So lief das Heilige Jahr der zwei Päpste ab

Zwischen Tod, Konklave und Millionen Pilgern

Mehr als 30 Millionen Menschen pilgerten 2025 zur Jubiläumswallfahrt nach Rom. Es war ein besonderes Heiliges Jahr, in dem unerwartet sowohl ein Papstbegräbnis als auch ein Konklave stattfanden. Wird es die Kirche nachhaltig prägen.

Autor/in:
Almut Siefert
Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte des Petersdoms im Vatikan zum Auftakt des "Heiligen Jahres" 2025 / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte des Petersdoms im Vatikan zum Auftakt des "Heiligen Jahres" 2025 / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Eigentlich sollte die Jugend und die junge Generation im Fokus dieses Heiligen Jahres 2025 stehen: Am Ende waren es zwei ältere Herren, um die sich alles drehte. 2025 wurde das Heilige Jahr der zwei Päpste. Die Heiligen Pforten der vier Papstbasiliken in Rom, die Papst Franziskus geöffnet hat, werden nun von Papst Leo XIV. wieder geschlossen. Am 6. Januar 2026 wird die Heilige Pforte des Petersdoms bis zum nächsten Heiligen Jahr versperrt.

Die bronzene Tür wird nur zu einem Heiligen Jahr geöffnet, ansonsten ist sie zugemauert. Wer sie durchschreitet, dem ist der Erlass seiner Sündenstrafen im Jenseits versprochen - der vollkommene Ablass. Im Schreiben der Apostolischen Pönitentiarie wird aber betont, dass auch während des Heiligen Jahres alle anderen Voraussetzungen dafür in Kraft bleiben.

Konkret heißt das: Nur "wahrhaft reuige" Gläubige, die "unter Ausschluss jeglicher Neigung zur Sünde und von einem Geist der Nächstenliebe bewegt" während des Heiligen Jahres beichten, die Kommunion empfangen und gemäß den Intentionen des Papstes beten, bekommen den Ablass.

Tradition der Wallfahrt reicht ins Mittelalter zurück

Die Tradition der Jubiläumswallfahrten reicht bis ins Mittelalter zurück. Seit 1450 findet sie - mit wenigen Unterbrechungen - alle 25 Jahre statt. Es gibt aber auch außerordentliche Jubiläen. 2016 hatte Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. 2033 will die katholische Kirche erneut ein Heiliges Jahr begehen, 2.000 Jahre nach der überlieferten Auferstehung von Jesus Christus.

In Rom endet mit 2025 nicht nur das Heilige Jahr der Hoffnung. Es geht auch das Jahr zuneige, in dem die Zeit von Papst Franziskus als Oberhaupt der katholischen Kirche endete. Zur Trauerfeier für den verstorbenen Papst und der anschließenden Überführung des Sarges in die Kirche Santa Maria Maggiore, wo Franziskus die letzte Ruhestätte fand, strömten am 26. April rund 400.000 Menschen.

Beisetzung mit 200.000 jungen Menschen

"Wir dürfen nicht vergessen, dass das Jubiläum der Jugendlichen für diese Tage geplant war", erinnert sich Erzbischof Rino Fisichella, Propräfekt des Dikasteriums für Evangelisierung, in einem Interview mit Radio Vatikan. Fisichellas Dikasterium war für die Organisation und Durchführung des Heiligen Jahres verantwortlich. "Hier in Rom feierten über 200.000 junge Männer und Frauen ihr Jubiläum und wollten - unerwartet, selbst für uns Organisatoren - mit unglaublicher Intensität an der Trauerfeier teilnehmen." Auch das sollte in den Annalen der Geschichte dieses Heiligen Jahres festgehalten werden, findet Fisichella.

Nach dem Tod von Papst Franziskus am 21. April und der Wahl seines Nachfolgers Papst Leo am 8. Mai ging das Heilige Jahr mit dem ursprünglich geplanten Programm weiter. "Ein paar Tage nach seiner Wahl empfing er mich", erzählt Fisichella über den neuen Papst. "Ich habe ihm das gesamte Programm erläutert. Er sagte mir, er akzeptiere alles, was für das Jubiläum geplant war."

Mehr als 30 Millionen Pilger

Rund 32 Millionen Pilger zählte der Vatikan bis Mitte Dezember. Etwa 50.000 Freiwillige halfen ihnen, sich zurecht zu finden. Über das Jahr verteilt gab es in Rom nahezu wöchentlich Veranstaltungen für die unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft. Es gab ein Jubiläum für Arbeiter, eines für Künstler, eines für Unternehmer oder eines für Migranten. Auch die Jugendlichen bekamen ein eigenes Jubiläum, außerdem die Teenager und die katholischen Influencer. Etwas später als geplant wurde im September auch der als "Internetheilige" verehrte Carlo Acutis heiliggesprochen. Er ist damit der erste Heilige aus der Generation der "Millennials".

Mit dem Ende des "Giubileo", wie das Heilige Jahr in Rom genannt wird, endet auch eines der letzten Projekte, die Papst Franziskus noch angefangen hatte. 2026 kann Papst Leo seinen ganz persönlichen Stempel aufdrücken. Es wird erwartet, dass er damit nicht lange wartet und im Januar seine erste Enzyklika veröffentlichen wird.

Heiliges Jahr

Das Heilige Jahr ist ein Jubiläumsjahr in der katholischen Kirche. Es wird regulär alle 25 Jahre begangen. Das Heilige Jahr 2025 steht unter dem Motto "Pilger der Hoffnung". Einen Ablass von Sündenstrafen können Pilger dabei nicht nur bei Wallfahrten an eine der heiligen Stätten des Jubiläums oder eine der vier großen päpstlichen Basiliken in Rom erhalten, sondern auch beim Besuch der Verkündigungskirche in Nazareth, der Geburtskirche in Bethlehem oder der Grabeskirche in Jerusalem.

Pilger gehen durch die Heilige Pforte (2015) / © Cristian Gennari (KNA)
Pilger gehen durch die Heilige Pforte (2015) / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
epd