Die gewaltsame Absetzung Nicolás Maduros durch die USA schadet nach dem Urteil des Moraltheologen Daniel Bogner der internationalen Ordnung. Damit komme "das einzige weltweit implementierte Regelsystem noch weiter unter die Abrissbirne", sagte der im schweizerischen Fribourg lehrende Wissenschaftler am Montag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Das Gewalt- und Interventionsverbot gegenüber anderen Staaten gehöre zum Kernbestand des Völkerrechts und sei "abwägungsfrei", sagte Bogner, zu dessen Fachgebiet Rechtsethik und politische Ethik zählen. Dass die USA dagegen verstießen, müsse man offen thematisieren und dürfe es nicht in eine politische Gesamtbewertung einordnen.
Die USA machten klar: "Es gilt das Recht des Stärkeren, man agiert strikt nach eigener Interessenlage", sagte Bogner. "Das Völkerrecht wird respektiert, wo es den eigenen Interessen nutzt, und es wird gebeugt, wo das eben nicht so ist. Das ist dramatisch und hat nachhaltige Folgen."
US-Regierung lässt "die Maske fallen"
Völkerrechtlich gebe es nur sehr begrenzt die Möglichkeit, das Gewaltverbot der UN-Charta zu umgehen, fügte Bogner hinzu. Die Schwellen hierfür lägen sehr hoch. "Dass eine Regierung eine gemeinwohlfeindliche Politik gegen die eigene Bevölkerung verfolgt oder sich durch Drogenterrorismus finanziert, ist, so schlimm das ist, kein hinreichender Grund."
Bislang hätten die USA sich als Verteidigerin des Völkerrechts präsentiert. "Die Trump-Administration lässt nun mehr und mehr die Maske fallen", sagte Bogner.