Bistum Rom macht Kirchenschließungen rückgängig

Zutrittsverbot stieß auf Unverständnis

Ausgerechnet zum siebten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus wollte das Bistum Rom die Kirchen schließen. Das diene in der Corona-Krise dem Gemeinwohl, so die Begründung. Doch am Ende wurde die Regelung kassiert.

Fassade der Kirche Santa Maria Della Vittoria in Rom / © Beton.7 (shutterstock)
Fassade der Kirche Santa Maria Della Vittoria in Rom / © Beton.7 ( shutterstock )

Es sind merkwürdige Tage in Rom. Die Angst vor dem Coronavirus treibt täglich neue Blüten, die bis vor kurzem noch unvorstellbar gewesen wären. Eine Seuchensperrzone für das ganze Land, ein Verbot öffentlicher Gottesdienste, geschlossene Bars, Restaurants und Cafes trotz besten Frühlingswetters.

Und nun wollte das Bistums Rom den Gläubigen gar bis 3. April den Zutritt zu all seinen Gotteshäusern verwehren. "Diese Bestimmung dient dem Gemeinwohl", erläuterte Kardinalvikar Angelo De Donatis am Donnerstagabend seine Entscheidung.

Widerstand gegen die strikte Regelung

In den Pfarreien der Ewigen Stadt regte sich jedoch Widerstand gegen die strikte Regelung. Um dem Gemeinwohl zu dienen, müssten die Kirchen gerade in dieser schwierigen Zeit offen bleiben, so die Ansicht. Bereits das von Italiens Bischofskonferenz mitgetragene Gottesdienstverbot halten nicht wenige Priester und Gläubige für überzogen.

"Es gibt viele Orte, an denen überhaupt keine Ansteckungsgefahr besteht. Trotzdem dürfen die Leute nicht in die Messe gehen. Das ist doch lächerlich", kritisierte etwa Franz Xaver Brandmayr, Rektor der deutschsprachigen Anima-Kirche nahe der Piazza Navona.

Im Einklang mit den staatlichen Seuchenschutzvorgaben war es bislang weiter möglich, die Kirchen etwa für ein stilles Gebet zu betreten.

Aber auch das wollte De Donatis unterbinden. Am Freitagmorgen hieß es daher an vielen Pforten Roms: Zutritt verboten. Manch empörter Priester stellte insgeheim bereits Überlegungen an, mit welchen Tricks man das Dekret aushebeln könne. Sogar aus Kurienkreisen kam heftige Kritik: Die Schließung der Gotteshäuser sei ein Zeichen dafür, dass die Kirche "keinerlei Relevanz" mehr habe, sagte ein Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will.

In anderen italienischen Bistümern, die wesentlich stärker vom Coronavirus betroffen sind, wollte man dem Vorstoß von De Donatis ebenso wenig folgen. Giulio Dellavite, Sprecher des Bistums Bergamo, sagte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Wir haben zwar umfangreiche Angebote in der Online-Seelsorge, sind aber fest entschlossen, die Kirchen offen zu halten." Ähnlich äußerte man sich in Mailand, Florenz, Neapel und Palermo. Die Kirchen blieben unter entsprechenden Sicherheitsauflagen geöffnet, so der gemeinsame Standpunkt.

Kardinal Krajewski ignoriert Dekret

In Rom setzte schließlich Kurienkardinal Konrad Krajewski ein Zeichen, als er das Dekret seines Kardinalskollegen demonstrativ ignorierte. Entgegen den Vorgaben des Bistums öffnete der Pole am Freitag persönlich die Türen seiner Titelkirche Santa Maria Immacolata all'Esquilino. "Unter voller Berücksichtigung der Sicherheitsnormen ist es mein Recht, den Armen eine offene Kirche zu bieten", sagte der Sozialbeauftragte des Papstes. So könnten die Armen trotz aller Widrigkeiten das Eucharistiesakrament empfangen, das in der gegenwärtigen Notlage aller Welt Trost spende.

In seiner Frühmesse am Freitag deutete nicht zuletzt Papst Franziskus selbst an, dass er Kirchenschließungen nicht für das Mittel der Wahl im Kampf gegen das Coronavirus hält. "Drastische Maßnahmen sind nicht immer gut", sagte er am siebten Jahrestag seiner Wahl. Wenige Stunden später kassierte das Bistum Rom das Dekret vom Vorabend. Die meisten römischen Kirchen bleiben geöffnet.

In den "modifizierten" Bestimmungen ist zu lesen, dass in den Pfarrkirchen die Priester gemeinsam mit den Gläubigen über verantwortungsvolle Zugangsmöglichkeiten entscheiden mögen. Wie das Bistum weiter mitteilte, wurden die neuen, deutlich weniger strengen Regeln in enger Abstimmung mit dem Bischof von Rom erarbeitet. Und das ist - der Papst selbst.

Autor/in:
Alexander Pitz
Quelle:
KNA