Umweltbeauftragter befürwortet Verbot von Plastiktüten

Zurück zur Jutetasche und zum Einkaufskorb

Seit Beginn dieses Jahres sind an den deutschen Ladenkassen Einkaufstüten aus Plastik verboten. Der Umweltbeauftragte des Erzbistums Köln begrüßt diesen ersten Schritt, sieht im Sinne der Nachhaltigkeit aber noch Luft nach oben.

Einkaufen geht auch ohne Plastiktüte / ©  Arno Burgi (dpa)
Einkaufen geht auch ohne Plastiktüte / © Arno Burgi ( dpa )

DOMRADIO.DE: Freuen Sie sich, dass normale Plastiktüten nun verboten sind?

Christian Weingarten (Leiter der Abteilung Schöpfungsverantwortung im Erzbistum Köln): Ja, definitiv. Bei allen nicht nachhaltigen Varianten, die wir tagtäglich einsetzen, freut es mich, wenn wir die Tüten nicht mehr nutzen.

DOMRADIO.DE: Plastiktüten kommen bei uns in Deutschland, das ist ja nun nicht in allen Ländern der Welt so, brav in die gelbe Tonne und werden dann wiederverwertet, recycelt und so weiter. Wo ist das Problem?

Weingarten: Auch bei uns landen viele Plastiktüten noch im Müll und werden nicht recycelt. Das heißt, sie werden verbrannt. Dadurch entsteht wiederum CO2. Und wir wollen ja eigentlich jetzt massiv CO2 einsparen. Ich glaube auch, dass in Deutschland immer noch viele Plastiktüten auch in der Natur landen. Das ist eigentlich noch schlechter, weil sie da über Jahrhunderte nicht verrotten und der Natur schaden .

DOMRADIO.DE: Jetzt sind diese dünnen sogenannten Hemdchentüten, in die viele Menschen Obst und Gemüse noch einpacken - obwohl Obst und Gemüse ja oft eine eigene Verpackung hat - nicht in dieser Regelung mit drin. Wie finden Sie das?

Weingarten: Das finde ich schade. Ich plädiere immer dafür, Obst entweder in wiederverwendbaren Tragetüten zu transportieren. Die dünnen Plastiktüten sind im Prinzip letztendlich auch Müll und werden nur einmal verwendet. Obst ist oftmals, wie Sie sagten, schon verpackt – und anderes kann ich vielleicht einfach lose sogar in meinen Einkaufswagen tun und brauche dann eigentlich gar keine Verpackung mehr.

DOMRADIO.DE: Ist denn die Papiertüte die beste Alternative? Es braucht ja auch Ressourcen, um die herzustellen.

Weingarten: Genau, die beste Alternative ist es nicht. Alles, was Einweg ist, finde ich persönlich gar nicht so nachhaltig. Das widerspricht sich ja auch ein bisschen. Nachhaltig heißt, ich verwende etwas wieder oder ich kann es wirklich vernünftig recyceln.

Um Papiertüten herzustellen, braucht es meistens vor allem Frischfaser. Es wird also häufig aus Holz hergestellt – und es braucht auch viel Energie. Da sage ich: Sparen wir diese Energie ein und nutzen Varianten, die wir ganz oft wiederverwenden können!

DOMRADIO.DE: Wenn Sie sich auf Ihr Lastenfahrrad schwingen und einkaufen fahren, was haben Sie dabei?

Weingarten: Ich habe ganz viele Jutetaschen dabei, in die ich meinen Einkauf einpacke, die auch flexibel sind. Es gibt mittlerweile oft so kleine Stoffnetze aus Baumwolle, am besten aus Bio-Baumwolle, weil das besser produziert ist. Diese kleinen Stoffbeutel kann ich mehrere hundert Male nutzen – und dann sind die wirklich deutlich besser für die Umwelt und deutlich weniger energieintensiv bei der Herstellung als so eine Einwegtüte.

DOMRADIO.DE: Jetzt ist das ein Weg - manche sagen, ein Tropfen auf den heißen Stein, andere sagen: immerhin ein Anfang. Was könnte sich noch in unserem Alltag verändern, um in kleinen Schritten zu einer gesünderen Welt zu gelangen?

Weingarten: Wenn man Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern betrachtet, haben wir eine ganz große Menge an Plastikverpackungen – und zwar bei ganz vielen Lebensmitteln. Ich glaube, da können wir Schritt für Schritt wieder gucken, wo wir Unverpacktes einkaufen können. In vielen Bereichen, selbst wenn ich Essen in einem Restaurant kaufe, kann ich ja auch eine eigene Tupperdose mitbringen.

Wenn ich auf den Markt gehe und dort Fisch oder Gemüse kaufe, kann ich eine eigene Butterbrotdose mitnehmen, um den Einkauf einzupacken. Dann brauche ich vielleicht gar keine Tüte mehr. Es gilt also, wieder viel offener zu sein, andere Varianten zu nutzen. Vielleicht erlebt auch der einfache Korb von früher irgendwann mal wieder eine Renaissance, weil es ein ganz einfaches Mittel ist, das ich immer wieder verwenden kann, das gut funktioniert und immer noch ein toll ist, um Plastik zu sparen.

DOMRADIO.DE: Zum Teil sind Kinder und Jugendliche da schon viel weiter. Die machen das fast selbstverständlich und gucken einen mit vorwurfsvollen Blicken an, wenn wir was anderes einpacken als zum Beispiel eine Jutetasche oder tatsächlich dieses verpackte Folienzeug in den Einkaufswagen legen. Ist das nicht wirklich eine gute Perspektive, die die Jugendlichen uns da aufgeben?

Weingarten: Definitiv. Oft werden Jugendliche ja kritisiert, dass sie auf die Straße gehen und demonstrieren, aber eigentlich gar nicht so richtig danach handeln. Ich persönlich sehe aber auch ganz viele Jugendliche mit Jutebeutel rumlaufen und eben nicht mehr diese Plastiktüten nutzen, auch wenn es da bei vielen Jugendlichen wahrscheinlich noch Nachhol- oder Lernbedarf gibt.

Ich freue mich natürlich über jeden Jugendlichen, der den Erwachsenen da etwas vormacht und sagt: Hey, achte darauf, weniger Plastik zu verwenden, weil das ist letztendlich Plastik, das entweder in der Natur liegen bleibt und kommende Generationen belasten wird oder einfach energieintensiv ist. Und die Energie brauchen wir einfach woanders.

Das Interview führte Martin Mölder.

Christian Weingarten, Leiter der Abteilung Schöpfungsverantwortung im Erzbistum Köln / © J.Rolfes (Erzbistum Köln Presse)
Christian Weingarten, Leiter der Abteilung Schöpfungsverantwortung im Erzbistum Köln / © J.Rolfes ( Erzbistum Köln Presse )
Plastiktüten in Supermärkten / © Marcel Kusch (dpa)
Plastiktüten in Supermärkten / © Marcel Kusch ( dpa )
Quelle:
DR
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