Bundeskanzler Merz nimmt nicht am Sternsinger-Empfang teil

Wegen Ukraine-Treffens in Paris

Für jeden Kanzler ist es ein angenehmer Termin: der Empfang der Sternsinger im Kanzleramt. Auch für Friedrich Merz war dieser Termin fest eingeplant. Nun muss er nach Paris. Dabei hatte er dem Empfang erwartungsvoll entgegengeblickt.

Sternsingerin mit goldenen Kronen / © Werner Schuering (KNA)
Sternsingerin mit goldenen Kronen / © Werner Schuering ( KNA )

Anders als zunächst geplant kann Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag die Sternsinger nicht selbst im Bundeskanzleramt empfangen. Das erklärte am Montag ein Regierungssprecher. Merz sei in Paris, dort treffe sich die sogenannte Koalition der Willigen, um über die Ausgestaltung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu sprechen. Vertreten wird Merz von Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU).

Merz sollte am Dienstag erstmals in seiner Amtszeit die Sternsingerinnen und Sternsinger - 108 Königinnen und Könige, jeweils vier Kinder und Jugendliche aus allen 27 katholischen Bistümern - empfangen. Nach Angaben des Kindermissionswerks ist es das erste Mal, dass ein Bundeskanzler nicht an dem Empfang teilnimmt. Seit 1984, zuerst in der Amtszeit von Kanzler Helmut Kohl, bringen sie zu Jahresbeginn ihren Segen "Christus mansionem benedicat - Christus segne dieses Haus" ins Bundeskanzleramt.

Vorfreude auf Sternsinger

Vor der Absage in einem Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) bezeichnete Merz die biblische Erzählung der Heiligen Drei Könige als einen Impuls für Bescheidenheit und Vertrauen. Er verwies darauf, dass Glück und Sinn oft im Unscheinbaren zu finden seien. "Die Drei Weisen suchen einen neugeborenen König und finden das Jesuskind in einer Krippe liegend, in einem einfachen Stall, unerwartet und unscheinbar." Auch im Alltag liege das Glück nicht immer in den großen, überragenden Erlebnissen und Erfahrungen, so der Kanzler. "Das sollten wir uns immer wieder vergegenwärtigen."

Friedrich Merz / © Michael Kappeler (dpa)
Friedrich Merz / © Michael Kappeler ( dpa )

Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen betonte Merz die Bedeutung von Mut und Offenheit. Die Geschichte der Drei Könige stehe für einen Weg ins Ungewisse: "Die Drei Könige haben sich auf einen weiten Weg gemacht - voller Zuversicht und ohne zu wissen, was genau sie vorfinden werden." Angesichts neuer Herausforderungen wünsche er sich ähnliches für die Gesellschaft. "Auch in Deutschland brauchen wir die Offenheit für Neues und den festen, selbstbewussten Glauben daran, ein Ziel aus eigener Kraft erreichen zu können", so Merz.

"Bei mir zu Hause eine schöne Tradition"

Persönlich verbindet der Kanzler den Dreikönigstag vor allem mit dem Sternsingen. "Bei mir zu Hause im Sauerland ist das Sternsingen eine schöne Tradition, wenn jedes Jahr - wie in so vielen Teilen unseres Landes - Mädchen und Jungen zu Dreikönig von Haus zu Haus gehen, den Segen bringen und Spenden für Kinder in Not sammeln." In diesem Jahr sei seine Freude besonders groß, ergänzte der Kanzler: "Dieses Mal freue ich mich ganz besonders darauf, gleich im neuen Jahr Sternsinger aus ganz Deutschland im Bundeskanzleramt begrüßen zu dürfen."

Die Sternsinger-Aktion, bei der rund um den Jahreswechsel bundesweit Zehntausende Kinder und Jugendliche von Tür zu Tür gehen, gilt als die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Die aktuelle 68. Aktion Dreikönigssingen steht unter dem Motto "Schule statt Fabrik - Sternsingen gegen Kinderarbeit". Sie soll zeigen, wie wichtig die Kinderrechte auf Schutz und Bildung sind. Seit dem Start im Jahr 1959 kamen so nach Angaben der Organisatoren 1,4 Milliarden Euro zusammen - für Sozialprojekte in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa. Hinter der Aktion stehen das Kindermissionswerk «Die Sternsinger» und die katholischen Jugendverbände in Deutschland.

Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurden gegen 14:45 Uhr aktualisiert.

Sternsinger

An der Aktion Dreikönigssingen nehmen jedes Jahr bundesweit mehr als 300.000 Sternsinger teil. Es ist die weltweit größte Hilfsinitiative von Kindern für Kinder in Not. Jeweils um das Dreikönigsfest am 6. Januar herum ziehen Mädchen und Jungen als Heilige Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Spenden für ihre Altersgenossen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa.

Sternsinger unterwegs / © Waldemar Manfred Seehagen (shutterstock)
Sternsinger unterwegs / © Waldemar Manfred Seehagen ( shutterstock )
Quelle:
KNA