ZdK-Präsidentin bezeichnet Glaube als Kompass in unruhigen Zeiten

"Die Zeiten können sich schnell ändern"

Schon viele Prominente sind in München zur sogenannten Kanzelrede in die evangelische Erlöserkirche eingeladen worden. Am Palmsonntag durfte die ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp dort nun das Wort ergreifen.

Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). / © Gordon Welters (KNA)
Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). / © Gordon Welters ( KNA )

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, findet es hilfreich, in Umbruchzeiten wie den gegenwärtigen als Christin einen Kompass zu haben. "Wir wissen nicht, ob die nächste Generation im Frieden leben darf wie wir. Wir wissen nicht, wohin die neue Ordnung der Macht des Stärkeren führt. Niemand kennt die Zukunft", sagte Stetter-Karp laut Redemanuskript am Sonntag bei ihrer Kanzelrede in der evangelischen Erlöserkirche in München.

Die 69-Jährige räumte im Blick auf ihre Generation ein, vieles zu lange für selbstverständlich gehalten zu haben – "nicht nur alles, was wir heute unter Schöpfungsverantwortung und Klimagerechtigkeit verhandeln, sondern vielmehr auch die vermeintliche Sicherheit in einem westlich starken Bündnis".

Sie selbst habe sehr lange zu einer militärischen Aufrüstung nicht ja sagen können, am Beispiel der Ukraine aber dann umdenken müssen, so Stetter-Karp weiter: "Trump und Co habe es bittere Wahrheit werden lassen: Die Zeiten können sich schnell ändern – und Ordnungen, die über Jahrzehnte als gewiss galten, zerrinnen wie Sand zwischen den Fingern."

Gemeinsam um Werte ringen

Nach Ansicht der ZdK-Präsidentin lohnt es sich aber, gemeinsam um Werte zu ringen. So werde dem französischen Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin der Satz zugeschrieben: "Die Zukunft gehört denen, die der Nachwelt Grund zur Hoffnung geben." Das ZdK als höchstes repräsentatives Gremium des deutschen Laien-Katholizismus lade daher dazu ein, für Werte wie die Würde jedes Menschen, die Menschenrechte an sich, für Bildungs- und Chancengerechtigkeit sowie für die Mitgestaltung einer offenen, demokratischen Gesellschaft einzustehen.

Zudem gelte es, den Dialog mit anderen gesellschaftlichen und religiösen Kräften auch über Grenzen hinweg zu führen. Demokratie und Christsein passten gut zusammen, zeigte sich Stetter-Karp überzeugt: "Als Christen glauben wir, dass wir am Frieden arbeiten können. Wir setzen auf die Würde eines jeden Menschen! Sie darf niemals mit Füßen getreten werden."

Die Kanzelrede ist eine gemeinsame Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing und des Freundeskreises der Akademie. Es gibt sie seit 1997. Seither haben Persönlichkeiten wie Joachim Gauck, Gesine Schwan, Heribert Prantl, Christian Stückl, Markus Söder, Harald Lesch, Ilse Aigner, Doris Dörrie und Verena Bentele in diesem Rahmen das Wort ergriffen.

Quelle:
KNA