Das Konzilsdokument "Über die Kirche in der Welt von heute" ist das umfangreichste der Konziliengeschichte. Als "Pastoralkonstitution" stellt "Gaudium et spes" (Freude und Hoffnung) zudem einen neuen Typus dar. Das war einer der Gründe dafür, dass das Dokument bei der Schlussabstimmung des Konzils am 7. Dezember 1965 zwar 2.309 Ja-Stimmen erhielt, aber mit 75 die höchste Zahl an Gegenstimmen im Vergleich zu den anderen Konzilsdokumenten.
Der Beginn des Dokuments zählt zu den meistzitierten Passagen des Konzils: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi." Das ursprünglich gar nicht vorgesehene Dokument geht auf einen Wunsch von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) zurück und ist zugleich eine Frucht der Dynamik des Konzils. Es richtet sich nicht nur an Katholiken, sondern an alle Menschen und ist Ausdruck des vom Konzilspapst geforderten "Aggiornamento" (Verheutigung).
"Zeichen der Zeit" deuten
"Gaudium et spes" vollzieht eine dialogische Öffnung zur Moderne, der die Kirche bis dahin defensiv gegenüberstand. Deutlich wird das im Verzicht auf die Wiederholung von Verurteilungen der "Irrtümer der Zeit". Demgegenüber wollte die Kirche die "Zeichen der Zeit" im Licht des Evangeliums deuten, um daraus den Willen Gottes zu erkennen.
Themen sind Ehe und Familie, Kultur, Wirtschaft, Politik sowie Frieden und Völkergemeinschaft. Immer folgen nach einer Situationsbeschreibung eine Beurteilung aus dem Glauben sowie eine Darstellung der Aufgaben und Möglichkeiten der Kirche im jeweiligen Bereich. In der Konstitution spricht eine dienende und begleitende statt einer belehrenden Kirche. Sie weiß sich verbunden mit der "Menschheitsfamilie" und ihrer Geschichte – und benennt auch ihre eigene Schuldgeschichte. Viel diskutiert war der Abschnitt über die Gewissensfreiheit als oberster Norm ethischen Handelns.
Das Dokument dupliziert nicht bestehende Menschenrechtskataloge. Vielmehr geht es um den Einsatz der Kirche für die Menschenrechte im konkreten Blick auf die vielfältigen Verletzungen, sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten bis hin zu einer absoluten Ächtung des Krieges.
Quelle: KNA