Auch am Kölner Dom kommt es regelmäßig zu Drohnenabstürzen

Gefahr für Weltkulturerbe und Menschen

Der Drohnenabsturz am Aachener Dom im Advent sorgte für Schlagzeilen. Auch Michael Jürkel von der Dombauhütte Köln hat bereits Erfahrungen mit Drohnen gemacht – sowie mit Selbstüberschätzung und mangelnden Fachkenntnissen.

Autor/in:
Alexander Foxius
Testaufnahmen mithilfe von Drohnen am Kölner Dom / © Northdocks GmbH, Patrick Reschke (Dombauhütte Köln)
Testaufnahmen mithilfe von Drohnen am Kölner Dom / © Northdocks GmbH, Patrick Reschke ( Dombauhütte Köln )

Die Augen von Michael Jürkel strahlen, wenn er über das Fliegen von Drohnen spricht. Auch er ist in seiner Freizeit Drohnenpilot und gibt zu, dass er den Reiz verstehen kann, spektakuläre Luftaufnahmen vom Kölner Dom zu machen. Seine Drohne hebt in Deutz an der Uferpromenade ab, überfliegt entlang der Hohenzollernbrücke den Rhein und kreist bildgewaltig um die Spitzen der Kölner Kathedrale in über 160 Metern Höhe.

Blick auf den Kölner Dom / © Tian Ye (shutterstock)

Jürkel ist Steintechniker, natürlich an der Dombauhütte Köln. Dort hat er auch professionell mit Drohnen zu tun. Aktuell ist er mit einer realitätsgetreuen Visualisierung der Kathedrale für ein 3D-Modell betraut. Dafür haben Drohnen mit einer hochauflösenden Kamera Fotos gemacht. Am Computer wird aus denen eine dreidimensionale Darstellung errechnet. "So haben wir den kompletten Dom als digitalen Zwilling bekommen", berichtet er.

Schlagzeilen vom Aachener Dom 

In den letzten Tagen gab es in der Presse auch andere Schlagzeilen rund um Flüge von Drohnen und Domkirchen. "Drohnenabsturz am Aachener Dom wird teuer für Piloten", lautete die Überschrift. Am vierten Adventswochenende war eine Drohne gegen das Turmkreuz des Doms geprallt. Aachens Dombaumeister Jan Richarz teilte mit, dass der Flug nicht genehmigt gewesen sei.

Aachener Dom / © r.classen (shutterstock)

Solche Nachrichten ärgern auch den Kollegen der Kölner Dombauhütte, Michael Jürkel. Er habe wenig Angst gehabt, dass es zu Beschädigungen komme. Vielmehr habe ihn besorgt, wo die Drohne in luftiger Höhe festhing: "Die Gefahr bestand darin, dass sie dort runterfällt und irgendwen trifft oder irgendeinen Schaden verursacht", sagt er im Gespräch mit DOMRADIO.DE.

Ein bis zwei Abstürze pro Jahr 

Jürkel spricht aus Erfahrung. Auch auf dem Kölner Dom stürzen immer wieder Drohnen von Hobbypiloten ab. Ein bis zwei solcher Drohnen finden die Mitarbeitenden der Dombauhütte jährlich bei Arbeiten in den Höhen der Kathedrale. Es ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, was die Abstürze angeht.

Michael Jürkel ist Steintechniker der Dombauhütte Köln. / © Alexander Foxius (DR)
Michael Jürkel ist Steintechniker der Dombauhütte Köln. / © Alexander Foxius ( DR )

Gerade zu Zeiten, in denen viele Besucher in der Stadt wären, könne man ein erhöhtes Flugaufkommen beobachten, zum Beispiel zu Messezeiten. Die Drohnen kämen aus aller Welt, würden wahrscheinlich im Gepäck mit in den Urlaub oder auf die Geschäftsreise genommen. Luftbilder wären dann wohl eine weitere Form von Urlaubsbildern, vermutet Jürkel. 

Ungeschulte Piloten treffen auf schwierige Flugbedingungen

Wer sich als Fußgänger auf der Domplatte bewegt, kennt das Phänomen. Am Kölner Dom können sehr starke Winde wehen. Gebäudeinduzierte Turbulenzen können für schwierige Flugbedingungen sorgen. Verwirbelungen und Druckunterschiede machen den Flug um ein Gebäude wie den Kölner Dom, der wie ein Berg aus der Stadtlandschaft herausragt, sehr herausfordernd. "Die Fallwinde, die allein durch die beiden Türme erzeugt werden, machen es wirklich so anspruchsvoll", warnt Jürkel die Piloten, die ihre  Flugkenntnisse überschätzen.

