DOMRADIO.DE: Wo genau sieht man denn die neue Papstwohnung wenn man auf dem Petersplatz steht?
Gudrun Sailer (Redakteurin bei Vatikan News): Die Papstwohnung im Apostolischen Palast liegt rechter Hand in dem großen Renaissance-Bau, wenn man auf dem Petersplatz steht und geradeaus auf den Petersdom schaut. Die Wohnung ist ziemlich groß. Der berühmteste Teil der Wohnung ist ein bestimmtes Fenster, nämlich das zweite von rechts.
Von da spricht der Papst jeden Sonntag das Mittagsgebet mit den Gläubigen, die sich dazu auf dem Petersplatz versammeln. Dahinter liegt das Arbeitszimmer des Papstes. Das alles ist die Papstwohnung.
DOMRADIO.DE: Die Medien sprechen von einer Privatkapelle und einem Fitnessstudio. Was weiß man denn über die neue Papstwohnung?
Sailer: Eine Privatkapelle gehört direkt zur Wohnung. Diese hatte Papst Paul VI. damals in den 60er-Jahren mit ansprechenden bunten Glasfenstern neu gestalten lassen. Paul VI. hat auch einen Dachgarten errichten lassen, deraber vom Petersplatz her uneinsehbar liegt.
Zumindest zu Papst Pauls Zeiten wuchsen da allerlei schöne Grünpflanzen. Das ist die klassische Wohnung, in die Papst Leo jetzt eingezogen ist. Seit 1903 bewohnten alle Päpste diese Wohnung, außer einem: Dieser eine Papst war Franziskus. Er wohnte lieber in der Casa Santa Marta, dem Gästehaus im Vatikan.
Leo ist also nach zwölf Jahren des Pontifikats von Franziskus in die klassische Papstwohnung hoch über dem Petersplatz zurückgekehrt.
DOMRADIO.DE: Was ist denn über ein Fitnessstudio bekannt?
Sailer: Offiziell haben wir zu einem Fitnessstudio nichts mitzuteilen. Wenn Leo einen Fitnessraum hat, und das halte ich persönlich für wahrscheinlich, dann ist dieser womöglich nicht im dritten Stock, sondern im vierten Stock über seiner Wohnung. Er hatte auch als Kardinal ein Abo im Fitnessstudio.
Dieses Dachgeschoss sieht man, wenn man beim Angelus genau hinschaut, über dem großen Fenster, wo der Papst erscheint. Dort ist noch ein kleineres. Es sieht wie eine Luke aus. Aber nur deswegen, weil die Fenster darunter so riesig sind. Da befindet sich ganz oben ein ganzes Stockwerk mit normaler, nicht übertriebener Raumhöhe. Da oben könnte ein Fitnessstudio sehr gut Platz haben.
DOMRADIO.DE: Leo ist jetzt schon knapp ein Jahr im Amt. Warum hat der Umzug denn so lang gedauert?
Sailer: Die gesamte Wohnung musste grundsaniert werden, weil sie nicht bewohnt war. Die letzte Generalüberholung dieser Papstwohnung geschah schon am Anfang des Pontifikats Benedikts. Das war 2005, also vor mehr als 20 Jahren.
Nach menschlichem Ermessen haben wir ja auch mit Papst Leo einen Papst, der lange bleibt. Er ist erst 70 Jahre alt. Das ist jung für einen Papst. Da ist es ganz gut, wenn alle Anschlüsse, Stromkreise, Wasserleitungen und so weiter auf dem neuesten Stand sind und dann eine Weile Ruhe mit der Haustechnik herrscht.
Die Fragen stellte Renardo Schlegelmilch.