Acht Monate vor den Landtagswahlen haben die Bischöfe in Sachsen-Anhalt deutlich gemacht, dass die Kirchen beim Einsatz für zentrale Werte keine Abstriche machen werden. "Kirche sollte sich normalerweise nicht in die Tagespolitik einmischen, aber sie muss sich einmischen, wenn es um Grundwerte geht - wie die Menschenwürde, Toleranz und ein friedliches Miteinander", sagte der katholische Bischof Gerhard Feige am Donnerstagabend beim ökumenischen Neujahrsgespräch in Magdeburg. Es sei Aufgabe der Kirche, für Werte einzutreten, auch wenn es unbequem sei. "Das Evangelium ist nicht unpolitisch, auch wenn das manche gern hätten."
Der protestantische mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer ergänzte: "Wenn wir als Kirche eine Aussage machen, dann wird das meist durch eine parteipolitische Brille gedeutet und eingeordnet, dann kommen Vorwürfe wie 'rotgrün-versifft' - uns geht es aber gar nicht um parteipolitische Positionen, sondern um Grundlagen unseres Glaubens, für die wir eintreten." Feige erklärte: "Als Christ ist man nicht auf eine Partei festgelegt. Aber wenn es um die grundsätzlichen Dinge geht, gibt es Grenzen."
Warnen und Brücken bauen
Mit Blick auf den Umgang mit Sympathisanten der AfD sagte Feige: "Wir haben eine doppelte Aufgabe: warnen und Brücken bauen." Es komme darauf an, einerseits über die Positionen der AfD aufzuklären, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, und vor den Folgen zu warnen. Andererseits müsse man mit den Menschen über ihre Sorgen und Ängste im Gespräch bleiben.
Nach Ansicht von Kramer wird eine der Herausforderungen im kommenden Jahr sein: "Wie können wir Vertrauen bei den Menschen wieder stärken?" Vertrauen sei zentral für die konstruktive Weiterentwicklung einer Gesellschaft. Bei der AfD und ihren Anhängern beobachte er hingegen einen permanenten Misstrauensmodus, der nur destruktiv sei.