DOMRADIO.DE: In München wird am Donnerstag auch gefeiert, oder?
Rainer Maria Schießler (Münchner Stadtpfarrer): Wir feiern schon, nur anders als ihr.
DOMRADIO.DE: Wie feiern Sie denn Fasching?
Schießler: Ich glaube, der Bayer feiert von Haus aus etwas verhaltener. Das, was wir beim Oktoberfest treiben, ist eigentlich das größte Faschingsfest der Welt. Diese Prunk-Sitzungen, das Verkleiden, das Sich-Darstellen, das haben wir ein bisschen zurückhaltender, ein bisschen schüchterner vielleicht.
Es gibt auch Faschingszüge. Die sind aber nicht vergleichbar mit denen in Köln. Wir schauen da lieber zu.
DOMRADIO.DE: Mitte Januar haben Sie in der Nazarethkirche eine Faschingsmesse gefeiert. In der Messe haben Sie gesagt, der liebe Gott will glückliche Menschen. Ist das ein gutes Motto für die Karnevals- und Faschingstage?
Schießler: Nicht nur für die Karnevals- und Faschingstage. Die Schunkelmesse ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, die Verbundenheit zwischen der christlichen Botschaft und Fasching wieder in die Öffentlichkeit zu rücken.
Es geht um die Tatsache, dass wir erlöste Menschen sind, dass wir von einer Liebe umgeben sind, die uns durch alle guten und schlechten Zeiten hindurch trägt. Fröhliche Menschen teilen das nach außen hinaus. Das machen vor allem auch die Faschingsgesellschaften in Köln.
Es sind soziale Tätigkeiten, wenn sie Menschen besuchen, in Altersheime oder Krankenhäuser gehen und Freude bringen. Es gibt keine größere soziale Tätigkeit, als Freude zu bringen. Dabei geht es nicht um gespielte Freude, sondern um Freude, die aus tiefsten Überzeugungen, aus tiefstem Herzen und aus tiefstem Glauben herauskommt. Nur weil ich weiß, dass ich gerettet bin, kann ich mich freuen. Ich schreibe gerne in meine Bücher: Jetzt leben, lieber Freund, für später ist gesorgt.
DOMRADIO.DE: Kürzlich kam der Vorschlag auf, man solle für die Wiesn künftig Eintritt bezahlen. Ist das eine gute Idee?
Schießler: Nein, auf gar keinen Fall. Das liegt nicht daran, dass wir das Geld nicht hätten. Die Leute würden es zahlen. Es würde jedoch wieder eine Selektierung stattfinden. Es kommen die, die den Eintritt bezahlen würden. Es geht nicht jeder in einen Freizeitpark. Und die Wiesn ist auch kein Freizeitpark, sie ist ein Volksfest.
Das haben alle betont und unterstrichen. Sie entstammt einer ursprünglichen Hochzeit. Es ist ein Ort, an den alle hingehen können und sollen. Dabei ist es gleich, ob sie konsumieren und wie viel sie konsumieren – hoffentlich aber nicht so viel. Sie sollen einfach einen Moment Lebensfreude empfinden. Dass das Ganze Geld kostet, ist klar. Deswegen zahlen wir immer gerne mehr fürs Bier.
Ich verstehe den Brauereichef Georg Schneider. Er ist ein guter Bekannter von mir. Er denkt auch sicherheitspolitisch-ökonomisch. Als die Wiesn überfüllt war, hatten wir fast diesen "point of no return". Aber man hat sich schon wieder eingefunden und gesagt: Lieber versuchen wir, sicherere Konzepte durchzuziehen, anstatt Regelungen wie Eintritt und Zulassungsbeschränkung vorher festzulegen.
Das Interview führte Carsten Döpp.