Warum eine Hanfpalme aus Magdeburg am Petersdom weiterwächst

Für den Retter des deutschen Friedhofs

Um an den Mann zu erinnern, der den Campo Santo Teutonico vor fast 600 Jahren rettete, hat ein Kamerateam eine Grabplatte samt Hanfpalme aus Sachsen-Anhalt nach Rom gebracht. Es ist das zweite wertvolle Geschenk in kurzer Zeit.

Autor/in:
Sabine Kleyboldt
v (shutterstock)

Südländische Zypressen, Dattelpalmen, Oleander - und nun eine Hanfpalme aus Sachsen-Anhalt: Seit kurzem ist der uralte Pilgerfriedhof neben dem Petersdom um ein Bäumchen reicher. Es ehrt einen Mann, ohne den der Campo Santo Teutonico vielleicht schon seit über 500 Jahren im Dunkel der Geschichte versunken wäre: Friedrich Frid aus Magdeburg, der sich ab 1440 als Gärtner, Restaurator, Bestatter und Herbergsvater um den deutschsprachigen Friedhof am Vatikan verdient machte.

Prälat Peter Klasvogt, Rektor des Campo Santo Teutonico in Rom, am 8. Juli 2025 in Rom, Italien. / © Sabine Kleyboldt (KNA)
Prälat Peter Klasvogt, Rektor des Campo Santo Teutonico in Rom, am 8. Juli 2025 in Rom, Italien. / © Sabine Kleyboldt ( KNA )

So steht es auch auf dem nagelneuen schwarz glänzenden Gedenkstein, den ein Kamera-Team um TV-Gärtner Marcus Bursian zusammen mit der Palme von Sachsen-Anhalt nach Rom brachte. Der MDR erzählt am Montag (5. Januar, 19.50 Uhr) die ganze Geschichte, über die die "Magdeburger Volksstimme" zuerst berichtet hatte - und die Campo-Santo-Rektor Peter Klasvogt noch immer verblüfft, wie er sagt. Denn zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen brachten Transporter aus Sachsen-Anhalt wertvolle Fracht ins Zentrum neben dem Petersdom.

Alte Grabplatte für "Friderico teutonico"

"Eine alte lateinische Grabplatte direkt an den Stufen zum Friedhof würdigt Friedrich Frid als Friderico teutonico", erläutert Klasvogt, der dem einzigartigen deutschsprachigen Komplex am Vatikan seit September vorsteht. Der Campo Santo Teutonico, das "Heilige Feld der Deutschen", wurde nach der Gründung durch Karl den Großen im Jahre 800 nach und nach Hospital und Herberge für deutsch- und flämischsprachige Rom-Pilger. All das verfiel aber ab dem 14. Jahrhundert.

"Während das antike Rom eine Million Einwohner hatte, waren es um 1440 nur noch rund 30.000", erklärt Klasvogt. "Auf dem Forum Romanum grasten Kühe, das Areal um den Petersdom samt dem Campo Santo verwilderte." Dann verschlug es jenen Gärtner Friedrich Frid nach Rom. "Er sieht das, spricht mit den Verantwortlichen am Petersdom, darf sich für die Zahlung eines Guldens hier niederlassen und bringt dann den Friedhof in Schuss."

Mehr noch: Zusammen mit dem Augustiner Johann Goldener lässt Frid auch das geistliche Zentrum wieder aufleben, kümmert sich im Sinne der alten Traditionen am Campo Santo um Unterkünfte für deutsch- und flämischsprachige Pilger und setzt die Gebäude instand.

"Arme-Seelen-Bruderschaft"

Dieses Engagement zieht viele Helfer an; 1454 wird die "Arme-Seelen-Bruderschaft" gegründet, Vorläuferin der "Erzbruderschaft zur Schmerzhaften Mutter Gottes beim Campo Santo der Deutschen und Flamen". Diese ist heute Eigentümerin des Komplexes aus Päpstlichem Priesterkolleg, Friedhof, Kirche und dem römischen Institut der Görres-Gesellschaft.

Grabplatte auf dem Campo Santo Teutonico / © Sabine Kleyboldt (KNA)
Grabplatte auf dem Campo Santo Teutonico / © Sabine Kleyboldt ( KNA )

"Frid sorgte also für das zentrale Anliegen des Campo Santo: Pilgern gerade in diesen gefährlichen Zeiten eine würdige letzte Ruhestätte zu geben, das christliche Totengedenken zu pflegen, Gottesdienste zu feiern und sich um Bedürftige und Kranke zu kümmern", sagt Klasvogt. "Das war ein sehr wichtiger Beitrag für den Campo Santo Teutonico."

Frid zu Ehren nahm TV-Gärtner Marcus Bursian viele Formalitäten in Kauf, um mit seinem Transporter auf vatikanisches Staatsgebiet fahren zu dürfen. Denn nur so gelangt man auf den Campo Santo. Dort pflanzte er dann die Hanfpalme Trachycarpus fortunei eigenhändig in den Gottesacker.

Auch Cranach-Triegel-Altar kam aus Sachsen-Anhalt

Als weiteres Gastgeschenk überreichte Bursian ein Gemälde des Magedeburger Künstlers Jürgen Dürrmann, das den Campo Santo zu Zeiten von Friedrich Frid zeigt - das zweite Kunstwerk aus Sachsen-Anhalt innerhalb weniger Wochen für das deutschsprachige Zentrum am Petersdom.

Denn seit November ist der einzigartige Cranach-Triegel-Altar aus dem Naumburger Dom in der Kirche des Campo Santo zu sehen. Das teils zerstörte Kunstwerk von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553), das der Leipziger Maler Michael Triegel um das berühmte Mittelbild ergänzte, genießt hier Kirchenasyl, bis eine Lösung im Streit um den Unesco-Welterbe-Titel des evangelischen Doms in Naumburg gefunden ist - aber nur für zwei Jahre. Dagegen dürfen Palme, Gemälde und Gedenkstein dauerhaft am Campo Santo an den Magdeburger Friedrich Frid erinnern.

Campo Santo Teutonico (Deutscher Friedhof) im Vatikan

Blick auf den Campo Santo Teutonico / © Anastasia Prisunko (shutterstock)
Blick auf den Campo Santo Teutonico / © Anastasia Prisunko ( shutterstock )

Der "Deutsche Friedhof" neben St. Peter befindet sich an der Südseite des Vatikanischen Hügels und ist seit dem 14. Jahrhundert als "Campo Santo Teutonico" bekannt. Es ist die älteste deutsche Nationalstiftung in Rom auf dem Gelände des neronischen Zirkus bei St. Peter, in dem 64 n. Chr. die ersten römischen Christen als Märtyrer starben.

Quelle:
KNA