Anbetung

Eucharistische Anbetung / © Corinne Simon (KNA)
Eucharistische Anbetung / © Corinne Simon ( KNA )

Anbetung bezeichnet im religiösen Sinn die betende Verehrung Gottes. Sie geschieht im Gottesdienst oder im persönlichen Gebet und ist je nach Religion und Frömmigkeitspraxis mit bestimmten Körperhaltungen verbunden: knien, verbeugen, Hände emporheben oder falten. Mit der Anbetung (lateinisch adoratio) danken und loben die Gläubigen Gott als Urheber der Schöpfung und des Heiles.

Religionen kennen heilige Orte und Objekte, die ihnen als Manifestationen göttlicher Wirklichkeit gelten. Diese zu sehen oder zu berühren, kann ebenfalls eine Form der Anbetung sein. Das Werk menschlicher Hände oder das Bild anderer Götter anzubeten, gilt dagegen als Götzendienst. Katholiken beten zu Maria oder zu einem Heiligen, angebetet wird dagegen Gott allein.

In der katholischen Tradition steht Anbetung in engem Zusammenhang mit der eucharistischen Frömmigkeit. Katholiken bekennen, dass bei jeder Messe Brot in Gestalt kleiner Hostien so gewandelt wird, dass Jesus in ihnen dauerhaft anwesend bleibt. Deswegen werden nach dem Kommunionempfang übrig gebliebene Hostien in einem kostbaren Schränkchen verschlossen aufbewahrt, dem Tabernakel.

Im Mittelalter entstand eine ausgeprägte Schaufrömmigkeit. Der bloße Anblick der gewandelten Hostie in der Messe galt als heilkräftig.

Daraus entwickelten sich Prozessionen, in denen das "Allerheiligste" in einem durchsichtigen Gefäß, der Monstranz, mitgetragen wurde. In Notzeiten entstanden Buß- und Bittgänge, bei Feuersbrünsten oder Hochwasser wurden Hostien in die Flammen oder ins Hochwasser geworfen, um Unheil abzuwenden. Der eucharistische Kult verlagerte sich immer mehr aus der Messfeier heraus. Daran und an als magisch missverstandenen Praktiken entzündete sich theologische Kritik.

Die wichtigsten bis heute praktizierten Formen eucharistischer Frömmigkeit sind die Fronleichnamsprozession und die sogenannte Ewige Anbetung. Dabei handelt es sich um ein bis zu vierzigstündiges Gebetsfasten in Erinnerung an die Grabesruhe Christi. In einer Kapelle oder Kirche wird in einer Monstranz eine gewandelte Hostie "ausgesetzt". Beter übernehmen abwechselnd Schichten, die Gebetszeiten sind meist schlicht gestaltet.

Auf "eucharistischen Kongressen" wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach zeitgenössischen Formen katholischer Frömmigkeit gesucht. Ausgehend von den Weltjugendtagen gründete sich vor einigen Jahren die Jugendinitiative "Nightfever". Sie aktualisiert diese Andachtspraxis mit offenen Gebetsabenden in zentral gelegenen Kirchen, zu denen sie auch Passanten einlädt.

(KNA, 13.11.2019)