Kirche war laut Ruppert "ein wenig still" in der Corona-Krise

"Mehr Mut zur theologischen Botschaft"

Die Kirche ist nach Ansicht des scheidenden religionspolitischen Sprechers der FDP-Bundestagsfraktion, Stefan Ruppert, in der Corona-Krise "ein wenig still" gewesen. Kritisch hat er sich noch zu einer anderen Entwicklung geäußert.

Zu schnell klein beigegeben? Online-Gottesdienste ersetzen Besuch der Heiligen Messe. / © Corinne Simon (KNA)
Zu schnell klein beigegeben? Online-Gottesdienste ersetzen Besuch der Heiligen Messe. / © Corinne Simon ( KNA )

Ruppert sagte am Montagabend in einer von der Friedrich-Naumann-Stiftung organisierten Video-Diskussion, die Kirche müsste sich mehr "auf ihr Kerngeschäft, nämlich die theologische Begründung von Positionen" konzentrieren. Das tue sie zwar vielfach auch. "Aber sie war vielleicht ein wenig still im Moment der Krise der letzten Wochen", sagte Ruppert.

Wenig Protest

Es sei zwar verständlich, dass die Kirche am Anfang der Corona-Pandemie in der "akuten" Situation relativ schnell bereit gewesen sei, Einschränkungen des Grundrechts der Religionsfreiheit hinzunehmen. Dann aber hätte es noch stärker "ein Nachdenken" geben müssen, "wie man mit so einer Situation umgeht". Das Christentum sei wie alle Religionen auf Gemeinschaftserlebnisse angewiesen und werde deshalb durch die Corona-Krise "besonders empfindlich getroffen".

Einige Gemeinden hätten zwar Instrumente gefunden, damit umzugehen, etwa Online-Gottesdienste, mehr Telefonate oder handschriftliche Briefe. "Aber in der öffentlichen Debatte war es etwas still", sagte Ruppert.

Politisch stark, theologisch dünn?

Er wünsche sich von der Kirche "mehr Mut zur theologischen Botschaft, die nicht zuerst politische Botschaft ist", sagte der scheidende Religionsexperte der FDP. Äußerungen der Kirchen beispielsweise zum Tempolimit seien unter diesem Aspekt eher verzichtbar. Er wolle nicht die Kirchen "anklagen", weil sie insgesamt einen sehr positiven Beitrag für die Gesellschaft leisteten, unterstrich er.

Sie hätten sich aber "bisweilen selbst ein bisschen theologisch entkernt und vermehrt auf das politische Feld begeben, teilweise sogar mit einseitiger politischer Schlagseite", kritisierte Ruppert.

Das Thema der Diskussionsveranstaltung lautete: "Das Kreuz mit Corona - Die Bedeutung von Religionen in Krisenzeiten."

Ruppert (48), Bundestagsabgeordneter des Hochtaunuskreises, hatte bereits angekündigt, dass er mit Ablauf des 27. April aus dem Bundestag ausscheidet. Die Video-Diskussion absolvierte er damit in den letzten Stunden seines Mandats. Ruppert, der auch Vorsitzender der hessischen FDP ist, hatte zudem angekündigt, dass er auch noch seine Position als Landesvorsitzender niederlegen wird. Er wechselt in die Wirtschaft.


Stefan Ruppert / © Bernd von Jutrczenka (dpa)
Stefan Ruppert / © Bernd von Jutrczenka ( dpa )
Quelle:
KNA