Der Fall Peter H. - Ein Priester als mehrfacher Missbrauchstäter

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Mit dem Essener Diözesanpriester Peter H. verbindet sich einer der brisantesten Missbrauchsfälle der katholischen Kirche in Deutschland. Seit 2010 macht er immer wieder weltweit Schlagzeilen. Der Geistliche verging sich an Minderjährigen an mindestens vier Orten in Nordrhein-Westfalen und Oberbayern. Bisher haben sich rund 30 Betroffene gemeldet.

Als Verantwortungsträger verwickelt sind der emeritierte Papst Benedikt XVI., die Münchner Kardinäle Friedrich Wetter und Reinhard Marx sowie der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und einer seiner Vorgänger, Kardinal Franz Hengsbach. Das für den heutigen Donnerstag angekündigte neue Missbrauchsgutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) für das Erzbistum München und Freising widmet allein Peter H. rund 350 Seiten.

Kirche verzichtete auf Anzeige und eigenes Strafverfahren

Der Mann kam, bereits durch Übergriffe auffällig geworden, Anfang 1980 nach München und sollte sich dort einer Therapie unterziehen. Auf eine Anzeige und oder ein eigenes Strafverfahren verzichtete die Kirche. Benedikt XVI., als Joseph Ratzinger damals Erzbischof in München, bestreitet bis heute, damals von H.s Vorgeschichte gewusst zu haben.

Kurz nach seiner Übersiedlung arbeitete H. wieder als Seelsorger, zunächst in München, von 1982 bis 1985 in Grafing, 1987 bis 2008 in Garching an der Alz, danach bis 2010 als Kurseelsorger in Bad Tölz.

1986 verurteilte ihn das Amtsgericht Ebersberg nach einem Geständnis zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 4.000 D-Mark. Der Gerichtsgutachter und H.s Therapeut waren sich einig, dass der Priester nicht mehr mit Kindern arbeiten dürfe. Dennoch wurde er abermals mit Gemeindeseelsorge beauftragt.

Auch kircheninterne Kritik

Erst nach neuerlichen Vorwürfen zog ihn Bischof Overbeck am 11. März 2010 aus dem Verkehr. 2020 kehrte H. ins Bistum Essen zurück, wo er heute zurückgezogen und unter Aufsicht lebt.

Ein kirchenrechtliches Strafverfahren in München endete im Mai 2016. Sein Berufsverbot wurde bestätigt, der Titel Pfarrer entzogen. Außerdem musste H. drei Monatsgehälter an eine Stiftung zahlen. Aus dem Klerikerstand wurde er nicht entlassen. Das Dekret stieß auch kirchenintern auf Kritik. (kna)