Er habe einen erfahrenen Piloten erlebt, der neben Drohnen auch Hubschrauber fliegt. Beim Flug zwischen den Türmen wäre dieser sichtlich angespannt gewesen. Er habe Jürkel nach dem Flug gesagt, dass es leichter sei, einen Hubschrauber neben dem Dom zu landen, als die Drohne zwischen den Türmen zu steuern.

Gefahr für Leib und Leben 

Ähnlich wie im Fall des Aachener Doms gilt die Sorge von Michael Jürkel um Drohnenabstürze am Kölner Dom nicht nur dem Bauwerk des Weltkulturerbes. Natürlich könne eine Drohne auch Schäden am Stein oder den Fenstern verursachen, aber vielmehr gelte seine Sorge den Menschen rund um den Kölner Dom.

Drohne im Kirchenraum. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Drohne im Kirchenraum. / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Eine handelsübliche Drohne wiegt zwischen einigen hundert Gramm und wenigen Kilo. Aus einer Fallhöhe von weit über 150 Metern kann aber auch ein vergleichbar leichtes Fluggerät, mit dem Gewicht von wenigen Tafeln Schokolade schwere Verletzungen hervorrufen. Wer als Rheinländer beim Karneval schon mal eine Tafel Schokolade aus wenigen Metern an den Kopf bekommen hat, kann ein Lied davon singen.

Zahlt die Haftpflicht? 

Der Vorfall in Aachen habe den Betrieb am Dom beeinträchtigt, berichtete der dortige Dombaumeister Jan Richarz. Eine Kölner Spezialfirma habe mit ihrem Gerät die Drohne in rund 70 Metern Höhe nicht bergen können, ein Dachdecker und Höhenkletterer mussten das Flugobjekt entfernen. Zu groß war die Gefahr eines späteren Absturzes, die Passanten und Gottesdienstbesucher hätte treffen können.

KI-generiertes Symbolbild eines Absturzes einer Drohne am Kölner Dom. (DR)
KI-generiertes Symbolbild eines Absturzes einer Drohne am Kölner Dom. / ( DR )

4.000 Euro Kosten müsse der Drohnenpilot nun zahlen. Da sich der Pilot unmittelbar bei den Verantwortlichen gemeldet habe, hätten die Rechnungen an seine Versicherungen weitergeleitet werden können. Ob diese in dem Fall des nicht genehmigten Fluges allerdings auch zahlen, darf bezweifelt werden. "Je nach Umständen des Einzelfalls kommt eine Leistungsreduzierung oder auch eine vollständige Leistungsablehnung in Betracht", teilt Eva-Maria Sahm vom Versicherer HUK-Coburg auf Anfrage von DOMRADIO.DE mit.

Klare Regeln und Vorgaben 

Für Drohnenflüge gelten klare gesetzliche Vorgaben, die zu oft missachtet würden, findet auch Michael Jürkel von der Kölner Dombauhütte. Ohne Genehmigung der Dombauhütte und Stadt Köln dürfe eigentlich niemand mit seiner Drohne über den Kölner Dom fliegen. Gleiches gilt auch für Wasserstraßen, Gleise und Bahnanlagen. Der Flug von der Uferpromenade entlang der Hohenzollernbrücke und das Kreisen um die Domspitzen in 160 Metern Höhe hätte folglich auch gar nicht stattfinden dürfen.

Stationen der Kölner Domgeschichte

1248 Grundsteinlegung für den gotischen Neubau unter Erzbischof Konrad von Hochstaden.

1322 Chorweihe; allmählich entstehen die unteren Teile von Mittelschiff, Querhäusern und Seitenschiffen sowie der Südturm bis zu einer Höhe von 59 Metern.

1560 Einstellung des Baubetriebs.

1794 Nach dem französischen Einmarsch dient der Torso des Doms als Futtermagazin und Gefangenenlager.

1815 Nach den napoleonischen Befreiungskriegen wird der Kölner Dom für die Romantiker zu einem Symbol der deutschen Nationalbewegung.

Blick auf den Kölner Dom / © Wondervisuals (shutterstock)
Blick auf den Kölner Dom / © Wondervisuals ( shutterstock )
Quelle:
DR

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