Die Lage in Kiew sei aktuell sehr schwierig, sagt Pavlo Titko, Leiter der Malteser in der Ukraine. Rund 3.000 Häuser seien ohne Heizung, davon etwa 2.000 Hochhäuser. Viele Menschen müssten bei eisigen Temperaturen in ihren Wohnungen ausharren, berichten ihm Bekannte aus Kiew. "Ihre Kinder schlafen in Skianzügen", so Titko weiter.
Flucht vor Kälte und Krieg
Auch bei ihm im westukrainischen Lwiw komme es zu massiven Problemen. Wenn der Strom ausfalle, funktionierten viele Heizsysteme nicht mehr. Er kenne Wohnungen, in denen die Temperaturen auf zwölf bis 14 Grad unter Null gesunken seien. Ohne Heizung sei der Alltag so kaum zu bewältigen.
Viele Menschen versuchten deshalb, aus den Städten zu fliehen, berichtet Titko, der seit mehr als 30 Jahren bei den Maltesern aktiv ist. Wer könne, suche Zuflucht bei Verwandten oder Bekannten, vor allem in ländlichen Regionen. Dort gebe es häufiger Holzheizungen und weniger Zerstörungen.
Die anhaltende Belastung habe gravierende gesundheitliche Folgen. Laut Titko verschärften sich bestehende Krankheiten, insbesondere Herzbeschwerden, Bluthochdruck und nervliche Störungen. "Die meisten Menschen haben keine Möglichkeit, einen Arzt aufzusuchen – insbesondere in den ländlichen Gebieten." sagt der Malteser. Auch die psychische Erschöpfung nehme nach Jahren des Krieges weiter zu.
200 Hilfstransporter vor einem Jahr – heute zwei
Bei Kindern beobachteten Helferinnen und Helfer eine zunehmende Desorientierung und geringere Stressresistenz. Auch Lehrkräfte und medizinisches Personal litten stark, das Burn-out-Syndrom habe sich deutlich verstärkt. Besonders schwierig sei die Lage älterer Menschen: "Aufgrund des vielen Schnees, der Kälte draußen, der fehlenden Straßenbeleuchtung, geraten sie in eine soziale Isolation", berichtet er weiter.
Umso wichtiger sind da Anlaufstellen wie Suppenküchen und Sozialstationen. "Wir haben die Möglichkeit, Generatoren zu betreiben, warmes Essen zu geben und psychosoziale Hilfe zu leisten", sagt Titko. Bereits früh am Tag kämen viele Menschen dorthin, nicht nur wegen des Essens, sondern aus Angst, die Angebote könnten ausfallen. Denn die internationale humanitäre Unterstützung sei stark zurückgegangen. "Wir haben vor einem Jahr 200 Hilfstransporter gehabt, heute sind es zwei" so Titko. Er hoffe daher, dass die Aufmerksamkeit für die Ukraine wieder zunehme.
Trotz allem blickten viele Ukrainer mit Hoffnung in die Zukunft. Die Menschen seien überzeugt, dass der Krieg irgendwann endet und Frieden möglich wird. Diese Hoffnung helfe vielen, die aktuelle Situation auszuhalten, sagt der Malteser.