Zweite Missbrauchsstudie für das Bistum Würzburg beauftragt

Strukturen identifizieren

Der Wiesbadener Rechtsanwalt Hendrik Schneider soll zusammen mit einem Team ein weiteres Missbrauchsgutachten für die Diözese Würzburg erstellen. Neben einer umfassenden Aufklärung steht der Umgang mit Tätern und Betroffenen im Fokus.

Blick auf Würzburg mit dem Dom in der Mitte / © Y. Pieper (shutterstock)
Blick auf Würzburg mit dem Dom in der Mitte / © Y. Pieper ( shutterstock )

Untersucht werden soll der Zeitraum zwischen 1945 und 2019, wie die Unabhängige Aufarbeitungskommission am Dienstagabend mitteilte. Ziel seien die Bestandsaufnahme und umfassende Aufklärung der Fälle. Außerdem solle untersucht werden, wie die Diözese mit Tätern und Betroffenen umgegangen sei. Es gehe darum, Strukturen zu identifizieren, die sexuellen Missbrauch ermöglicht, erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert hätten.

Außerdem will die Kommission das Dunkelfeld bisher nicht gemeldeter Taten aufhellen. Dazu werde ab dem ersten Quartal 2023 ein Hinweisgebersystem geschaffen, das die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen wahre. Zudem könnten diese auch persönliche Gespräche mit dem Gutachter führen. Dieser sei ein renommierter Rechtsanwalt und früherer Ordinarius mit ausgewiesener Expertise und Erfahrung im Bereich des Strafrechts, der Kriminologie, der Viktimologie und der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Verfehlungen in Organisationen und Betrieben. Bis wann die Arbeit abgeschlossen sein wird, teilte die Aufarbeitungskommission nicht mit.

Von Aufarbeitungskommission angestoßenen

Bereits im September vergangenen Jahres hatten das Bistum und die Universität Würzburg einen Vertrag über ein Gutachten unterzeichnet. In den kommenden fünf Jahren soll der Missbrauch an Minderjährigen und anderen Schutzbefohlenen demnach untersucht werden. Leiten wird das Projekt der Kirchenhistoriker Dominik Burkard. Ziel hier sei, nicht nur Missbrauchsfälle zu dokumentieren und Strukturen zu identifizieren, die Missbrauch ermöglichten oder halfen, ihn zu verschleiern, sondern Missbrauchstaten und kirchliches Agieren in den jeweiligen zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext einzuordnen, hieß es bei Vertragsunterzeichnung.

Den Vertrag zur nun von der Aufarbeitungskommission angestoßenen Untersuchung hat der Mitteilung zufolge Würzburgs Bischof Franz Jung unterzeichnet. Die Rolle des Auftraggebers habe er jedoch vollumfänglich an das Gremium übertragen. Dieses habe zuvor eigenverantwortlich und ohne jegliche Einflussnahme der Diözese die Grundlagen und Aufgaben des Sachverständigengutachtens sowie die Fragen an den Sachverständigen in enger Abstimmung mit den Mitgliedern des Betroffenenbeirats festgelegt.

Staat muss Aufarbeitung von Missbrauch in Kirche übernehmen

Die SPD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag will bei der Missbrauchsaufarbeitung der Kirche den Staat stärker in die Pflicht nehmen. "Die Verantwortlichen in der Kirche haben es aus eigener Kraft nicht geschafft, die Missbrauchsfälle in ihren Reihen so aufzuklären, wie es aus Sicht der Opfer und der Öffentlichkeit angemessen gewesen wäre", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Antrag, der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt. "Deshalb muss der Staat im Sinne seines partnerschaftlichen Verhältnisses zur Kirche diese Verantwortung jetzt übernehmen."

Symbolbild Missbrauch / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Missbrauch / © Harald Oppitz ( KNA )

Quelle:
KNA