Es muss gehörig nach Pferdemist gestunken haben vor fast 500 Jahren im Petersdom: Während des berüchtigten "Sacco di Roma" 1527 machten die Plünderer das Gotteshaus, damals noch Baustelle, zum Pferdestall – als Zeichen ihrer Verachtung. Es sollte noch lange dauern, bis der zweite Bau der größten Kirche der Christenheit bezugsfertig war.
Am 18. November 1626, vor bald 400 Jahren, wurde sie geweiht. Die Pferdeäpfel waren da längst Geschichte. Und doch müsste es heute im Petersdom aus allen Winkeln wiehern, summen, gurren, fauchen und brüllen. Denn die Basilika ist ein regelrechter Zoo. Seine Tiere wohnen auf päpstlichen Wappen, auf Mosaiken mit mythologischen und biblischen Motiven oder als Zierde auf Säulen und Portalen.
Biene statt Stechfliege
Für viel Gewusel sorgte schon Papst Urban VIII. (1623-1644), bürgerlich Maffeo Barberini, der Gian Lorenzo Bernini den Auftrag für den riesigen Baldachin über dem Petrusgrab erteilte. Diesen verzierte der Künstler mit Scharen von Bienen, den Wappentieren des Papstes.
Dabei müsste der Baldachin mit banalen Stechfliegen bevölkert sein, erklärt der Kunsthistoriker Martin Raspe von der deutschen Biblioteca Hertziana in Rom. Denn Urbans Familie hieß eigentlich Tafani, zu deutsch: Pferdebremsen. Doch die Tafani entschieden, sich lieber nach ihrem toskanischen Heimatort Barberino Val d'Elsa zu benennen. Fortan verdrängten edle Bienen die schnöden Bremsen vom Wappen.
Taubenschlag für den Heiligen Geist
Den reinsten Taubenschlag machte Innozenz X. (1644-1655, Giovanni Battista Pamphilj) aus dem Petersdom. Seit 1650 sitzen Tauben an sämtlichen Pfeilern des Mittelschiffs, im Schnabel einen Ölzweig.
Diesen brachte die Taube laut biblischer Erzählung zur Arche Noah zurück – Zeichen dafür, dass die Sintflut überstanden war und Gott den Menschen Versöhnung anbot. Innozenz nutzte das Friedenssymbol in seinem Wappen gleich doppelt zur Allegorisierung seines Namens und damit zur Bestätigung seiner Berechtigung als Stellvertreter Christi auf Erden, erklärt Raspe.
Denn das griechische Wort "Pamphilos" bedeutet soviel wie "Freund aller". Zudem heißt Innozenz "der Unschuldige", passend zur Taube, die durch ihre weiße Farbe und Friedfertigkeit die Unschuld verkörpert. Als Symbol für den Heiligen Geist tritt die Taube in Kirchen nur vereinzelt auf. Im Petersdom ist sie an der Innenseite des Bernini-Baldachins sowie auf dem berühmten Apsis-Fenster zu sehen, jeweils mit ausgebreiteten Flügeln.
Drache für Gregor XIII.
Gefährlich wirken dagegen die Wappentiere von Paul V. (1605-1621): Adler und Drache prangen prominent über der Fassade des Petersdoms, die er erbauen ließ. Auch der Papst der Kalenderreform, Gregor XIII. (1572-1585), trug den Drachen im Familienwappen. Doch auf seinem Grabmal im rechten Seitenschiff wirkt das Fabelwesen fast putzig, trotz Krallenpfote und aufgerissenem Maul.
Auch die christliche Ikonografie bringt viele Tiere in die Basilika. So thront das "Lamm Gottes", Zeichen für Jesus Christus, als Skulptur in der Taufkapelle im linken Seitenschiff. Und die vier Evangelisten sind auf den runden Mosaiken in den Zwickeln der Hauptkuppel traditionsgemäß mit geflügelten Wesen dargestellt: Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler, während an Matthäus' Seite ein Mensch steht.
Elefant an der Decke
Hoch hinaufschauen muss auch, wer die Tierdarstellungen in den Kuppelzwickeln über der Taufkapelle betrachten will. Die Mosaiken von 1723 zeigen Allegorien der damals bekannten vier Kontinente: die gekrönte Europa mit Schlachtross, die Asia mit Kamel, die America mit einem Jaguar, und die Africa mit einem niedlichen Elefanten.
Eines der wenigen modernen Kunstwerke zeigt Papst Johannes XXIII. (1958-1963) mit vielen Menschen. Doch die einzige Figur auf Emilio Grecos Bronze-Relief von 1970 im linken Seitenschiff, die den Papst voll Vertrauen ansieht, ist ein abgemagerter Hund, Symbol der nach Gerechtigkeit, Liebe und Frieden hungernden Menschheit.
Ebenfalls zu Ehren von Johannes XXIII. schuf Giacomo Manzù (1908-1991) 1964 die praktisch immer geschlossene Porta della Morte ganz links am Petersdom. Das "Portal des Todes" zeigt symbolisch viele Tiere, die das Licht scheuen, darunter Tintenfische, Krebse, Igel und sogar eine Schildkröte, die eine Schlange beißt – Manzùs leise Aussage: Das Leben wehrt sich gegen den Tod.
Raubkatzen in der Papstbasilika
Innozenz XI. (1676-1689) ist einer der Päpste, die zur Verbreitung des "Königs der Tiere" beitrugen: Sein Grabmal im linken Seitenschiff wird getragen von zwei bronzenen Löwen. Auch das Monument für Clemens XIII. (1758-1769) nahe den Beichtstühlen am rechten Querschiff wird von zwei Löwen bewacht.
Aber wie passen überhaupt diese Raubtiere zum Papsttum? "Einerseits steht der Löwe für Adel und Königtum, was im Petersdom nicht so passend scheint", erläutert Kunsthistoriker Raspe. "Andererseits symbolisiert er die Macht und Souveränität des Kirchenstaats, dessen Herrscher der Papst damals war."
Löwe Nummer 14 auf dem Papstthron Schon der 14. Löwe auf dem Stuhl Petri ist Papst Leo – lateinisch für "Löwe". Der am 8. Mai gewählte Pontifex bezieht sich mit seinem Namen jedoch nicht auf das Raubtier, sondern ausdrücklich auf den "Sozialpapst" Leo XIII. (1878-1903).
Und weder im Wappen noch als Sternzeichen kann Leo XIV. auf einen Löwen verweisen. Immerhin bekam er im Sommer einen Araber-Hengst geschenkt - der natürlich nichts im Petersdom verloren hat. Pferde finden sich heute in der Vorhalle der Papst-Basilika: rechter Hand Berninis Reiterstandbild des Kaisers Konstantin, links das Karls des Großen. Sie müssen inzwischen draußen bleiben.