Glaube trifft beim Karnevalsgottesdienst in St. Agnes den Karneval

"Karneval ist wie ein Gruß aus dem Himmel"

In der Kölner Kirche St. Agnes feiert die Gemeinde wieder einen jecken Wortgottesdienst mit Karnevalsprominenz. Christoph Kuckelkorn predigt, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit. DOMRADIO.DE überträgt den besonderen Gottesdienst live.

Autor/in:
Michelle Mink
Karnevalsauftakt in Köln / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Karnevalsauftakt in Köln / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

Ausgelassenes Schunkeln statt besinnlichem Gebet und kölsche Klassiker statt "Großer Gott, wir loben Dich": Im Karnevalsgottesdienst in der St. Agnes-Kirche in Köln geht es bekanntermaßen etwas munterer zu als im klassischen Gottesdienst. Weniger tiefgründig muss es deshalb jedoch nicht sein.

Karneval und Kirche – das ist die perfekte Mischung, findet Pastoralreferent Peter Otten. "Der Karneval hat viele Facetten: Die Menschen machen sich über die Obrigkeit lustig, sie verkleiden sich; sie haken sich aber auch über wirtschaftliche und soziale Grenzen hinweg unter." Besonders der Straßenkarneval ist für diese "Drink-doch-eine-met"-Mentalität bekannt. "Der Karneval ist wie der Gruß aus der Küche in einem Restaurant: Man kann schon einmal erahnen, wie es im Himmel sein könnte – nämlich grenzenlos und liebevoll."

Die Größen des Kölner Karnevals im Gottesdienst

Ein zentrales Element des Gottesdienstes, der im Grunde dem Ablauf eines klassischen Wortgottesdienstes folgt, ist die Musik. "In der Corona-Zeit haben wir die Sehnsucht der Menschen nach dem Trost der rheinischen Musik entdeckt. Es gibt viel kölsche Musik, die sehr tiefsinnig ist. Ich würde sogar sagen, dass sie auf eine gewisse Art spirituell ist." Die musikalische Begleitung übernehmen daher bekannte Musik-Größen aus dem Kölner Karneval.

Patrick Lück ist seit 2022 Sänger der Kölner Band "Höhner"  / © Oliver Berg (dpa)
Patrick Lück ist seit 2022 Sänger der Kölner Band "Höhner" / © Oliver Berg ( dpa )

Kasalla, die Höhner und die Bläck Fööss zählen zu den Unterstützern des jecken Gottesdienstes. In diesem Jahr tritt zum ersten Mal die Band Lupo auf – neben Künstlern wie Stephan Brings, Stephan Knittler, den ehemaligen Bläck-Fööss-Mitgliedern Bömmel Lückerath und Kafi Biermann, dem Alphornbläser Ebasa Pallada und den Kölner Ratsbläsern. "Die Bands erzählen, welche Lieder sie spielen und warum sie diese spielen. Und die Menschen in der Kirche feiern und singen mit", beschreibt Otten die Atmosphäre. 

Abschied des Festkomitee-Präsidenten

Einen seinen letzten Auftritte in seiner Funktion wird der langjährige Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, bei dem Karnevalsgottesdienst haben. Für die Predigt sei er der perfekte Kandidat, so Otten. "Als Bestatter erlebt Kuckelkorn viele Grenzsituationen. Er kommt mit Leid, Tod und Sterben in Kontakt, auf der anderen Seite aber auch mit Trost, Hoffnung und Auferstehung. Außerdem verabschiedet er sich nun als Präsident des Festkomitees und hat bestimmt viel aus der Karnevalszeit zu erzählen."

Christoph Kuckelkorn / © Maria Schulz (privat)
Christoph Kuckelkorn / © Maria Schulz ( privat )

Der Glaube sei für ihn ein zentrales Element im Leben, sagte Kuckelkorn in einem Interview mit DOMRADIO.de im Januar. Er gebe dem Karnevalisten ein Fundament und die Stärke, mit schwierigen Entscheidungen und Situationen empathisch umzugehen. "All das konnte ich im Karneval einbringen – und es ist mir scheinbar auch ganz gut geglückt." Kuckelkorn hatte das Präsidentenamt seit 20217 inne. 

Für Menschen aus der ganzen Welt

Bereits zum sechsten Mal feiert die Gemeinde in St. Agnes den Karnevalsgottesdienst. Auch in diesem Jahr rechnet Peter Otten mit einer vollen Kirche. "Wir werden versuchen, so vielen wie möglich einen Platz zu geben. Wir geben keine Tickets aus. Es kann aber sein, dass wir den Zugang irgendwann schließen müssen." 

Der Gottesdienst wird außerdem über einen Live-Stream im Internet übertragen. Damit auch die digitalen Besucherinnen und Besucher aktiv am Karnevalsgottesdienst teilnehmen können, sei es auch in diesem Jahr möglich, Fürbitten per Handy-Nachricht in die Kirche zu senden. Auch digital komme der Karnevalsgottesdienst gut an; ein Grund, warum er nur teilweise auf Kölsch gehalten werde. "Der Gottesdienst wird tatsächlich in ganz Deutschland, in der ganzen Welt geschaut. Deswegen können wir das 'brutale' Kölsch nicht die ganze Zeit sprechen, das würde die Leute verwirren (lacht)."

DOMRADIO.de überträgt den Gottesdienst am Montag, 9.2.2026 um 18.11Uhr.

Karneval

Die "närrischen Tage" vor der am Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit haben verschiedene Namen: Das meist in ursprünglich katholischen Gebieten veranstaltete Brauchtum heißt im Rheinland Karneval, in Mainz und Umgebung Fastnacht, im schwäbisch-alemannischen Gebiet Fasnet. Fosnat nennen es die Franken, im bayrisch-österreichischen Raum wird Fasching gefeiert. Seit dem zwölften Jahrhundert ist das Wort "Fastnacht" im Mittelhochdeutschen bekannt. Das Wort Karneval stammt wahrscheinlich vom Italienischen "carne vale", was "Fleisch, lebe wohl" bedeutet.

So farbenfroh sind die Düsseldorfer Jecken  / © Federico Gambarini (dpa)
So farbenfroh sind die Düsseldorfer Jecken / © Federico Gambarini ( dpa )
Quelle:
DR

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