Die Augen von Michael Jürkel strahlen, wenn er über das Fliegen von Drohnen spricht. Auch er ist in seiner Freizeit Drohnenpilot und gibt zu, dass er den Reiz verstehen kann, spektakuläre Luftaufnahmen vom Kölner Dom zu machen. Seine Drohne hebt in Deutz an der Uferpromenade ab, überfliegt entlang der Hohenzollernbrücke den Rhein und kreist bildgewaltig um die Spitzen der Kölner Kathedrale in über 160 Metern Höhe.
Jürkel ist Steintechniker, natürlich an der Dombauhütte Köln. Dort hat er auch professionell mit Drohnen zu tun. Aktuell ist er mit einer realitätsgetreuen Visualisierung der Kathedrale für ein 3D-Modell betraut. Dafür haben Drohnen mit einer hochauflösenden Kamera Fotos gemacht. Am Computer wird aus denen eine dreidimensionale Darstellung errechnet. "So haben wir den kompletten Dom als digitalen Zwilling bekommen", berichtet er.
Schlagzeilen vom Aachener Dom
In den letzten Tagen gab es in der Presse auch andere Schlagzeilen rund um Flüge von Drohnen und Domkirchen. "Drohnenabsturz am Aachener Dom wird teuer für Piloten", lautete die Überschrift. Am vierten Adventswochenende war eine Drohne gegen das Turmkreuz des Doms geprallt. Aachens Dombaumeister Jan Richarz teilte mit, dass der Flug nicht genehmigt gewesen sei.
Solche Nachrichten ärgern auch den Kollegen der Kölner Dombauhütte, Michael Jürkel. Er habe wenig Angst gehabt, dass es zu Beschädigungen komme. Vielmehr habe ihn besorgt, wo die Drohne in luftiger Höhe festhing: "Die Gefahr bestand darin, dass sie dort runterfällt und irgendwen trifft oder irgendeinen Schaden verursacht", sagt er im Gespräch mit DOMRADIO.DE.
Ein bis zwei Abstürze pro Jahr
Jürkel spricht aus Erfahrung. Auch auf dem Kölner Dom stürzen immer wieder Drohnen von Hobbypiloten ab. Ein bis zwei solcher Drohnen finden die Mitarbeitenden der Dombauhütte jährlich bei Arbeiten in den Höhen der Kathedrale. Es ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, was die Abstürze angeht.
Gerade zu Zeiten, in denen viele Besucher in der Stadt wären, könne man ein erhöhtes Flugaufkommen beobachten, zum Beispiel zu Messezeiten. Die Drohnen kämen aus aller Welt, würden wahrscheinlich im Gepäck mit in den Urlaub oder auf die Geschäftsreise genommen. Luftbilder wären dann wohl eine weitere Form von Urlaubsbildern, vermutet Jürkel.
Ungeschulte Piloten treffen auf schwierige Flugbedingungen
Wer sich als Fußgänger auf der Domplatte bewegt, kennt das Phänomen. Am Kölner Dom können sehr starke Winde wehen. Gebäudeinduzierte Turbulenzen können für schwierige Flugbedingungen sorgen. Verwirbelungen und Druckunterschiede machen den Flug um ein Gebäude wie den Kölner Dom, der wie ein Berg aus der Stadtlandschaft herausragt, sehr herausfordernd. "Die Fallwinde, die allein durch die beiden Türme erzeugt werden, machen es wirklich so anspruchsvoll", warnt Jürkel die Piloten, die ihre Flugkenntnisse überschätzen.
Er habe einen erfahrenen Piloten erlebt, der neben Drohnen auch Hubschrauber fliegt. Beim Flug zwischen den Türmen wäre dieser sichtlich angespannt gewesen. Er habe Jürkel nach dem Flug gesagt, dass es leichter sei, einen Hubschrauber neben dem Dom zu landen, als die Drohne zwischen den Türmen zu steuern.
Gefahr für Leib und Leben
Ähnlich wie im Fall des Aachener Doms gilt die Sorge von Michael Jürkel um Drohnenabstürze am Kölner Dom nicht nur dem Bauwerk des Weltkulturerbes. Natürlich könne eine Drohne auch Schäden am Stein oder den Fenstern verursachen, aber vielmehr gelte seine Sorge den Menschen rund um den Kölner Dom.
Eine handelsübliche Drohne wiegt zwischen einigen hundert Gramm und wenigen Kilo. Aus einer Fallhöhe von weit über 150 Metern kann aber auch ein vergleichbar leichtes Fluggerät, mit dem Gewicht von wenigen Tafeln Schokolade schwere Verletzungen hervorrufen. Wer als Rheinländer beim Karneval schon mal eine Tafel Schokolade aus wenigen Metern an den Kopf bekommen hat, kann ein Lied davon singen.
Zahlt die Haftpflicht?
Der Vorfall in Aachen habe den Betrieb am Dom beeinträchtigt, berichtete der dortige Dombaumeister Jan Richarz. Eine Kölner Spezialfirma habe mit ihrem Gerät die Drohne in rund 70 Metern Höhe nicht bergen können, ein Dachdecker und Höhenkletterer mussten das Flugobjekt entfernen. Zu groß war die Gefahr eines späteren Absturzes, die Passanten und Gottesdienstbesucher hätte treffen können.
4.000 Euro Kosten müsse der Drohnenpilot nun zahlen. Da sich der Pilot unmittelbar bei den Verantwortlichen gemeldet habe, hätten die Rechnungen an seine Versicherungen weitergeleitet werden können. Ob diese in dem Fall des nicht genehmigten Fluges allerdings auch zahlen, darf bezweifelt werden. "Je nach Umständen des Einzelfalls kommt eine Leistungsreduzierung oder auch eine vollständige Leistungsablehnung in Betracht", teilt Eva-Maria Sahm vom Versicherer HUK-Coburg auf Anfrage von DOMRADIO.DE mit.
Klare Regeln und Vorgaben
Für Drohnenflüge gelten klare gesetzliche Vorgaben, die zu oft missachtet würden, findet auch Michael Jürkel von der Kölner Dombauhütte. Ohne Genehmigung der Dombauhütte und Stadt Köln dürfe eigentlich niemand mit seiner Drohne über den Kölner Dom fliegen. Gleiches gilt auch für Wasserstraßen, Gleise und Bahnanlagen. Der Flug von der Uferpromenade entlang der Hohenzollernbrücke und das Kreisen um die Domspitzen in 160 Metern Höhe hätte folglich auch gar nicht stattfinden dürfen.