Vulnerabilität

 (DR)

Vulnerabilität - "Verwundbarkeit" oder "Verletzbarkeit" - wird seit einigen Jahren in verschiedenen wissenschaftlichen Fachrichtungen als systematische Kategorie verwendet. Disziplinen wie Ökonomie und Geografie ebenso wie Medizin, Soziologie, Psychologie, Theologie, Ökologie und Informatik untersuchen auf unterschiedliche Weise leicht verletzbare Regionen, Personen, Systeme, Gruppen.

In der christlichen Theologie gründet das Konzept der Vulnerabilität auf der Tatsache, dass der allmächtige Gott in Jesus von Nazareth ein verwundbarer Mensch wurde: von seiner Geburt als schutzloser Säugling in einer Krippe bis zum Foltertod am Kreuz. Aus diesem Wagnis Gottes, sich freiwillig verwundbar zu machen, so ein Gedanke, erwächst eine andere Art von Macht, die Leben stiftet, befreit und beflügelt.

Da menschliches Leben und Gemeinschaften sich gleichzeitig gegen Verletzungen schützen müssen, braucht es beides, Verwundbarkeit und Selbstschutz. Wo gilt es, sich selbst und die eigene Gemeinschaft zu schützen? Wo ist es notwendig, eigene Verwundung zu riskieren? Die Probleme, die dabei untersucht werden, reichen von Missbrauch zu Migration, freiheitlichen Gesellschaften und Terror, körperlichen und geistigen Behinderungen oder interkulturellen Begegnungen.

In der deutschsprachigen Theologie widmet sich aktuell vor allem die Würzburger Theologin Hildegund Keul dem Thema. Derzeit leitet sie unter anderem ein theologisches DFG-Forschungsprojekt zur Vulnerabilität. (Quelle: KNA)