Mahnmal im Paderborner Dom soll Betroffenen eine Stimme geben

Eigenes Versagen erkennen

Mit einem künstlerisch gestalteten Mahnmal im Paderborner Dom machen Kirche und Betroffenenvertretung auf Menschen aufmerksam, die sexuellen Missbrauch erlitten haben. Der Gedenkort ermutigt zur Interaktion und Auseinandersetzung.

Paderborner Dom (Archivbild) / © Koverninska Olga (shutterstock)
Paderborner Dom (Archivbild) / © Koverninska Olga ( shutterstock )

Ein neuer Gedenkort zur Mahnung und Erinnerung an Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kirche wird am 2. März im Paderborner Dom öffentlich vorgestellt. Das Mahnmal des Kölner Künstlers Christoph Brech trage den Namen "memory - Aufdecken + Erinnern", teilte das Erzbistum Paderborn mit. 

Entwurf für das Mahnmal im Paderborner Dom / © Ansgar Hoffmann (EBP)
Entwurf für das Mahnmal im Paderborner Dom / © Ansgar Hoffmann ( EBP )

Herzstück des Gedenkortes in der Brigidenkapelle ist demnach ein Tisch, der dem Memory-Spiel nachempfunden ist. Unter drehbaren Feldern finden sich Paare von Texten und Bildern, die Betroffene als persönliche Zeugnisse eingebracht haben.

Udo Markus Bentz, Erzbischof von Paderborn, beim Besuch des Sankt James-Vikariates für die hebräischsprachigen Katholiken in Israel / © Andrea Krogmann (KNA)
Udo Markus Bentz, Erzbischof von Paderborn, beim Besuch des Sankt James-Vikariates für die hebräischsprachigen Katholiken in Israel / © Andrea Krogmann ( KNA )
der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz

Der Künstler Brech habe das Mahnmal in enger Abstimmung mit dem Erzbistum, dem Metropolitankapitel und der Unabhängigen Betroffenenvertretung geschaffen, hieß es. Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz betonte, der Gedenkort hole "die Menschen, die sexuellen Missbrauch erleiden mussten, in den Raum unserer Bischofskirche und macht ihre Stimmen hörbar". Das Mahnmal solle auch die Schuld der Täter aufzeigen und das Versagen der Institution Kirche im Umgang mit sexualisierter Gewalt bekennen.

Mahnmal mit konkreter Handlungsaufforderung

An der Altarwand der Brigidenkapelle ist als Teil des Gedenkortes der sogenannte "Hahnen-Hymnus" des heiligen Ambrosius von Mailand abgebildet. Er thematisiert die biblisch überlieferte Verleugnung des von den Römern gefangenen Jesus durch seinen Jünger Petrus, noch ehe am Morgen der Hahn dreimal krähte. 

Der Verrat sei Aufforderung zu einer Transformation von Schuldbekenntnis, Heilung und Versöhnung, so das Erzbistum. An der Außenseite im Osten des Doms ist das Mahnmal durch die Leuchtschrift "memory" sichtbar - eine Lichtlinie führt von dort in die Kapelle.

Der Sprecher der Betroffenenvertretung im Erzbistum Münster, Reinhold Harnisch, erklärte, durch seine Konzeption habe das Mahnmal "eine konkrete Handlungsaufforderung". Es sei "Denk-mal" und "Mahn-mal" und ermutige als "Mach-mal" zur Interaktion und Auseinandersetzung.

Erzbistum Paderborn

Rund 4,8 Millionen Menschen leben im Erzbistum Paderborn, davon sind gut 1,3 Millionen katholisch. Das Erzbistum gliedert sich in 19 Dekanate mit 603 Pfarrgemeinden in 107 Seelsorgeeinheiten (Pastorale Räume / Pastoralverbünde / Gesamtpfarreien). 

Erzbistum Paderborn / © Bernd Thissen (dpa)
Erzbistum Paderborn / © Bernd Thissen ( dpa )
Quelle:
epd