Schulbeginn in Bad Münstereifel nach dem Hochwasser

"Wir brauchen nichts mehr als Normalität"

Einen Monat nach der Flut ist in Bad Münstereifel noch lange nicht an Normalität zu denken. Trotzdem geht an diesem Mittwoch die Schule wieder los. Eindrücke aus dem erzbischöflichen St.-Angela-Gymnasium.

St.-Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel / © Alexander Foxius (DR)
St.-Angela-Gymnasium in Bad Münstereifel / © Alexander Foxius ( DR )

Anstrengende Wochen liegen hinter Schulleiter Bernhard Helfer und der stellvertretenden Schulleiterin Carolin Neswadba. Eigentlich war Dienstag der letzte Ferientag. Mittwoch sollten die knapp 800 Schülerinnen und Schüler des Erzbischöflichen St.-Angela-Gymnasiums in Bad Münstereifel in den Unterricht zurückkehren. Doch daran ist derzeit noch nicht zu denken. Das Hochwasser hat die Stadt und die Schule hart getroffen und schwere Zerstörungen verursacht.

An den 15. Juli kann sich Schulleiter Helfer noch sehr gut erinnern. Als er von den Überflutungen hörte, ist er sofort zur Schule geeilt: "Es war eine Kraterlandschaft. Die Erft rauschte noch auf der Fläche des Schulhofes. Etliche Scheiben und Türen waren zerstört." Helfer kletterte in die Schule, im Inneren bot sich ihm ein Bild des Schreckes. Das Wasser hatte das gesamte Erdgeschoss überflutet, die Kellerräume standen komplett unter Wasser. In ihnen die Heizungsanlage, Server, das Archiv.

Vier Wochen später

Das überflutete Lehrerzimmer, die Klassenräume, die Bibliothek, die Aula und die Mensa im Erdgeschoss sind inzwischen leergeräumt, der Schutt nicht mehr auf dem Schulgelände – dank der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk und Dank vieler ehrenamtlich Helfender, die ab der ersten Stunde vor Ort waren. "Ich weiß gar nicht, wem wir da alles danken dürfen. Die haben alle ganz großartiges geleistet", zeigt sich Schulleiter Helfer dankbar.

Zwischen Schulgebäude und Erft liegt die Schulkapelle. Ein Neubau, der von der Form her einem Schiff ähnelt. Die Architektur des Gebäudes kam der Kapelle bei der Flut zu Gute. Die Zerstörungen hielten sich hier in Grenzen, die Kapelle ist nutzbar. An einer Wand finden sich kleine Zettel. Hier hatten vor den Sommerferien Schülerinnen und Schüler ihre Sorgen und Nöte rund um die Coronapandemie niedergeschrieben. Sorgen und Nöte, die nach der Flut sicherlich nicht weniger geworden sind.

Der Wunsch nach Normalität

Auch Schulleitung und Kollegium sind sich der Herausforderung des neuen Schuljahres bewusst. "Die Schülerinnen und Schüler brauchen jetzt nichts mehr als Normalität. Ein bisschen heile Welt zu vermitteln, da sehen wir unsere vornehmliche Aufgabe in den nächsten Wochen drin“, verrät Helfer. Zum Schulstart werden erstmal nur die fünften Klassen die Schule wieder in Präsenz besuchen. Das St.-Angela-Gymnasium kann dafür die Räumlichkeiten der Bad Münstereifler Realschule nutzen. Die weiteren Stufen sollen dann zurückkehren, wenn es die bauliche Situation am Gymnasium zulässt und Container auf dem Schulhof errichtet wurden können. Einmal pro Woche soll sich die Schulseelsorgerin der Fünftklässler annehmen, um sich um die seelischen Bedürfnisse der Kinder zu kümmern. Auch das Kollegium ist für das Thema sensibilisiert.

Für Schulleiter Bernhard Helfer und die stellvertretende Schulleiterin Carolin Neswadba wird das Schulljahr 2021/22 besonders herausfordernd - und dennoch blicken sie optimistisch auf die Rückkehr der Schülerinnen und Schüler. "Letztlich ist es das wofür wir angetreten sind und was wir können. Die Kinder brauchen ein schulisches Zuhause."

Alexander Foxius


Bernhard Helfer / © Alexander Foxius (DR)
Bernhard Helfer / © Alexander Foxius ( DR )
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DR