Zwei Millionen tote Mädchen in Indien durch Diskriminierung

Stammhalter bevorzugt

Abgetrieben, ermordet, vernachlässigt: In Indien sterben laut SOS-Kinderdörfer jedes Jahr zwei Millionen Mädchen. Die moderne Pränataldiagnostik habe die Zahl der Abtreibungen sogar noch erhöht.

Auch Deutschland hält am Verbot der Leihmutterschaft fest. / © Felix Heyder (dpa)
Auch Deutschland hält am Verbot der Leihmutterschaft fest. / © Felix Heyder ( dpa )

"Weibliche Föten werden gezielt abgetrieben, Mädchen als Babys getötet oder so schlecht versorgt, dass sie nicht überleben", so die Asien-Leiterin der Organisation, Shubha Murthi. So fehlten dem Land 63 Millionen Frauen für ein ausgeglichene Geschlechterverhältnis.

"Frauen werden von vielen Indern quer durch alle Bevölkerungsschichten als minderwertig betrachtet", sagte Murthi. "Brutale Diskriminierung" sei in der Kultur und Religion verankert: "Söhne sind die Stammhalter, Mädchen erfordern eine hohe Mitgift."

"Bruch mit der Tradition"

Die moderne Pränataldiagnostik habe die Zahl der Abtreibungen sogar noch erhöht, sagt Murthi. Trotz entsprechender Verbote ließen viele Eltern bereits vor der Geburt das Geschlecht des Babys ermitteln - und treiben ab, wenn es ein Mädchen ist. Es brauche ein Umdenken und einen "Bruch mit der Tradition".

Der Mangel an Frauen bringt laut SOS-Kinderdörfer in einigen Regionen Indiens absurde Folgen hervor. Männer fänden dort häufig keine Ehefrauen mehr, der Verkauf von Bräuten von ärmeren in reichere Regionen Indiens oder aus den Nachbarländern sei bereits ernstes Problem, so Murthi. Nach der Heirat schufteten ihre Töchter für die Familie des Mannes auf den Feldern und im Haushalt und seien jeglicher Rechte beraubt. Das sei "moderne Sklaverei". SOS-Kinderdörfer fördert nach eigenen Angaben Mädchen weltweit, unterstützt sie in ihrer Entwicklung mit Schul- und Ausbildung.

Quelle:
KNA
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