"Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott." Der berühmte Beginn des Johannesevangeliums ist das Sonntagevangelium im Pontifikalamt am zweiten Sonntag nach Weihnachten im Kölner Dom, das DOMRADIO.DE überträgt.
Zelebrant an diesem Sonntag ist Weihbischof Rolf Steinhäuser. Jesus wird im Evangelium als "Logos", also als "Wort" beschrieben:
Aus dem hl. Evangelium nach Johannes Joh 1, 1–18
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
Auslegung zum Sonntagsevangelium von Ludger Schenke
Der Logos ist der sich offenbar machende Gott. Daran schließt nun die Schöpfungsaussage folgerichtig an, denn die Schöpfung ist die erste Äußerung Gottes, insofern er darin etwas ins Leben ruft, das ganz von ihm abhängig und doch nicht er selbst ist. Darum ist die Schöpfung notwendigerweise das Werk des Logos. So ist das durch ihn zu verstehen: Nicht Gott schafft, und der Logos steht ihm dabei hilfreich zur Seite (vgl. Spr 8, 27 ff.), sondern einzig durch ihn schafft Gott, so dass „ohne ihn auch nicht eines“ ward.
Die vom Logos ins Dasein Gerufenen empfingen aber das Leben nicht als etwas, das ihnen von da an zu eigen war, sondern als seine ständige Gabe. Nur in ihm sind die Geschöpfe Leben, und so ist das Leben, das sie nicht zu eigen haben und über das sie nicht verfügen, für die Menschen das Licht. Es beleuchtet ihnen ihre Existenz: Sie sind lebendige Wesen und verdanken doch ihr Leben nicht sich selbst und können nicht dafür aufkommen. Sie müssen sich als Geschöpfe verstehen, die vom Logos ins Sein gerufen wurden. Ihr begrenztes Dasein weist von sich aus auf die Lebensfülle des Schöpfers, aus der es stammt.
Ist der Schöpfer-Logos Inhaber und Spender des Lebens, dann ist im eigentlichen Sinne er das Licht. In Wahrheit erleuchtet er des Menschen Existenz, solange er ihm als Schöpfer das Leben schenkt. Folgerichtig mündet die bisherige Aussage ein in den Satz 1, 5, dessen Präsens „das Licht scheint“ die ständige, niemals zurückgenommene Offenbarung Gottes durch den Logos zum Ausdruck bringt. Indem er schafft und Leben schenkt, macht er Gott offenbar.
Ludger Schenke (* 1940), Johannes-Kommentar, elektronische Neuauflage 2014, (http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hebis:77-36345), 21, © beim Autor