Neues Buch zur Kurienreform im Vatikan

Auf 300 Seiten Reformgeschichte

Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der neuen Kurienordnung geht das Buch "Kurienreform" der Historie der Reform auf den Grund. Auf 300 Seiten versucht Johannes Schidelko das Mammutprojekt verstehbar und durchschaubar zu machen.

Konsistoriums mit Papst Franziskus am 27. August 2022 im Petersdom im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Konsistoriums mit Papst Franziskus am 27. August 2022 im Petersdom im Vatikan / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Das Buch "Kurienreform" ist am Mittwoch im Bonifatius-Verlag erschienen. Der langjährige Rom-Korrespondent der Katholischen Nachrichten-Agentur Johannes Schidelko hat es geschrieben. Auf 300 Seiten schildert er Vorgeschichte und Umsetzung dieses bislang umfangreichsten Reformprojekts der katholischen Kirche im 21. Jahrhundert.

Kirche reibungsloser und effizienter gestalten

Als die Kardinäle in Rom im März 2013 nach dem Rücktritt Benedikts XVI. über das Anforderungsprofil für den nächsten Papst debattierten, fiel immer wieder ein Wort: Kurienreform. Nach einer Reihe von Skandalen und Pannen war der Wunsch groß, die Zentralverwaltung der katholischen Kirche reibungsloser und effizienter zu gestalten. Papst Franziskus machte sich diesen Wunsch der Kardinäle zu eigen.

Neun Jahre danach, zu Pfingsten 2022, trat die von ihm verfügte neue Kurienordnung in Kraft. Seither werden im Vatikan Türschilder ausgetauscht, Posten neu besetzt und Behörden fusioniert. Es wird noch Monate dauern, bis das, was der Papst in der Apostolischen Konstitution "Praedicate Evangelium" angeordnet hat, wirklich umgesetzt ist.

Vatikan-Kenner erklärt den Vatikan

Der Autor, der zu den erfahrensten deutschsprachigen Vatikan-Kennern gehört, führt seine Leser durch alle neuen Behörden der Kurie, insbesondere durch die 16 "Dikasterien". Sie bilden das Herzstück der reformierten weltkirchlichen Zentralverwaltung in Rom. Aber auch das Staatssekretariat, die Gerichtshöfe, das Synodensekretariat, die Regierung des Zwergstaats Vatikan und andere Vatikan-Institutionen werden in ihrer heutigen Gestalt und Aufgabenstellung erläutert.

Immer wieder geht es auch um die Frage, in welchem Geist und in welcher Grundeinstellung die vom Papst neu konzipierten Behörden künftig arbeiten werden. Schidelko erzählt, warum und wie diese Behörden wurden, was sie heute sind. Vor allem die Kapitel über den Kommunikationsbereich und über die "Wirtschaftlichen Organe" des Heiligen Stuhls benennen ungeschönt jene Unzulänglichkeiten, die sich auch in den neuen Strukturen keineswegs in Luft auflösen. Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis und ein Organigramm machen das Buch zum leicht nutzbaren Nachschlagwerk.

Kardinalsrat und Kurienreform

Wann die neue Konstitution mit dem Titel "Preadicate evangelium" (Verkündet das Evangelium) veröffentlicht wird, ist noch unklar. Das Dokument soll die aktuelle Kurienverfassung von 1988 ablösen.
Nach jahrelangen Beratungen hatten Papst Franziskus und die Mitglieder seines Kardinalsrates im April 2019 ihren Textentwurf fertig gestellt. Der Vatikan schickte ihn an alle nationalen Bischofskonferenzen, die Chefs der Kurienbehörden, die Ordensoberen sowie ausgesuchte weitere kirchliche Einrichtungen mit der Bitte um Stellungnahme. (KNA/Herder Korrespondenz/DR)

Hände von Kardinälen / © Katharina Ebel (KNA)
Hände von Kardinälen / © Katharina Ebel ( KNA )
Quelle:
KNA