tisch, ob wir ein Sternchen nutzen, um auszudrücken, was uns wichtig ist oder das Plus und unsere Bundeskonferenz hat sich sehr deutlich für das Plus entschieden, um genau das noch mal deutlich machen zu können, dass es um sehr viel mehr Ebenen als Geschlechtlichkeit an dieser Stelle geht. Wir schreiben ja auch in unseren Beschlüssen bislang, dass uns vor allen Dingen ein sehr patriarchal geprägtes männliches, weißes Gottesbild theologisch zu kurz greift und wir so junge Menschen auch nicht mehr erreichen. Diese Dimensionen sieht die Konferenz deutlich besser für uns in einem Plus abgebildet als in einem Sternchen. Es ging auch noch mal in der Debatte darum, ob wir mit einem Sternchen queere Menschen vielleicht auch in eine Diskussion hinein heben, die sie gar nicht führen möchten.

DOMRADIO.DE: Also ob Gott queer ist oder welche Diskussion?

Niedermayer: Ob es jetzt tatsächlich ausschließlich um Geschlechtlichkeit an dieser Stelle geht oder ob es um weitere Dimensionen an dieser Stelle geht. Wie gesagt, das ist uns wichtig und es ist sehr wichtig, auch darauf hinzuweisen, dass wir nicht ausschließlich das Vorhaben des Genderns umgesetzt haben, sondern den Transport, wie gerade schon mehrfach erwähnt, vielfältiger Gottesbilder.

DOMRADIO.DE: Wenn ich dann jetzt beispielsweise sage "Guter Gott+, lass deinen Geist wehen über dem Kreml" zum Beispiel. Ist es denn dann noch logisch, "guter Gott+" zu sagen, also die männliche Form zu benutzen?

Neue Bezeichnung für Gott

Die Katholische junge Gemeinde (KjG) will in ihren Dokumenten und Veröffentlichungen künftig Gott mit einem Pluszeichen versehen. Damit wolle man der Vielzahl von Gottesbildern Rechnung tragen, teilte der Verband am Montag in Düsseldorf mit. "Die Vorstellung von Gott+ als altem, weißem Mann mit Bart greift theologisch zu kurz und erschwert vielen jungen Menschen den Zugang zu Gott+", heißt es in einem von der KjG-Bundeskonferenz mit großer Mehrheit verabschiedeten Beschluss.

Symbolbild: "Gott*" mit Gendersternchen / © Gerald Mayer (DR)

Niedermayer: Ja, das ist eine sehr gute Frage, wie genau wir die ausgesprochene Sprechweise gestalten möchten, haben wir natürlich in unserem Beschluss so explizit nicht festgelegt. Wir haben aber wohl beschlossen, dass wir uns zumindest was Pronomen angeht oder wie wir in Relativsätzen von Gott sprechen, uns eine größtmögliche Abwechslung auferlegen. Also es geht mal um er, sie, es geht mal um sie, es geht mal um ihn, es geht vielleicht auch mal um sier als Pronomen. Dass wir das alles versuchen, möglichst abwechslungsreich zu verwenden und so auf die Spur zu kommen, dass da ganz viel drinsteckt und ganz viel Vielfalt auch sich verborgen hat.

DOMRADIO.DE: Ich würde gerne noch kurz einen Blick in die Bibel mit Ihnen werfen. Also da steht ja dann so was wie "Gott sah, dass es gut war". Würden Sie jetzt auch plädieren, die Bibel umzudrucken oder umzuschreiben?

Niedermayer: Unser Anliegen war es vornehmlich mit diesem Beschluss zu sagen: Wir als Verband haben eine gemeinsame Haltung, eine gemeinsame Linie, wie wir unsere Überzeugungen als KjG-Bundesverband transportieren. Da gingen zunächst noch keine konkreten Bestrebungen daraus hervor, dass wir alle dazu verpflichten wollen, die Bibel oder weitere Gebete etc. umzuschreiben. Uns ist es aber wichtig, dass wir das für uns als Verband tun, dass wir möglichst vielfältige Formen von Spiritualität erfahrbar machen, indem wir abwechslungsreiche Gottesanreden nutzen, indem wir verschiedene Bilder auch nutzen, die sich eben auch fernab vielleicht tradierter, sehr eindeutiger Bilder bewegen. Das ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir wollen mit jungen Leuten über Gott und mit Gott so möglichst vielfältig ins Gespräch kommen.

DOMRADIO.DE: Ich hätte da noch so eine Idee. Wir sagen ja jetzt seit 2000 Jahren immer Gott. Vielleicht könnten wir doch die nächsten zweitausend Jahre einfach immer erst mal Göttin sagen und dann ist es ausgeglichen und dann gucken wir mal weiter.

Niedermayer: Das ist natürlich auch eine sehr charmante Idee auf eine Art und Weise. Für uns ist eben klar, dass wir die Tragweite größer ziehen möchten an dieser Stelle, dass wir jetzt eben nicht sagen möchten: Na ja, jetzt haben wir auf der einen Seite quasi immer eine männliche Ansprache gewählt und auf der anderen Seite wäre es doch jetzt gut, als Ausgleich quasi die weibliche Ansprache zu wählen. Uns ist es ja, wie eingangs schon gesagt, wichtig, auch an möglichst viele Lebensrealitäten und auch Identitäten anknüpfen zu können. Und da ist unsere Überzeugung eben, dass wir das ja durch ein möglichst vielfältiges Sprechen schaffen und eben nicht über das Gegenüberstellen von männlicher und weiblicher Ansprache.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Quelle:
DR