Expertin sieht Iran-Proteste nicht gegen Islam gerichtet

"Einsatz für Grundrechte"

Die Proteste im Iran richten sich nach den Worten der Frauenrechtlerin Düzen Tekkal nicht gegen den Islam. Es handele sich vielmehr um den Einsatz für Frauen- und Grundrechte sowie Selbstbestimmung, sagte Tekkal der "Welt".

Protest gegen den Tod von Mahasa Amini im Iran / © Uncredited/AP/ (dpa)
Protest gegen den Tod von Mahasa Amini im Iran / © Uncredited/AP/ ( dpa )

"Deswegen sind auch so viele Männer dabei." Die Leute, die jetzt auf die Straße gingen, seien Muslime. Menschen, die das Unrechtsregime kritisierten, Islamfeindlichkeit vorzuwerfen, sei "Teil des Problems unserer europäischen Antworten in den letzten Jahrzehnten".

Dimension der Furchtlosigkeit

Die Proteste hätten eine neue Dimension: eine Furchtlosigkeit, die sich durch alle Bevölkerungsgruppen ziehe. Der "Duft nach Freiheit" werde vehementer, so Tekkal. Was sie selbst als sehr positiv empfinde, sei eine Verbindung von Kurdinnen, Iranerinnen, Afghaninnen und Religionsgruppen. Zum ersten Mal formiere sich ein gemeinsamer Widerstand über den Iran hinaus gegen ähnliche Machtstrukturen in anderen Staaten. Neu sei auch, dass sich bei den Protesten Männer hinter Frauen stellten.

An die Adresse der Politik in Deutschland und anderen westlichen Ländern sagte Tekkal, es könne nur der Beginn sein, ein Regime anzuklagen. "Wenn wir im nächsten Schritt aber nichts ändern und so weitermachen wie bisher, legitimieren wir dieses."

Irans Revolutionsgarden

Die iranische Verfassung sieht zum Schutz der Islamischen Revolution gegen Feinde ‎von außen und innen schlagkräftige paramilitärische Einheiten vor. Die Revolutionsgarden («Sepah’e ‎Pasdaran» oder informell auch «Sepah» - abgekürzt IRGC) bilden neben der regulären Armee («Artesh») die zweite ‎Säule der iranischen Streitkräfte. Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden ist der oberste Führer ‎Ajatollah Ali Chamenei, nach der Verfassung das iranische Staatsoberhaupt.‎

Iranische Nationalflagge / © Alexander Zemlianichenko (dpa)
Iranische Nationalflagge / © Alexander Zemlianichenko ( dpa )
Quelle:
KNA