Bischof Jung fordert weniger Aggression in aktuellen Debatten

"Zunehmende Polarisierung unserer Gesellschaft"

​Der Würzburger Bischof Franz Jung wünscht sich in aktuellen gesellschaftlichen und kirchlichen Debatten mehr Langmut und Geduld. Es mache sich "rasch ein Klima der Aggression breit", wenn Veränderungen nicht in kurzer Zeit zu bewerkstelligen seien.

Bischof Franz Jung / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Franz Jung / © Harald Oppitz ( KNA )

Am Sonntag sagte Jung zum Auftakt der Kiliani-Wallfahrtswoche in Würzburg: "Wer wirkliche Veränderung will, muss den langen Atem mitbringen und versuchen, in Ausdauer Prozesse miteinander zu gestalten." Dies gelte für die Kirchenreform ebenso wie in der Ökumene, aber auch für den Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft und das Erreichen der Klimaziele.

Der Bischof sprach von einer "zunehmenden Polarisierung unserer Gesellschaft, in der die Kommunikation verroht". Eine wirkliche Auseinandersetzung werde immer schwieriger, "weil man statt differenzierter Lösungen einfache Erklärungen bevorzugt mit der Pflege von Feindbildern und Verschwörungstheorien". Es gelte, die Gebrochenheit der Welt wahrzunehmen, innerkirchlich etwa beim Versagen angesichts von Missbrauchsfällen.

Blick auf die Probleme vor Ort

Wer das Kreuz ermessen wolle, müsse auch die globalen Krisen der heutigen Zeit betrachten, forderte Jung. Dazu zählt der Bischof die Bedrohung der Umwelt durch den Klimawandel und damit einhergehend die Migrationsbewegungen weltweit, ausgelöst durch Dürre und Wassermangel. Auch die Folgen der Corona-Krise für die ärmeren Länder müssten in den Blick genommen werden.

Die Kirche vor Ort solle sich künftig stärker der Not vor Ort zuwenden, forderte Jung. Corona habe "schlaglichtartig deutlich gemacht, was wir eigentlich alle schon längst wussten, aber nie richtig wissen wollten. Dass unser Gesundheitssystem auf Kante genäht ist und dass wesentliche Dienstleistungen viel zu gering bewertet sind". Falsche Anreize in der Wirtschaft führten zu unmenschlichen Arbeitsverhältnissen führen und zu regelrechter Ausbeutung, "die sich dann niederschlägt in erhöhter Gefährdung der Arbeitnehmer durch Ansteckung und Krankheit". Auch die große Einsamkeit vieler Menschen in direkter Umgebung sei deutlich geworden.

Kiliani-Wallfahrtswoche anders als sonst

Wegen der Corona-Pandemie wird die Kiliani-Wallfahrtswoche dieses Jahr im Bistum Würzburg anders gefeiert als sonst. Statt den zentralen Gottesdienste und Begegnungen gibt es dezentrale Angebote.

Die Wallfahrtswoche erinnert an die drei Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan. Die drei irischen Missionare erlitten um 689 in Würzburg den Märtyrertod. Die Gebeine der drei Patrone des Bistums Würzburg befinden sich normalerweise in einem Schrein in der Neumünsterkirche. Während Kiliani ist er im Dom aufgestellt.

Quelle:
KNA