Zur Heiligsprechung einer Argentinierin reist Milei nach Rom

Argentinisches Gipfeltreffen im Vatikan

Der erste argentinische Papst und die erste in Argentinien geborene Heilige. Aus Anlass der Erhebung von "Mama Antula" zur Ehre der Altäre kommt Argentiniens Präsident Javier Milei nach Rom, allerdings nicht ohne Hintergedanken.

Autor/in:
Severina Bartonitschek
Javier Milei / © Natacha Pisarenko (dpa)
Javier Milei / © Natacha Pisarenko ( dpa )

Die eine begeisterte Menschen vor über 200 Jahren für den christlichen Glauben, der andere arbeitet seit elf Jahren global ebenfalls an diesem Ziel, der Dritte errang kürzlich mit gänzlich anderen Überzeugungen einen Wahlsieg. Der 11. Februar könnte ein interessantes Datum für das Heimatland des Papstes werden. Im Petersdom spricht der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires mit "Mama Antula" erstmals eine gebürtige Argentinierin heilig. Der neue argentinische Präsident Javier Milei reist zu der Zeremonie nach Rom.

Papst Franziskus während einer ökumenischen Vesper zum Abschluss der Gebetswoche der Einheit der Christen in der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom am 25. Januar 2022 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus während einer ökumenischen Vesper zum Abschluss der Gebetswoche der Einheit der Christen in der Papstbasilika Sankt Paul vor den Mauern in Rom am 25. Januar 2022 / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Besuch auf wackeligen Beinen 

Die Teilnahme des jeweiligen Staatsoberhaupts bei einer Heiligsprechung ist zwar nicht unüblich, Mileis Gründe für die Anreise dürften jedoch über das Religiöse hinausgehen. Seit Amtsbeginn mit Protesten gegen seine Reformpläne konfrontiert, sucht er die Nähe des Papstes. Und dessen erste Heimreise wäre für Milei wenigstens ein Achtungserfolg.

Schon länger steht dieser Besuch im Raum, seit dem Wahlsieg des libertären Politikers jedoch auf wackeligen Beinen. Zwar äußerte der Papst den Reisewunsch häufig, erklärte die Umsetzung jedoch kürzlich zur Hypothese. Die üblicherweise monatelangen Vorbereitungen hätten noch nicht begonnen.

Bereit zum Dialog

Die Beziehung zwischen Milei und dem Kirchenoberhaupt ist mindestens kompliziert. Im Wahlkampf hatte der spätere Sieger den Papst scharf kritisiert und ihm vorgeworfen, sich nicht klar genug von Linksautokraten in Lateinamerika zu distanzieren. 

Franziskus wiederum sprach wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen – ohne Milei beim Namen zu nennen – von "messianischen Clowns", die ihn an den Rattenfänger von Hameln erinnerten, die Menschen um sich scharten und dann ertrinken ließen.

Javier Milei, Präsident von Argentinien, bei seinem Amtsantritt  / © Mariano Campetella (KNA)
Javier Milei, Präsident von Argentinien, bei seinem Amtsantritt / © Mariano Campetella ( KNA )

Nach der Wahl mäßigten sich beide Seiten – der Papst gratulierte via Telefon zum Wahlerfolg, Milei lud Franziskus offiziell nach Argentinien ein. Letzteres wird Milei in Rom noch einmal bekräftigen wollen. Franziskus dämpfte jedoch bereits die Erwartungen. Vor Heiligsprechungen sei es üblich, die Autoritäten in der Sakristei zu begrüßen. 

Er wisse, dass Milei um ein Gespräch darüber hinaus gebeten habe. Geplant ist es am 12. Februar. Franziskus habe zugesagt, er sei bereit zu einem Dialog – wie mit jedem anderen auch. Das klingt wenig euphorisch. Um so interessanter ist der Anlass des Treffens, die Heiligsprechung.

