Zyperns Präsident dankt Papst für Aufnahme von 50 Migranten

Reformbedürftige EU-Einwanderungspolitik

Zyperns Staatspräsident Nikos Anastasiadis hat sich bei Papst Franziskus für die geplante Mitnahme von 50 Migranten nach Italien bedankt. Bei einem Treffen von Vertretern der Regierung und der Kirche kritisierte der Präsident die EU-Migrationspolitik.

Nicos Anastasiades (l), Präsident von Zypern, schüttelt Papst Franziskus die Hand  / © Petros Karadjias (dpa)
Nicos Anastasiades (l), Präsident von Zypern, schüttelt Papst Franziskus die Hand / © Petros Karadjias ( dpa )

Diese symbolische Geste sei in erster Linie ein starkes Signal, dass die EU-Einwanderungspolitik dringend überarbeitet werden müsse, sagte der zypriotische Staatspräsident Nikos Anastasiadis am Donnerstagabend bei einem Treffen von Papst Franziskus mit Vertretern von Regierung, Zivilgesellschaft und Diplomatischem Korps. Einerseits müssten die Lasten gerechter verteilt werden; andererseits hätten die Einwanderer eine menschlichere Behandlung verdient.

Zypern Zielland von Geflüchteten

Weiter führte Anastasiadis aus, dass Zypern zum ersten Zielland von Flüchtlingen geworden sei - nicht nur relativ zur Bevölkerung, sondern auch mit Blick auf illegale Einwanderer. Hier stoße der kleine Inselstaat auf unzählige Herausforderungen und Probleme. Dabei leide Zypern selbst unter großen Schwierigkeiten. Dazu zähle die Teilung der Insel und Besetzung des Nordens durch die Türkei, die ungelöste Frage vermisster Personen, die Notlage von Angehörigen, aber auch die Plünderung kultureller und religiöser Denkmäler im besetzen Teil der Insel.

Migranten nach Rom bringen

Bereits vor Beginn der Reise nach Zypern und Griechenland, darunter auch die Flüchtlingsinsel Lesbos, war öffentlich geworden, dass Papst Franziskus Migranten mit nach Italien nehmen will. Bei seiner Reise nach Lesbos 2016 hatte er bereits Migranten aus den dortigen Lagern nach Italien gebracht. Einige davon hatte er am Donnerstag vor Reisebeginn im Vatikan getroffen.

Jahrzehnte währender Konflikt

Die 1960 von Großbritannien unabhängig gewordene Republik Zypern ist seit 1974 geteilt. Nach jahrelangen, teils gewaltsamen Spannungen zwischen griechischen und türkischen Zyprern und einem Putsch durch die griechische Nationalgarde hatten türkische Truppen den Norden der Insel besetzt. Dort wurde im November 1983 die international nicht anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" proklamiert; sie bildet heute ein stabilisiertes De-facto-Regime. Das zyprische Nikosia ist heute die letzte geteilte Hauptstadt Europas.

Dialog als Weg zur Versöhnung

Franziskus rief die Bewohner der geteilten Insel eindringlich zum Dialog auf. Das sei kein leichter Weg, "lang und kurvenreich"; aber es gebe "keine Alternative, um Versöhnung zu erreichen", sagte er vor den Vertretern von Regierung, Zivilgesellschaft und Diplomaten.

Am Flughafen von Larnaka war Franziskus am Nachmittag von der Präsidentin des zyprischen Repräsentantenhauses, Annita Demetriou, offiziell in Empfang genommen worden. Zudem erwarteten ihn zahlreiche Kirchenvertreter. Der Aufenthalt auf Zypern ist Teil einer fünftägigen Reise, die den Papst auch nach Athen und am Sonntag auf die griechische Flüchtlingsinsel Lesbos führt. Am Donnerstagabend fuhr Franziskus in die päpstliche Nuntiatur in Nikosia, wo er auch übernachtet.

Einen Paukenschlag von Franziskus gab es am Mittag quasi aus der Luft. Während seines Fluges nach Zypern teilte der Vatikan mit, dass der Papst den vorzeitigen Amtsverzicht des Pariser Erzbischofs Michel Aupetit angenommen habe. Dieser hatte nach Gerüchten über sein Privatleben und Berichten über Streit im Erzbistum erst kurz zuvor seinen Rückzug angeboten.

Geduld in der Kirche

Kurz darauf rief der Papst bei seiner ersten Ansprache auf Zypern zu mehr Geduld in der Kirche auf. "Eine Kirche, die sich von Veränderungen nicht erschüttern und stören lässt, sondern das Neue gelassen aufnimmt und Gegebenheiten im Licht des Evangeliums abwägt", sei sein Wunsch, so der 84-Jährige bei einem Treffen mit Kirchenvertretern in Nikosia.

Geduld bedeute zugleich, ein Ohr und Herz zu haben für unterschiedliche Glaubensformen und Kulturen. "Die Kirche will bitte nicht vereinheitlichen, sondern mit mütterlicher Geduld integrieren", so Franziskus' Appell. Das sei auch Ziel der von ihm ausgerufenen Weltsynode bis 2023.

Quelle:
KNA