Ukrainische Bibelgesellschaft verteilt 1.000 Bibeln pro Tag

"Die Bibel hält jedem Druck stand"

Etwa 1,6 Millionen Bibeln wurden in der Ukraine seit Kriegsbeginn 2022 verteilt, sagt der Leiter der dortigen Bibelgesellschaft. "Neben Bibeln in altersgerechten Ausgaben" helfe man mit der Verteilung von Hilfsgütern.

Symbolbild Eine aufgeschlagene Bibel in den Händen / © shine.graphics (shutterstock)
Symbolbild Eine aufgeschlagene Bibel in den Händen / © shine.graphics ( shutterstock )

Die Bibel wird Experten zufolge in der vom russischen Angriffskrieg erschütterten Ukraine stark nachgefragt.

"Seit Ausbruch des Krieges haben wir rund 1,6 Millionen Bibeln weitergegeben", sagte der Leiter der Ukrainischen Bibelgesellschaft, Oleksandr Babiychuk, laut einer Mitteilung der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart vom Dienstag. Das seien "im Durchschnitt etwa 1.000 Exemplare pro Tag".

Großmutter und Enkelin lesen in der Bibel / © Ground Picture (shutterstock)
Großmutter und Enkelin lesen in der Bibel / © Ground Picture ( shutterstock )

Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges vor vier Jahren unterstützt demnach die Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft die Arbeit der Ukrainischen Bibelgesellschaft. 

"Neben Bibeln in altersgerechten Ausgaben für Kinder und Erwachsene" helfe man in den Kriegsgebieten mit der Verteilung von Hilfsgütern, aber auch mit seelsorgerlichen Angeboten. "So begleiten Babiychuks Kolleginnen und Kollegen in speziellen Kursen Menschen, die vom Krieg und ihren Folgen traumatisiert wurden."

"Jeder Weg ist potenziell gefährlich"

Babiychuk sagte: "Fast jede ukrainische Familie trägt Schmerzen und Verluste, auch unsere Mitarbeitenden sind betroffen." Die Belastung der Menschen sei spürbar und Müdigkeit allgegenwärtig. Er selbst lebe in Cherson, nur wenige Kilometer von russischen Stellungen entfernt. "Der Weg zur Kirche, zum Bäcker oder zum Arzt - alles ist durch Drohnen- und Raketenbeschuss potenziell gefährlich."

Unter diesen Umständen sei ihm der Vers 4 aus Psalm 23 der Bibel besonders kostbar geworden: "Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich." (Einheitsübersetzung). Babiychuk sagte: "Diese Worte leben wir hier jeden einzelnen Tag."

"Die Bibel hält jedem Druck stand"

Das "Buch der Bücher" habe "Relevanz bis zum heutigen Tag", betonte Babiychuk und fügte hinzu: "Die Bibel hält jedem Druck stand." Ihre Botschaft habe Gewicht. "Die Bibel ist keine menschliche Idee - sie ist Gottes Wort, eine unerschöpfliche Quelle der Kraft. Und deshalb schenkt sie in jeder Situation Hoffnung, die trägt."

Die Projekte der Weltbibelhilfe reichen generell "von Erstübersetzungsprojekten in eine neue Sprache über Projekte zur Bibelverbreitung bis hin zu Bildungsprojekten, Glaubenskursen oder Krisennothilfe". Jedes Jahr fördere man rund 150 Projekte in 70 Ländern, hieß es.

Die evangelische Deutsche Bibelgesellschaft mit Sitz in Stuttgart ist Mitglied im Weltverband der Bibelgesellschaften. Dieser zählt den Angaben zufolge 160 Mitglieder und ist in 184 Ländern aktiv.

Die Bibel

Bibel ist die Schriftensammlung, die im Judentum und Christentum als Heilige Schrift gilt. Auf den Schriften fußt jeweils die Religionsausübung. Die Bibel des Judentums ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora, den Nevi’im und Ketuvim besteht. Diese Schriften entstanden seit etwa 1200 v. Chr. im Kulturraum der Levante und Vorderen Orient und wurden bis 135 n. Chr. kanonisiert. Das Christentum übernahm alle Bücher des Tanachs, ordnete sie anders an und stellte sie als Altes Testament (AT) dem Neuen Testament (NT) voran.

Eine Bibel liegt aufgeschlagen auf einem Tisch (KNA)
Eine Bibel liegt aufgeschlagen auf einem Tisch / ( KNA )
Quelle:
KNA