Fasziniert von Exerzitien 

Denn während Franziskus und Milei wenig verbindet, bewegt sich die künftige Heilige in derselben Spiritualität wie der Jesuiten-Papst. Geboren als Maria Antonia de Paz y Figueroa 1730 im Nordwesten Argentiniens, knüpfte sie in jungen Jahren Kontakte zur örtlichen Gesellschaft Jesu. 

Die Tochter einer angesehenen Familie faszinierten besonders die ignatianischen Exerzitien. Die geistlichen Übungen nach Ignatius von Loyola sollen in einen Dialog mit Gott führen, Menschen im Gebet einen Weg zur Nachfolge Christi eröffnen.

Eine Statue von "Mama Antula" in Buenos Aires / © Tobias Käufer (KNA)
Eine Statue von "Mama Antula" in Buenos Aires / © Tobias Käufer ( KNA )

Fortan wollte die junge Argentinierin ein religiöses Leben führen. Mit 15 Jahren legte sie ähnlich wie Ordensleute ein Gelübde ab –keusch und arm wollte sie leben – und schloss sich einer losen Gemeinschaft von Frauen im Umfeld der Jesuiten an. Die Nähe zu den Ordensmännern währte jedoch nur kurz. Verbot und Vertreibung der Jesuiten aus politischen Gründen betrafen auch die Ordensmänner in der spanischen Kolonie Argentinien. 

Wandermissionarin 

Nach 1767 übernahm Maria Antonia die Verbreitung der ignatianischen Spiritualität, zog als Wandermissionarin "Mama Antula" von Stadt zu Stadt bis nach Uruguay. Laut einer Chronik stieß ihr Auftreten damals auf Unverständnis – verwirrt, betrunken, als Hexe soll sie von zivilen wie kirchlichen Autoritäten bezeichnet worden sein. 

Die Menschen erreichte sie dennoch. 70.000 sollen es innerhalb wenigerJahre gewesen sein, darunter viele Indigene und Sklaven. Sie gründete ein Exerzitienhaus in Montevideo, später eines in Buenos Aires. Dort starb sie 1799 im Alter von 69 Jahren, begraben ist sie in der Basilika Nuestra Senora de la Piedad. Bis heute werden in der "Santa Casa" Exerzitien angeboten. 

Zwei Wunderheilungen

2016 wurde Maria Antonia seliggesprochen und so zur regionalen Verehrung freigegeben. Voraussetzung dafür ist eine tugendhafte Lebensweise in Kombination mit einem Wunder. Die Heilung einer Ordensschwester auf ihre Fürsprache war es damals. Das für die Heiligsprechung notwendige zweite Wunder war die Heilung eines Mannes, der nach einem Schlaganfall einen Hirnschaden erlitt. Eine logische Erklärung für die Genesung fanden die Ärzte nicht. So darf Mama Antula nach ihrer Heiligsprechung am 11. Februar weltweit verehrt werden – auch von ihrem Landsmann Franziskus, mit oder ohne Heimatbesuch.

Milei gewinnt Präsidentschaftswahl in Argentinien

Der marktliberale Ökonom Javier Milei hat die Präsidentschaftswahl in Argentinien gewonnen. Überraschend deutlich mit 55,7 Prozent setzte sich der Kandidat der radikal-marktliberalen Partei "La Libertad Avanza" nach Auszählung von 99,1 Prozent der Stimmen gegen den linksperonistischen Wirtschafts- und Finanzminister Sergio Massa (44,3) durch.

Javier Milei feiert mit seiner Schwester Karina Milei den Sieg bei der Stichwahl zum Präsidentenamt in Argentinien / © Natacha Pisarenko/AP/dpa (dpa)
Javier Milei feiert mit seiner Schwester Karina Milei den Sieg bei der Stichwahl zum Präsidentenamt in Argentinien / © Natacha Pisarenko/AP/dpa ( dpa )
Quelle:
KNA