Ordensleute beraten über sexuellen Missbrauch in Afrika

"Zu oft schweigend gewartet"

Die Konferenz der Ordensleute Frankreichs hat sich bei ihrer am Freitag endenden viertägigen Vollversammlung in Lourdes mit dem Thema sexueller Missbrauch in der Kirche in Afrika auseinandergesetzt.

Symbolbild Missbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Missbrauch: Teddybär in einer Kirchenbank / © Harald Oppitz ( KNA )

Einen Bericht wie den der unabhängigen Kommission Ciase in Frankreich werde es für Afrika nicht geben, zitiert die Zeitung "La Croix" (online Donnerstagabend) Pater Stephane Joulain vom Orden der Weißen Väter.

Die Arbeit der Kommission lasse sich nicht auf Afrika übertragen, so der Psychotherapeut. Die geografische Realität eines Kontinents mit 54 Ländern und einer Vielzahl von Kulturen und Traditionen, aber auch fehlende Mittel ließen nicht auf eine Erhebung wie die in Frankreich in den vergangenen drei Jahren hoffen.

Mehr Mädchen und Frauen unter den Opfern

Die Generaloberin der Kongregation der Schwestern vom Heiligen Kinde Jesus, Schwester Veronica Openibo, räumte ein: "Zu oft haben wir schweigend gewartet, dass der Sturm vorüberzieht - doch heute schämen wir uns unserer Kirche und unserer heuchlerischen Gemeinschaften. Wie konnten wir soweit kommen?" Die nigerianische Ordensfrau hatte bereits im Februar 2019 in Rom beim von Papst Franziskus einberufenen Anti-Missbrauchs-Gipfel berichtet.

In Afrika sind die Opfer anders bei den im Ciase-Bericht angeprangerten Missbräuchen in Frankreich mehr Mädchen, schutzbedürftige Frauen, Witwen oder Alleinlebende. Aber auch Ordensfrauen seien zu oft von Priestern missbraucht worden, so Schwester Openibo. "Wir haben geschwiegen, uns für die Kriminellen eingesetzt. Durch unser Schweigen haben wir an dem Verbrechen mitgearbeitet und zugelassen, dass es wiederholt wird."

Gesicherte Ausbildung von Schwestern gefordert

Der Psychotherapeut Joulain sprach über das Aufkommen von "heiliger Prostitution", bei der junge Mädchen oder Novizinnen ermutigt würden, einen "Schutzpriester" zu finden, um ihr Studium zu finanzieren. Er sieht in der gesicherten Ausbildung von Schwestern eine erste Antwort, damit sie sich besitzergreifendem Verhalten von Klerikern widersetzen könnten.

Schwester Mary Lembo, eine Ordensfrau aus Togo und Mitglied des Kinderschutzzentrums der Päpstlichen Universität Gregoriana, betonte auch die Bedeutung von Schulungen, um "Werbetricks" und einer fatalen Form "afrikanischer Vertrautheit" zu begegnen. Der Ordensmann Joulain riet zu einer Abkehr von patriarchalischen Modellen in Pfarreien, katholischen Schulen und Seminaren. Priester und Ordensmänner seien niemandes Vater: "Nenn mich nicht Vater; diese überlegene Vaterschaft, ich will sie nicht."

Quelle:
KNA
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