Hilfswerke warnen vor Folgen durch Kälte in der Ukraine

Fünf Stunden Strom am Tag

Zweistellige Minustemperaturen machen den Menschen in der Ukraine zu schaffen. Russland attackiere gezielt notwendige Infrastruktur, kritisiert Malteser International. Viele stünden dadurch vor einer "unmenschlichen Wahl".

Symbolbild Krieg in der Ukraine / © Golovach Oleg (shutterstock)
Symbolbild Krieg in der Ukraine / © Golovach Oleg ( shutterstock )

Hilfswerke warnen angesichts eisiger Temperaturen in der Ukraine vor körperlichen und psychischen Folgen für die Menschen. Es komme täglich zu stundenlangen Ausfällen von Strom und Heizung in fast allen Landesteilen, warnte Malteser International am Dienstag in Köln. "In der härtesten Phase des Winters komplett ohne Heizung dazustehen, verstärkt die Perspektivlosigkeit, die viele Menschen empfinden", sagte der Programmmanager von Malteser International in der Ukraine, Philipp Gliesche.

Die Psychologinnen und Psychologen des Hilfswerks warnten, dass sich der psychische Zustand der Betroffenen zunehmend verschlechtere, so Gliesche. "Stress wird, vor allem im Osten des Landes und der Hauptstadt, nicht mehr als akute Reaktion auf bestimmte Ereignisse wahrgenommen, sondern als permanenter Hintergrund des Lebens." Damit gingen Schlafstörungen, schnelle Erschöpfung und anhaltende Angst einher. Alte Menschen und jene mit Behinderungen seien der Situation zudem fast schutzlos ausgeliefert.

Malteser International

Bei Malteser International sind rund 868 Mitarbeiter in über 20 Ländern tätig, um Menschen ein Leben in Gesundheit und Würde zu ermöglichen. Der Hintergrund der Mitarbeiter reicht von den jeweiligen Experten in unseren Arbeitsfeldern über Logistiker und Finanzexperten bis hin zu den Länderdirektoren. 

Unterstützt werden die Mitarbeiter im Feld von rund 80 Kollegen im Generalsekretariat und den Regionalbüros in Köln und New York. Weltweit sind damit Mitarbeiter aus 44 unterschiedlichen Herkunftsländern für Malteser International im Einsatz. 

Malteser packen Hilfsgüter für Griechenland (Malteser)
Malteser packen Hilfsgüter für Griechenland / ( Malteser )

Rund fünf Stunden Strom am Tag

Das Hilfswerk Care kritisierte die fortwährenden russischen Angriffe auf Energie- und Heizsysteme in der Ukraine. Strom, Wärme und Wasser würden systematisch lahmgelegt, sagte der Care-Länderdirektor in der Ukraine, Michael McGrath. Viele Menschen stünden "vor einer unmenschlichen Wahl: in bitterkalten Wohnungen auszuharren oder sich auf gefährliche Wege zu begeben, um Wärme und Schutz zu suchen".

Viele Menschen bekämen nur noch bis zu fünf Stunden Strom am Tag, verteilt auf Zeiträume, in denen sie oft arbeiteten oder schliefen. So versuchten Behörden, die Belastung des Netzes zu reduzieren. "Dadurch werden grundlegende Alltagsroutinen wie Mahlzeiten kochen, Wäsche waschen oder Handys laden unmöglich. Das Leben wird von ständigem Improvisieren bestimmt", erklärte McGrath.

Der Länderdirektor betonte, der Schutz von Zivilpersonen und ziviler Infrastruktur sei "eine grundlegende Verpflichtung des humanitären Völkerrechts und eine moralische Notwendigkeit". Dafür müsse sich die internationale Gemeinschaft entschieden einsetzen.

Christliche Kirchen in der Ukraine

Die kirchlichen Verhältnisse in der Ukraine sind komplex. Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sie gehören allerdings zwei verschiedenen Kirchen an: der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) des Moskauer Patriarchats und der autokephalen (eigenständigen) Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Zudem gibt es eine römisch-katholische Minderheit mit rund einer Million Mitgliedern sowie die mit Rom verbundene (unierte) griechisch-katholische Kirche der Ukraine.

Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny (KNA)
Das Heilige Feuer aus Jerusalem am 18. April 2020 im Kiewer Höhlenkloster Petscherska Lawra, Hauptsitz der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchats. / © Sergey Korovayny ( KNA )
Quelle:
KNA