Moraltheologe Bogner befürchtet Folgen nach Intervention in Venezuela

Internationale Regeln "unter die Abrissbirne"

Nach der US-Intervention in Venezuela befürchtet der Moraltheologe Daniel Bogner gravierende Folgen für die Grundregeln des Völkerrechts. Der Experte für politische Ethik befürchtet eine Rückkehr zum Recht des Stärkeren.

Polizei und bewaffnete Regierungsanhänger blockieren am 3. Januar 2026 Straßen in Caracas, nachdem US-Präsident Donald Trump bekannt gegeben hatte, dass Präsident Nicolás Maduro gefangen genommen und aus dem Land ausgeflogen wurde. / © Matias Delacroix/AP (dpa)
Polizei und bewaffnete Regierungsanhänger blockieren am 3. Januar 2026 Straßen in Caracas, nachdem US-Präsident Donald Trump bekannt gegeben hatte, dass Präsident Nicolás Maduro gefangen genommen und aus dem Land ausgeflogen wurde. / © Matias Delacroix/AP ( dpa )

Die gewaltsame Absetzung Nicolás Maduros durch die USA schadet nach dem Urteil des Moraltheologen Daniel Bogner der internationalen Ordnung. Damit komme "das einzige weltweit implementierte Regelsystem noch weiter unter die Abrissbirne", sagte der im schweizerischen Fribourg lehrende Wissenschaftler am Montag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Der Moraltheologe Daniel Bogner am 13. Juni 2019. / © Privat (KNA)
Der Moraltheologe Daniel Bogner am 13. Juni 2019. / © Privat ( KNA )

Das Gewalt- und Interventionsverbot gegenüber anderen Staaten gehöre zum Kernbestand des Völkerrechts und sei "abwägungsfrei", sagte Bogner, zu dessen Fachgebiet Rechtsethik und politische Ethik zählen. Dass die USA dagegen verstießen, müsse man offen thematisieren und dürfe es nicht in eine politische Gesamtbewertung einordnen.

Die USA machten klar: "Es gilt das Recht des Stärkeren, man agiert strikt nach eigener Interessenlage", sagte Bogner. "Das Völkerrecht wird respektiert, wo es den eigenen Interessen nutzt, und es wird gebeugt, wo das eben nicht so ist. Das ist dramatisch und hat nachhaltige Folgen."

US-Regierung lässt "die Maske fallen"

Völkerrechtlich gebe es nur sehr begrenzt die Möglichkeit, das Gewaltverbot der UN-Charta zu umgehen, fügte Bogner hinzu. Die Schwellen hierfür lägen sehr hoch. "Dass eine Regierung eine gemeinwohlfeindliche Politik gegen die eigene Bevölkerung verfolgt oder sich durch Drogenterrorismus finanziert, ist, so schlimm das ist, kein hinreichender Grund."

Kriegsangst in Venezuela / © Elizabeth Conley/Houston Chronicle (dpa)
Kriegsangst in Venezuela / © Elizabeth Conley/Houston Chronicle ( dpa )

Bislang hätten die USA sich als Verteidigerin des Völkerrechts präsentiert. "Die Trump-Administration lässt nun mehr und mehr die Maske fallen", sagte Bogner.

Quelle:
KNA