US-Kardinal Cupich kritisiert Trumps Anti-Einwanderungspolitik

"Das ist wirklich unerhört"

Der Kardinal von Chicago, Blase Cupich, kritisiert das harte Vorgehen der US-Regierung gegen Einwanderer. Selbst Priester seien aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliert worden, was Cupich als Missachtung der Menschenwürde bezeichnet.

 © Bob Roller (KNA)
© Bob Roller ( KNA )

Chicagos Kardinal Blase Cupich hat das Vorgehen der US-Regierung gegen Einwanderung kritisiert. Es werde Schrecken verbreitet "in einer Stadt, in der nicht nur Einwanderer, sondern die gesamte Bevölkerung sich durch die Art und Weise terrorisiert fühlt, wie hier Razzien durchgeführt werden", sagte Cupich in einem am Samstag verbreiteten Video-Interview der Zeitung "El País" - ohne Regierungschef Donald Trump namentlich zu erwähnen. Auch die Morde in Minneapolis schürten die Empörung der Menschen, so der Kardinal.

Selbst Priester seien aufgrund ihrer Hautfarbe von Kräften der Einwanderungsbehörden festgenommen und aufgefordert worden, ihre Staatsbürgerschaft nachzuweisen und ihre Papiere vorzuzeigen. "Das ist wirklich unerhört", so Cupich. Auf die Frage, dass auch eine Mehrheit der US-Katholiken 2024 für Trump gestimmt habe, sagte der Chicagoer Erzbischof, es gebe auch Umfragen, nach denen "eine große Gruppe von US-Amerikanern, die für Trump gestimmt haben, die Methoden in Frage stellen, mit denen er seine Einwanderungspolitik vorantreibt".

"Missachtung der Menschenwürde"

Im Herbst hatte die US-Bischofskonferenz eine Botschaft zum Thema Einwanderung veröffentlicht, erstmals seit über zehn Jahren. Cupich sagte dazu, es sei um "Missachtung der Menschenwürde" gegangen; und darin seien sich die Bischöfe einig. "Wir haben uns zu diesem Thema immer sehr deutlich geäußert, sei es mit Blick auf das Kind im Mutterleib, auf Todeskandidaten in Haft - oder eben auf Einwanderer."

Die vorrangige Aufgabe der Kirche in der derzeitigen Lage sieht Cupich darin, "an den Rabd gedrängten und schutzbedürftigen Menschen seelsorgerische Betreuung zukommen zu lassen". Auch müsse sie ihre Stimme erheben und sich gewaltfrei für die Unterdrückten einsetzen. Sein eigenes Hauptanliegen, so der Kardinal, "ist nicht, eine bestimmte Person in der Regierung zu kritisieren, sondern dass sich die Menschen als Bürger engagieren können, damit Fortschritte erzielt werden".

Europa als Beispiel

Cupich forderte Lösungen, "wie wir Menschen geordnet in dieses Land einreisen lassen können; aber auch, wie wir ihnen ein Arbeitsvisum geben können". In vielen Teilen Europas gebe es durchlässige Grenzen, "die Menschen ermöglichen, zu kommen und zu gehen und für ihre Familien zu sorgen". Als Beispiel nannte er Zuwanderer aus Haiti, die etwa 20 Prozent der Beschäftigten in Gesundheitszentren und Seniorenheimen im Bundesstaat Florida ausmachten. "Wir brauchen diese Arbeitskräfte, die hart arbeiten", so Cupich. Stattdessen habe gerade in dieser Woche ein Richter eine Anordnung zum vorübergehenden Schutzstatus für Haitianer aufgehoben.

Kardinal Cupich (76) gehört zu den prominenten Stimmen der katholischen Kirche in den USA und leitet das Heimatbistum von Papst Leo XIV. Im Januar unterzeichnete er gemeinsam mit den Kardinälen von Washington und Newark, Robert McElroy und Joseph Tobin, eine Erklärung gegen die derzeitige US-Außenpolitik.

Die moralische Rolle der USA

Darin hieß es unter anderem: "Unsere moralische Rolle als Land, das sich dem Bösen in der Welt entgegenstellt, das Recht auf Leben und Menschenwürde verteidigt und die Religionsfreiheit unterstützt, wird derzeit auf den Prüfstand gestellt." Die Schaffung eines "gerechten und nachhaltigen Friedens, der für das Wohlergehen der Menschheit jetzt und in Zukunft so entscheidend ist, wird auf parteipolitische Kategorien reduziert, die Polarisierung und destruktive Politik fördern".

Krieg dürfe "kein Instrument engstirniger nationaler Interessen" sein, so die Kardinäle. Militärische Maßnahmen dürften lediglich "als letztes Mittel in Extremsituationen in Betracht gezogen werden", nicht als übliches Instrument einer nationalen Politik.

Quelle:
KNA